Faustschläge ins Gesicht, Drohungen und Erniedrigungen – das musste ein Mann im Herbst 2024 über sich ergehen lassen. "Ich musste den dreckigen Fußboden auf Video abschlecken", erzählt er vor Gericht. Der Hintergrund: Sogenannte "Pedo-Hunter" wollten ihm eine Lektion erteilen.
Sichtlich mitgenommen von dem Vorfall schildert der junge Mann im Zeugenstand, wie sehr ihn die Tat nach wie vor belastet. Er traue sich nicht mehr alleine aus dem Haus, sei in psychiatrischer Behandlung, heißt es in der "Kleinen Zeitung". Die neun Angeklagten dahinter ließen die Schilderungen emotionslos über sich ergehen, bloß einer entschuldigte sich vor Ort bei seinem Opfer.
Was war passiert? Eigentlich wollte sich das Opfer mit einem 17-jährigen Mädchen treffen. Dass sich hinter dem Account in Wahrheit die "Pedohunter" verbargen, ahnte er zu diesem Zeitpunkt nicht. Statt eines Dates fand er sich in einem Hinterhof von fünf Männern umzingelt. Sie sollen gedroht haben, ihn "totzuschlagen", wenn er ihnen nicht all seine Wertsachen gebe.
Dann wurde er auf einen Dachboden in der Grazer Kasernstraße getrieben, dort sollen die Angeklagten die Kamera eingeschaltet haben. Sie schlugen ihn mit Fäusten ins Gesicht, zwangen ihn, den Boden abzulecken. Blutverschmiert sei er schließlich am Boden niedergesackt, die Angeklagten flüchteten mit seinem Handy und Bargeld.
Wer geschlagen hat, konnte das Opfer nicht erkennen. Die Angeklagten zeigten sich dennoch geständig, bestätigten die Aussagen mit "Stimmt". Zwei junge Burschen, die in der Vergangenheit ebenfalls an "Einsätzen" der Pedohunter beteiligt waren, schilderten ähnliche Szenen. Opfer seien angeschrien, bespuckt oder ausgeraubt worden. Ein Urteil steht noch aus, der Prozess gegen die Bande wurde vertagt. Die Unschuldsvermutung gilt.