An einem Donnerstag im Sommer ging es für eine Familie aus Neustadtl (NÖ) plötzlich um Leben und Tod. Am 16. Juli fühlte sich Maria Steinberger (73) in der Früh nicht besonders gut und wollte sich noch einmal hinlegen. Was niemand ahnte: Die Pensionistin erlitt im Schlafzimmer einen Herzinfarkt.
Ehemann Gottfried sah zufällig nach, wie es seiner Frau ging und holte sofort Tochter Irene. Als die 39-Jährige ihre Mutter sah, bemerkte sie, dass deren Lippen bereits blau angelaufen waren. Jetzt zählte jede Sekunde.
Irene griff sofort zum Telefon und wählte den Rettungsnotruf 144. Am anderen Ende der Leitung meldete sich Notrufexperte Matthias Hannl von Notruf Niederösterreich. Er erklärte der Tochter Schritt für Schritt, was sie tun musste.
Die 39-jährige Juristin begann sofort mit der Wiederbelebung ihrer Mutter. Während sie um deren Leben kämpfte, blieb der Notrufexperte die ganze Zeit am Telefon.
"Der Notrufexperte war für mich ein Rettungsanker, er hat mir in aller Ruhe erklärt, was ich tun muss, und war die ganze Zeit über da. Ich war nicht allein mit der Situation. Das hat mich unglaublich unterstützt", erinnert sich Irene an die dramatischen Minuten.
Nur wenige Minuten später trafen die alarmierten Sanitäter des Roten Kreuzes aus Ybbs ein und übernahmen die weitere Versorgung. Gemeinsam mit dem Team des ÖAMTC-Notarzthubschraubers Christophorus 15 wurde die Reanimation fortgesetzt. Anschließend flog die Flugrettung die 73-Jährige ins Krankenhaus.
Für die Familie war der Schock noch lange nicht vorbei. Eine Mitarbeiterin der Krisenintervention des Roten Kreuzes kümmerte sich um sie und half bei den nächsten Schritten.
Besonders ein Moment ging Irene nahe. Nach dem Rettungseinsatz traute sie sich nicht mehr ins Schlafzimmer , in dem ihre Mutter wiederbelebt wurde. Sie wusste, dass dort noch Chaos herrschte.
Als sie später doch den Raum betrat, erlebte sie eine Überraschung: Die Sanitäter hatten bereits alles aufgeräumt. Nur die ausgehängte Tür erinnerte noch an den dramatischen Einsatz.
"Ich stand im Türrahmen und habe angefangen zu weinen", erzählt die 39-Jährige. Dass ihr die Rettungskräfte auch diese Belastung abgenommen hatten, berührte sie zutiefst.
Knapp zwei Monate nach dem Vorfall meldete sich Irenes Lebensgefährte Markus Mraz beim Roten Kreuz. Die Familie wollte sich persönlich bei den Helfern bedanken. Jetzt kam es zum emotionalen Wiedersehen in Tulln.
Die 73-Jährige hatte den Herzinfarkt überlebt und war wieder gesund. Für ihre Tochter war das Treffen mit den Rettungskräften besonders bewegend. Unter Tränen umarmte sie die Helfer, die an jenem Julitag im Einsatz gewesen waren.
"Ich bin so froh, dass ihr für uns da wart – denn damit ist heute auch meine Mama gesund und wohlauf bei uns. Wir sind einfach alle glücklich."
Auch Rotkreuz-Präsident Hans Ebner würdigte den Einsatz der Tochter. Bei einer kleinen Feier überreichte er der 39-Jährigen eine Auszeichnung für ihr beherztes Handeln.
"Eines muss ganz klar gesagt werden: Lebensretterin ist Irene Steinberger", betonte Ebner. Sie habe richtig reagiert, den Notruf gewählt und sofort mit der Wiederbelebung begonnen.