Mit 23 Jahren hat Alexandra-Nicole Ani aus Wiener Neustadt schon einige berufliche Umwege hinter sich. Die Schule war nichts für sie, ihre erste Lehre ging schief. Doch die junge Niederösterreicherin ließ sich nicht entmutigen. Jetzt hat sie endlich einen Beruf gefunden, der ihr Freude macht – und blickt voller Zuversicht in die Zukunft.
Schon früh wusste Alexandra-Nicole, dass sie lieber praktisch arbeiten wollte, als weiter die Schulbank zu drücken. Mit 19 Jahren beendete sie ihre Ausbildung an einer AHS und entschied sich für eine Lehre als Metalltechnikerin. Doch auch dieser Weg erwies sich als Sackgasse: Sie brach die Ausbildung ab.
Es folgten mehrere Schnupperpraktika in unterschiedlichen Berufen. Die Suche nach dem richtigen Job gestaltete sich schwieriger als gedacht. Erst 2025 kam schließlich die entscheidende Wende.
Beim AMS Wiener Neustadt wurde Alexandra-Nicole das Programm "Frauen in Handwerk und Technik" (FiT) empfohlen. Im FiT-Zentrum kristallisierte sich rasch heraus, welcher Beruf wirklich zu ihr passt: Hörgeräteakustikerin.
Im Dezember 2025 startete die 23-Jährige bei Tomann Optik und Hörakustik in Wiener Neustadt ihre sogenannte Punktgenaue Qualifizierung. Dort lernt sie nun unter anderem, wie individuelle Hörgeräte für Kunden angefertigt und angepasst werden.
Den ersten Lehrgang hat Alexandra-Nicole bereits erfolgreich absolviert. Während ihrer Ausbildung sorgt das AMS für die finanzielle Absicherung.
"Begleitet von meinen Beraterinnen aus der Punktgenauen Qualifizierung werde ich in diesem Beruf meinen Lehrabschluss machen", zeigt sich die junge Frau überzeugt.
Dass es für einen beruflichen Neustart nie zu spät sein muss, beweist auch Susanne Ohrenstein. Die vierfache Mutter hatte viele Jahre ihren Mann und ihre Familie im In- und Ausland unterstützt. Nach dem Ende ihrer Beziehung musste sie plötzlich wieder beruflich und finanziell auf eigenen Beinen stehen.
Mit 56 Jahren wagte sie über das FiT-Programm den Neustart und begann eine Lehre als Tapeziererin in einem niederösterreichischen Traditionsbetrieb. 2025 schloss sie ihre Ausbildung erfolgreich ab. Heute hat sie eine fixe Anstellung und bereitet sich bereits auf die Meisterinnenprüfung vor.
"Lebenslanges Lernen hält mich jung und ich habe große Freude in meinem Beruf", erzählt Ohrenstein.
Die beiden Frauen stehen beispielhaft für ein Programm, mit dem das AMS Niederösterreich Frauen neue berufliche Perspektiven eröffnen will. Denn die Lage auf dem Arbeitsmarkt ist angespannt.
Ende September waren in Niederösterreich 22.511 Frauen arbeitslos gemeldet – ein Anstieg um 11,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Bei Männern betrug das Plus 4,4 Prozent. Besonders stark betroffen sind Frauen über 50 Jahre, bei denen die Arbeitslosigkeit um 14,3 Prozent zunahm.
Gleichzeitig droht dem Bundesland langfristig ein Mangel an Arbeitskräften. Bis 2050 könnte die Zahl der Erwerbspersonen zwischen 15 und 64 Jahren laut Statistik Austria um rund 56.000 sinken.
Seit dem Start des FiT-Programms im Jahr 2006 haben in Niederösterreich 4.725 Frauen einen Lehrabschluss oder eine höhere Qualifikation erworben. Rund 80 Prozent der Absolventinnen haben laut AMS drei Monate nach Ausbildungsende einen Arbeitsplatz – für das Artbeitsmarktservice ein Erfolgsmodell.
"Wenn Frauen neue berufliche Wege einschlagen, gewinnen alle: die Frauen selbst, die Betriebe und der Arbeitsmarkt", betont AMS-NÖ-Landesgeschäftsführerin Sandra Kern.
Für das Ausbildungsjahr 2026/27 stellt das AMS Niederösterreich rund 9,2 Millionen Euro bereit. Damit sollen etwa 1.450 Frauen in den FiT-Zentren und im Rahmen der Punktgenauen Qualifizierung unterstützt werden.
Bei einer Jobmesse am 22. Oktober im Zentral Kino in Wiener Neustadt konnten sich interessierte Frauen mit 13 Unternehmen aus dem Industrieviertel vernetzen.
Für Alexandra-Nicole Ani steht jedenfalls fest: Nach mehreren beruflichen Umwegen will sie diesmal ihren Weg bis zum Lehrabschluss gehen.