Wenn der Richter den Angeklagten nach der Höhe seines Taschengeldes fragt, kann man sich schon denken, dass es sich um keinen alltäglichen Prozess handelt. Am Mittwoch musste sich ein erst 15-jähriger Österreicher verantworten. Er soll im November einer Linzer Schule mit einem Amoklauf gedroht haben.
Der Bursch hatte sich für seine Verhandlung am Landesgericht schick gemacht: moderne, weiße Sneaker, schwarze Jeans, dazu trug der für sein Alter recht kleine Schüler ein blaues Sakko. Die Haare waren sauber frisiert, er wirkte erst schüchtern und zurückhaltend. "Sie sind nicht mein typisches Klientel", schmunzelte der Richter.
Der Grund für die Verhandlung war aber ganz sicher kein harmloser Scherz: Am 20. November soll der 15-Jährige in einer Telefonzelle den Polizeinotruf gewählt haben. Gegenüber der Exekutive sagte er laut Anklage: "Ich hab a Pistole, ich steh Karlhofschule und knall dort Leute ab." Zu einem Großaufgebot kam es im Endeffekt nicht – gestellt wurde der Bursch trotzdem. Gegenüber den Beamten soll er dann auch noch ausfallend geworden sein: "F**k the Police" rief er laut Anklage.
Vor Gericht zeigte sich der 15-Jährige sofort geständig: "Ich bekenne mich zu 100 Prozent schuldig, ich bereue es zutiefst." Warum er überhaupt auf die Idee für die Drohung kam? An seiner Schule habe es in der Vergangenheit schon mal eine ähnliche Situation gegeben – eine Bombendrohung. Schulkollegen hätten ihm berichtet, dass sie dadurch "lange schulfrei" gehabt hätten, da das Gebäude evakuiert und durchsucht wurde.
Das wollte der Bursch laut eigener Aussage auch erreichen. Er sei unter Druck gestanden, am Vortag habe es ein Krisengespräch wegen seiner schulischen Leistungen und seines Verhaltens gegeben. Er habe "gedacht, dass ich durch einen Anruf ein bisschen schulfrei bekommen könnte".
Als wäre das nicht schon schlimm genug, ist der Bursch ist für die Polizei aber noch dazu kein Unbekannter. Er war in der Vergangenheit schon wegen Sachbeschädigung aufgefallen, konkret ein mit einem Böller gesprengter Mistkübel und eine eingeschlagene Autoscheibe. Nur wenige Tage nach der Drohung gegen die Schule kam dann auch noch ein versuchter Diebstahl dazu. "Es war eine dumme Idee, ich bereue es", sagt der 15-Jährige am Mittwoch zu alledem.
Der Richter hakte nach: "Wie kann man, wenn man am 20. November von der Polizei beamtshandelt wird, wenige Tage später schon wieder gegen das Gesetz verstoßen?" Darauf hatte der Schüler nicht direkt eine Antwort. Seine Erklärung: "Da war mein Kopf einfach irgendwie etwas dumm."
"Sie machen heute einen sehr intelligenten, reflektierten Eindruck", sagte auch die Staatsanwältin. Das passe mit seinen Taten eigentlich "überhaupt nicht zusammen". Trotzdem ihr Fazit: "Für sein Handeln muss man, auch wenn man es heute bereut, in irgendeiner Art und Weise dafür geradestehen." Unter anderem, weil sich der reumütige Jugendliche schon in psychotherapeutischer Behandlung befindet, fielen die Konsequenzen schlussendlich aber milde aus.
Der Prozess wurde auf unbestimmte Zeit vertagt. Innerhalb von sechs Monaten muss der 15-Jährige 120 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten. Kann er die Stunden nachweisen, wird das Verfahren eingestellt. Der Richter stellt aber klar: "Sollte es in der Zwischenzeit wieder Vorfälle geben, kommt das natürlich zu mir." Die Entscheidung wäre dann wohl hinfällig.