Als Marius Borg Høiby am frühen Nachmittag im Osloer Amtsgericht den Zeugenstand betritt, ist er sichtlich überfordert. Noch bevor die erste Frage gestellt wird, kommen ihm die Tränen. "Ich finde es unglaublich schwierig, vor so vielen Menschen zu sprechen", sagt er mit brüchiger Stimme. Der Richter gibt ihm eine Minute, um sich zu sammeln.
Es ist ein emotionaler Start. Høiby spricht über sein Leben unter öffentlichem Druck, über Drogen, Alkohol und ein extremes Bedürfnis nach Bestätigung. Er wirkt verletzlich, ringt um Fassung, trocknet sich die Tränen mit einem Taschentuch ab. Der Gerichtssaal ist still.
Doch je länger der Tag dauert, desto mehr verändert sich seine Haltung.
Im Laufe des Kreuzverhörs wird Marius immer wieder mit denselben Details konfrontiert. Staatsanwalt Sturla Henriksbø fragt nach Erinnerungen, Uhrzeiten, Abläufen und Widersprüchen rund um die Partynacht im Dezember 2018 auf Schloss Skaugum. Mal sagt der Angeklagte, er könne sich erinnern, mal nicht. Immer wieder betont er, dass es für ihn schwierig sei zu unterscheiden, was er tatsächlich erlebt habe und was er später gelesen habe.
Gegen Ende der Befragung kippt die Stimmung. Als Henriksbø erneut auf dieselben Punkte zurückkommt, reagiert Marius hörbar genervt. "Das habe ich doch schon eine Million Male erklärt", sagt er ungehalten.
Der Satz steht in starkem Kontrast zu seinem emotionalen Auftreten zu Beginn des Tages. Aus dem weinenden Angeklagten wird ein sichtbar erschöpfter, gereizter Mann, dem die Geduld schwindet. Seine Nervosität bleibt spürbar, die Hand zittert beim Trinken, die Arme sind verschränkt.
Dabei hat der Prozess gerade erst begonnen. Das Verfahren gegen den 29-Jährigen, dem insgesamt 38 Anklagepunkte zur Last gelegt werden, ist bis Mitte März angesetzt. Noch viele Zeugen, Aussagen und Detailfragen stehen an.
Der zweite Prozesstag macht deutlich: Die emotionale Belastung für Marius Borg Høiby ist enorm. Doch wenn er seine Nerven schon jetzt verliert, könnte der lange Weg durch den Gerichtssaal noch sehr viel schwerer werden.