Häftling stirbt in Josefstadt

"Man hat ihn uns weggenommen": Freundin erhebt Vorwürfe

Nach dem Tod eines Häftlings in der Justizanstalt Josefstadt meldet sich nun seine Lebensgefährtin zu Wort. Sie spricht von schweren Versäumnissen.
Christian Tomsits
22.07.2026, 21:58
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Der Tod eines 50-jährigen Häftlings in der Justizanstalt Josefstadt im vergangenen Sommer beschäftigt aktuell die Justiz. Während die Staatsanwaltschaft gegen fast Beteiligte ermittelt, kämpft die Lebensgefährtin des Verstorbenen bis heute mit den Folgen des tragischen Vorfalls.

"Man hat mir meinen Lebenspartner und den Vater meiner Tochter weggerissen", sagt die Salzburgerin im Gespräch mit "Heute". Die Alleinerzieherin versucht seither, sich mit ihrer vierjährigen Tochter und wenig finanzieller Unterstützung über Wasser zu halten. "Von einem Tag auf den anderen war nichts mehr wie vorher."

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Besonders belastend seien für sie die letzten Wochen vor dem Tod ihres Partners gewesen. Der Mann befand sich in Untersuchungshaft, die letzten Besuche fanden plötzlich nur noch hinter einer Glasscheibe statt. "Unsere Tochter hat nicht verstanden, warum sie ihren Papa nicht mehr umarmen dürfte", erzählt sie.

Zusätzlich erhebt sie schwere Vorwürfe gegen die Behörden. Weder über den Krankenhausaufenthalt ihres Partners noch über dessen Tod sei sie rechtzeitig informiert worden. Sie vermutet schwere Versäumnisse bei der Überwachung. "Ich bin wütend, weil so viel falsch gelaufen ist", sagt die 29-Jährige.

Der 50-Jährige saß wegen mutmaßlicher Sexualdelikte nach englischem Recht aufgrund von Fluchtgefahr in Untersuchungshaft, dürfte aus panischer Angst vor der Abschiebung Tabletten über Tage gesammelt und dann auf einmal geschluckt haben. Er starb an einer Medikamentenüberdosis in staatlicher Obhut. Zuvor hatte man trotz seines schlechten Allgemeinzustands versucht, ihn abzuschieben.

Suizidgedanken? Es gibt Hilfe!

In der Regel berichten wir nicht über Selbsttötungen oder entsprechende Versuche – außer Suizide erfahren durch die Umstände besondere Aufmerksamkeit.

Wenn du unter Suizidgedanken, Depressionen oder anderen Ausnahmesituationen leidest, bietet die Telefonseelsorge unter der Nummer 142 von 0-24 Uhr kostenlos und anonym schnelle Unterstützung.

Weitere Ansprechstellen für Betroffene:

Kriseninterventionszentrum Wien: 01/40 69 595
Rat auf Draht: 147
Weisser Ring - Verbrechensopferhilfe: 0800 / 112 112

Am Flughafen brach er zusammen, starb schließlich nach einer Nacht mit Handfesseln im Spital kurz nachdem er wieder in eine Zelle gekommen war. Ob strafrechtlich relevantes Fehlverhalten vorlag, wird derzeit geprüft.

Was ist passiert?

Ein Häftling einer Salzburger Justizantalt hätte am 26. August 2025 nach Großbritannien abgeschoben werden sollen, brach jedoch am Flughafen offenbar an einer Überdosis Antidepressiva zusammen und verbrachte eine Nacht in komatösem Zustand in einem niederösterreichischen Spital. Dann wurde er entlassen, kam jedoch nicht auf eine Krankenstation, sondern wurde – bis zum geplanten zweiten Abschiebeversuch – in der Justizanstalt Josefstadt untergebracht. Dort verschlechterte sich der Zustand des schwierigen Häftlings in der Zelle erneut, er wurde leblos aufgefunden und starb nach erfolglosen Wiederbelebenungsversuchen.

Fakt ist, dass die Diskussionen über den heimischen Strafvollzug durch diesen bislang ungeklärten Vorfall sicherlich nicht abnehmen werden. Auch wenn Top-Verteidiger Philipp Wolm, der mehrere Beamte vertritt, seine Mandanten durch das vorliegende medizinische Gutachten entlastet sieht. Die Unschuldsvermutung gilt.

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