Mehr als 1,2 Millionen Euro verspielt, das gesamte Vermögen verloren und am Ende mittellos: Ein spielsüchtiger Kärntner kämpfte jahrelang darum, einen Teil seiner Verluste zurückzubekommen. Jetzt gibt es eine überraschende Wende im Streit mit dem Casino im slowenischen Kranjska Gora. Nach zähen Verhandlungen vor dem Landesgericht Klagenfurt einigten sich beide Seiten auf einen bedingten Vergleich.
"Ich habe in mancher Stunde 1.150 Euro verspielt", erzählte der Akademiker vor Gericht laut der "Kleinen Zeitung". Über viele Jahre war er Stammgast im Casino in Kranjska Gora, nachdem er in österreichischen Casinos gesperrt worden war. In manchen Monaten fuhr er vier- oder fünfmal nach Slowenien. Häufig verbrachte er die Zeit zwischen Mitternacht und sechs Uhr früh vor den Glücksspielautomaten.
Am Ende war sein gesamtes Geld weg. Um weiter spielen zu können, verschuldete er sich sogar bei Bekannten. Schließlich ließ er sich auch für Casinos im Nachbarland sperren. Der Mann leidet an Spielsucht. In seiner Klage argumentierte er, dass er zwar die Folgen seines Handelns verstehen konnte, aufgrund seiner Sucht aber nicht in der Lage gewesen sei, entsprechend dieser Erkenntnis zu handeln.
Vor rund sechs Jahren klagte der Kärntner den Betreiber des Casinos, die staatliche slowenische Unternehmensgruppe Hit d.d. Nova Gorica. Er wollte Geld zurück, das er zwischen Juli 2018 und September 2020 bei fast 100 Casinobesuchen verloren hatte. Insgesamt forderte er zuletzt 167.000 Euro Schadenersatz zuzüglich Zinsen und Gerichtsgebühren – in Summe knapp 250.000 Euro.
Zunächst erlitt er vor Gericht eine Niederlage: Das Landesgericht Klagenfurt wies die Klage im Oktober 2025 ab. Auch mit seiner Berufung scheiterte der Mann im Jänner 2026 am Oberlandesgericht Graz. Doch sein Anwalt wandte sich an den Obersten Gerichtshof. Dieser hob die vorherigen Urteile auf und schickte den Fall zurück ans Landesgericht Klagenfurt.
Bei der neuerlichen Verhandlung in der Vorwoche standen die Zeichen zunächst nicht auf Einigung. Die Casino-Seite bot maximal 33.000 Euro an. "Das ist jener Betrag, den der Kläger verloren haben könnte", erklärte der Anwalt. "Mehr geben die Aufzeichnungen unseres Mandanten nicht her."
Nach mehreren Beratungen und zähem Hin und Her kam schließlich doch eine Einigung zustande: Der Kärntner soll 75.000 Euro bekommen. Allerdings steht der Vergleich noch unter einer Bedingung: Der Vorstand der Casino-Gesellschaft muss zustimmen.
Der Kläger akzeptierte den Betrag schließlich. "Ich bin müde, ich habe keine Kraft mehr. Beenden wir das", erklärte der spielsüchtige Mann. Richterin Becker richtete zum Abschluss noch Worte an die Casino-Seite: "Ich glaube, Sie haben sich damit viel Ärger und Nerven gespart."