"Mit 12 Jahren wurde bei mir Morbus Crohn diagnostiziert", erzählt Natascha Bachner im "Heute"-Gespräch. Damit konnte die Melkerin auch umgehen, bis ihre Situation vor vier Jahren dramatisch eskalierte: "Ich wurde im August 2021 mit der Rettung ins St. Pöltner Spital gebracht und in mehrere MRTs gesteckt. Da kam dann raus: Mein Darm war offen, das Innere drang in meinen Bauchraum. Mir mussten 30 Zentimeter Darm entfernt werden."
Es folgten eine Not-OP, zehn Tage im künstlichen Koma und Wochen auf der Intensivstation. Wie der Krankenhausaufenthalt ausgehen würde, war nicht klar: "In der Zeit wurde meine Mutter ins Spital geholt. Damit sie sich bei mir verabschieden kann, falls sich mein Zustand weiter verschlechtert."
Als sie schließlich aus dem künstlichen Tiefschlaf aufwachte, kam der nächste Schock: "Ich erinnere mich, ich habe hinuntergesehen und hing plötzlich an drei Beuteln." Ihr Körper war zu diesem Zeitpunkt völlig ausgezehrt – sie wog nur noch 32 Kilogramm, erzählt sie.
Auch danach riss die Belastung nicht ab. "Meine Bauchnaht ist fünfmal aufgeplatzt, mein Darm fiel aus dem Bauch heraus", schildert Bachner. Noch heute lebt sie mit einem Stoma, ihre Bauchdecke sei extrem dünn, "gerade einmal so dick wie ein Wurstrad. Ich kann an mir heruntersehen, wie mein Körper verdaut."
Ihr Tagesablauf sei von Erschöpfung und körperlichen Einschränkungen geprägt. "Ich stehe um sechs Uhr auf, kümmere mich um meine elfjährige Tochter, dann muss ich gleich wieder schlafen gehen." Mehr als kleine Aufgaben im Haushalt seien oft nicht möglich. "Um 19 Uhr ist der Tag für mich vorbei und ich falle ins Bett."
Der Wiedereinstieg ins Berufsleben ist für die 34-jährige Mutter unter diesen Umständen keinesfalls denkbar, erzählt sie "Heute" gegenüber: "Ich kann keine acht Stunden am Stück sitzen. Ich darf nicht einmal den Wäschekorb durchs Zimmer tragen."
Dabei habe sie früher in verschiedenen Jobs gearbeitet, etwa in der Reinigung, im Einzelhandel und in einer Pizzeria. "Ich würde ja gerne arbeiten, wirklich, aber ich kann einfach nicht."
Umso weniger nachvollziehbar ist für Natascha Bachner eine Entscheidung der Pensionsversicherungsanstalt (PVA): Sie gilt laut Gutachten als "voll arbeitsfähig", ihr Antrag auf berufliche Rehabilitation wurde abgelehnt: "2024 zeigte sich eine deutliche Stabilisierung der chronischen Erkrankung, damit war eine Tätigkeit am allgemeinen Arbeitsmarkt wieder zumutbar", erklärt die PVA gegenüber "Heute".
"Wie soll ein Mensch arbeiten, wenn es ihm so schlecht geht?", fragt Bachner "Heute". Sie ist seit 2024 beim AMS gemeldet, soll sich eben einen Job suchen. "In meinem Zustand kann ich nie und nimmer arbeiten, so gerne ich auch würde."

Für eine Invalidenpension kommt Frau Bachner aber auch nicht in Frage, zuletzt strich die Pensionsversicherungsanstalt sogar ihr Pflegegeld. Die PVA betont auf "Heute"-Anfrage, dass ihre Entscheidung auf medizinischen Einschätzungen beruhe. Bachner habe ab Dezember 2021 Rehabilitationsgeld bezogen, nachdem sich ihre chronische Erkrankung verschlechtert hatte.
„Das Gefühl, von jemandem abhängig zu sein, ist furchtbar.“Natascha Bachner, 34Nach mehreren Bauch-OPs
Bei einer Nachuntersuchung 2023 sei noch keine ausreichende Belastbarkeit festgestellt worden. 2024 habe sich laut PVA jedoch eine "deutliche Stabilisierung" gezeigt. Daher sei eine Tätigkeit am allgemeinen Arbeitsmarkt wieder zumutbar gewesen, das Rehabilitationsgeld wurde somit Ende April 2024 eingestellt.
Für Bachner bleibt die Situation belastend – nicht nur körperlich und psychisch, sondern auch emotional. Vom AMS erhält sie monatlich 300 Euro Notstandshilfe, versucht, mit dem Einkommen ihres Mannes über die Runden zu kommen.
Von der PVA sieht sie sich missverstanden. "Das Gefühl, von jemandem abhängig zu sein, ist furchtbar", sagt sie. Zu Hause bekomme sie Unterstützung von ihrem Mann und teilweise von Nachbarn, die ihre Tochter manchmal in die Schule fahren.
Trotz allen Torturen und Alltagsschwierigkeiten richtet sie eine Botschaft an andere Betroffene von chronischen Krankheiten: "Ihr seid nicht allein. Wir müssen gemeinsam durchhalten und weiterkämpfen."