Am 4. März 2020 war dem Weinviertler Egon Englisch (81) die Bauchspeicheldrüse entfernt worden. Das SPÖ- und Volkshilfe-Urgestein müsste pro Tag acht Stück des Medikaments "Kreon 25.000" einnehmen. Doch es ist nicht zu bekommen! Er kenne andere Leute mit ähnlichen Problemen: "Das ist eine Katastrophe."
"Dieses Medikament verlängerte mir bis heute meine prognostizierte Lebenserwartung von damals einem Jahr, steigerte meine Lebensqualität immens. Dazu muss ich noch täglich 23 andere Medikamente einnehmen und vier Mal täglich Insulin spritzen", so Englisch.
Seit Februar gibt es große Lieferschwierigkeiten: "Ich habe schon fünf Besorgerscheine von meiner Apotheke." Ersatz gibt es in Österreich keinen. Nur in Deutschland bekomme man "ein gleichwertiges Medikament namens 'Pankreatan', bestellbar nur über Bewilligung vom Hausarzt und der BVAEB". Zumindest das Präparat konnte sich Englisch besorgen: "Es reicht für ein Monat aus", sagt er zu "Heute". Lange blieb Englisch ruhig, nun möchte er einen Weckruf starten.
"Das Medikament ist weltweit Mangelware, es wird alles getan, um so viel wie möglich zur Verfügung zu stellen", heißt es aus dem Büro von Gesundheitsstaatssekretärin Ulrike Königsberger-Ludwig zu "Heute".
Der 81-Jährige, der sich durch viele gesundheitliche Rückschläge kämpfte (u.a. neue Herzklappe, eingesetzter Defi) bleibt trotz der Sorgen jedenfalls positiv eingestellt, er betont: "Ich bin weiterhin gut drauf."
Neben "Kreon 25.000" wisse Englisch "auch von Lieferschwierigkeiten bei Vertirosan B6 und bei einigen Frauenmedikamenten".
"Das Problem der Lieferengpässe bei Arzneimitteln begleitet uns schon seit vielen Jahren, wobei die Zahl der nicht lieferbaren Medikamente kurzfristig schwanken kann, längerfristig jedoch in etwa gleich bleibt. Auch die betroffenen Produkte wechseln", heißt es seitens der Apothekerkammer auf Anfrage.
Die Apothekerschaft "leidet" unter Lieferengpässen ebenso wie die Patientinnen und Patienten, heißt es. Apotheken seien "das letzte Glied in der Kette, bevor die Bevölkerung versorgt wird. Auf die Produktion, Lagerung, Distribution und Lieferung der Medikamente hat die Apothekerschaft leider keinen Einfluss. Die Apotheken werden mehrmals täglich, je nach Bedarf, vom pharmazeutischen Großhandel beliefert. Hat dieser keine Ware mehr, weil z.B. ein Hersteller nicht produzieren oder nachliefern kann, gelangt das betreffende Medikament auch nicht in die Apotheke. Im Schnitt hat eine Apotheke rund 6.000 unterschiedliche Medikamente auf Lager".
Apothekerinnen und Apotheker versuchen, die für Patientinnen und Patienten unangenehme Situation sofort und vor Ort zu entschärfen. Das gelinge in rund 95 % aller Fälle.