Am siebten Verhandlungstag im Prozess gegen Marius Borg Høiby (29) stand erneut eine mutmaßliche Vergewaltigung im Zentrum. Es geht um einen Vorfall, der sich im Oktober 2023 auf den Lofoten, einer Inselgruppe im Norden Norwegens, ereignet haben soll.
Der 29-Jährige hatte dort gemeinsam mit seinem Stiefvater Kronprinz Haakon (52) einen Surfurlaub verbracht. Nach einer Party soll Høiby dort eine junge Frau, die er über Tinder kennengelernt hatte, vergewaltigt und gefilmt haben, während sie schlief.
Das Opfer selbst erklärte am Dienstag vor Gericht, dass sie in jener Nacht dreimal einvernehmlichen Geschlechtsverkehr mit Marius hatte, bevor sie ein viertes Mal aufwachte, weil Høiby angeblich den Geschlechtsverkehr begonnen hatte, während sie schlief.
"Das war immer der schlimmste Albtraum meines Lebens", sagte die junge Frau am Dienstag vor Gericht. "Ich erinnere mich, dass ich aufgewacht bin, als er in Aktion war", führte sie weiter aus.
Als Beleg, dass die Frau nicht im Zustand war, sich zu wehren, legte die Staatsanwaltschaft ein Video vor, das Høiby mit seinem eigenen Handy gemacht hatte. Laut Staatsanwalt Sturla Henriksbø zeigt das fünfsekündige Video, dass die Frau geschlafen habe. Auch die von ihrer Fitnessuhr gemessene Herzfrequenz belegt demnach, dass sie zu Tatbeginn geschlafen habe.
Marius Borg Høiby spricht dagegen am Dienstagnachmittag von "ganz gewöhnlichem, freiwilligen, schönen Sex". Er vergreife sich nicht an schlafenden Frauen: "Ich verstehe das nicht: Wenn wir schon mehrfach Sex hatten – wieso in aller Welt soll ich mit ihr geschlafen haben, während sie nicht wach war?"
Als der 29-Jährige, nachdem er im November 2024 wegen Vergewaltigungsvorwürfen festgenommen wurde, mit dem von ihm aufgenommenen Video konfrontiert wurde, soll er laut "VG" zum regungslosen Zustand der Frau gesagt haben: "Dann muss sie sich wohl entspannt haben."
Am Donnerstagvormittag wurde eine Frau, die beim Saunagang vor der mutmaßlichen Tat anwesend war, in den Zeugenstand gerufen. Es handelt sich um eine ehemalige Kollegin und Freundin des mutmaßlichen Opfers.
Die Zeugin beschrieb Marius' Verhalten in der Wohnung auf den Lofoten als "unangenehm". Sie bestätigte, dass er erzählt habe, sich noch am selben Abend von seiner Freundin getrennt zu haben. Laut der Zeugin wirkte er "nicht wie einer, mit dem man gern zu tun haben möchte".
Über die anschließenden Geschehnisse und den Zustand ihrer Freundin erklärte die Zeugin: "Sie kam raus und wollte nicht mehr rein. Sie sagte, sie sei erschöpft – und er wollte immer nur weitermachen." Sie bezog sich damit auf wiederholte sexuelle Annäherungen. Marius hatte bereits ausgesagt, dass es für ihn normal sei, mehrmals hintereinander Sex zu haben.
Gegenüber der Zeugin soll das mutmaßliche Opfer weiter ausgeführt haben, warum sie keinen Sex mehr wollte: "Sie hatte einen anstrengenden Tag gehabt und wollte schlafen. Sie sagte auch, dass sie im Unterleib wund werde, denn er wollte die ganze Zeit weitermachen."
Das mutmaßliche Opfer wird am Donnerstag erklärt, während Marius selbst erst am Freitag zu diesem Vorfall Stellung nehmen soll.