Österreich ist EU-Schlusslicht bei der Väterkarenz. Mütter nehmen nach der ersten Geburt durchschnittlich 416 Tage bezahlte Elternkarenz in Anspruch – Väter bleiben nur neun Tage zu Hause. Nur jeder sechste Vater (16,7 Prozent) in Österreich geht in Elternkarenz. Mit diesen Zahlen zum Anlass will die SPÖ gegensteuern und propagiert deshalb "Karenz für Mama UND Papa – Familie ist Teamarbeit".
"Wer den Großteil der Sorgearbeit trägt, hat ein höheres Armutsrisiko im Alter. Deshalb ist eine faire Aufteilung der Karenzzeit auch eine Frage der finanziellen Sicherheit für Frauen", so Frauensprecherin Sabine Schatz Anfang April dazu: "Unser Ziel muss ganz klar sein: Halbe-Halbe in allen Lebensbereichen."
Ob diese Idee bei Herrn und Frau Österreicher so gut ankommt? Eine neue repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Demox Research zur 50:50-Aufteilung der Karenz zeigt breite Ablehnung: 74 Prozent der Familien sind für die Beibehaltung der aktuellen Karenzregelung.
Auch Koalitionspartner ÖVP kann dem roten Zugang nichts abgewinnen. "Jedes Paar trifft die Entscheidung für sich, ob es Kinder möchte und wenn ja, wie es sich das aufteilt. Die Politik hat Möglichkeiten zu schaffen, nicht vorzuschreiben, wie sich Paare die Erziehung ihrer Kinder aufteilt", so Familienministerin Claudia Bauer.
Gleichzeitig betont sie aber, dass die Väterbeteiligung nicht nur auf den Karenzbegriff reduzieren lasse. "Sie ist eine Frage der gelebten Partnerschaft über viele Jahre hinweg und sie hört auch nicht nach den ersten paar Jahren auf."
Und gleichzeitig wisse man, dass zwischen dem Wunsch nach partnerschaftlicher Aufteilung und dem, was im Alltag tatsächlich gelebt wird, oft noch eine Lücke klafft.
Zur Umfrage
Fragestellung: "Ein Vorschlag sieht die Neuregelung der Karenz vor: Elternkarenz und das Kinderbetreuungsgeld ("Karenzgeld") sollen zukünftig verpflichtend je zur Hälfte zwischen beiden Eltern aufgeteilt werden. Eine freie Aufteilung wie bisher wäre damit nicht mehr möglich. Gleichzeitig würden ermutlich mehr Männer in Karenz gehen. Was halten Sie von diesem Vorschlag?"
Grundgesamtheit: Österreichische Bevölkerung ab 16 Jahren, online erreichbar
Stichprobe: 1.000 Personen
Durchführendes Institut: Demox Research
"Viele Paare starten sehr gleichberechtigt und rutschen dann im Alltag doch wieder in klassische Rollenbilder zurück. Aber das muss jedes Paar für sich ausmachen, die Politik kann nur Rahmenbedingungen schaffen, die Wahlfreiheit im Alltag auch wirklich möglich machen", hält die Familienministerin fest. Dazu gehöre unbedingt der flächendeckende Ausbau der Kinderbetreuung mit ordentlichen Öffnungszeiten.