Die italienische Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hat Aussagen von US-Präsident Donald Trump, sie hätte ihn beim G7-Gipfel in Frankreich um ein gemeinsames Foto "angebettelt", als "frei erfunden" zurückgewiesen. "Ich bin fassungslos", schrieb Meloni am Freitag auf X. "Ich und Italien betteln nie", stellte sie klar.
Trump hatte in einem Telefonat mit dem italienischen Fernsehsender La7 laut einer Abschrift gemeint, Meloni hätte ihn beim G7-Gipfel im französischen Evian "angebettelt", ein Foto mit ihm machen zu dürfen. Er habe zugestimmt, weil er "Mitleid" mit Meloni gehabt habe. Sie könne sich "glücklich schätzen", dass er sich überhaupt mit ihr unterhalten habe. "Ich musste gar nicht mit ihr reden."
Meloni zeigte sich völlig verständnislos über dieses Verhalten. "Ich weiß nicht, warum der Präsident der Vereinigten Staaten sich so gegenüber seinen eigenen Verbündeten verhält, es ist schließlich nicht das erste Mal, dass so etwas passiert", erklärte sie auf X.
"Ich kann nur sagen, dass es bedauerlich ist, dass er nicht dieselbe Entschlossenheit gegenüber den Feinden des Westens, gegenüber den Feinden der Vereinigten Staaten, gegenüber Führungen zeigt, mit denen er sich stattdessen viel nachgiebiger verhält."
Beim Abschluss des Gipfels am Mittwoch hatte Meloni noch von einem "sehr positiven Klima" gesprochen. Mit Trump sei es "zu keinen Reibereien" gekommen, meinte sie nach dem Treffen. Aus Protest gegen Trumps Aussagen sagte der italienische Außenminister Antonio Tajani einen geplanten USA-Besuch am 21. und 22. Juni ab.
Die Reise finde nicht statt wegen der "schwerwiegenden und beleidigenden Kommentare" Trumps, erklärte Tajani auf X. Trump habe damit "ganz Italien beleidigt", betonte er. Nach Trumps Amtsantritt im Jänner 2025 hatte sich Meloni zunächst als Vermittlerin zwischen dem US-Präsidenten und den anderen Europäern präsentiert. Doch das Verhältnis der beiden rechtsgerichteten Politiker kühlte rasch ab.
Grund dafür waren unter anderem Wortgefechte zwischen Trump und Papst Leo XIV., bei denen Meloni sich auf die Seite des Papstes stellte. Im Iran-Krieg warf Trump Meloni am Ende vor, Washington im Stich gelassen zu haben. Die italienische Regierung hatte dem US-Militär Angriffe auf den Iran von Stützpunkten in Italien aus untersagt.