Sein Gefieder schimmert grün, blau und kupferfarben – doch nun sorgt der Rostschwanz-Glanzfasan (auch Monal) mit seiner Stimme für Aufmerksamkeit.
In einem stark besuchten Himalaja-Tal haben Forscher höhere und kürzere Rufe gemessen als in einem ruhigeren Vergleichsgebiet. Sie sehen darin eine Anpassung an Verkehr und Touristenlärm, berichtet die BBC.
Der zur Familie der Fasane gehörende Vogel hat in der Region große kulturelle Bedeutung: Er ist der Nationalvogel Nepals und der Staatsvogel des indischen Bundesstaats Uttarakhand. Zwei Studien zeigen nun, wie menschliche Aktivitäten seinen Lebensraum und sein Verhalten unter Druck setzen.
Für die Untersuchung der Rufe verglich das Team um Rajeev Lochan zwei Täler im Naturschutzgebiet Kedarnath in Uttarakhand. Im Touristenort Chopta herrschen reger Verkehr und viel Besucherverkehr. Das Tal Madmaheshwar ist dagegen weitgehend ruhig.
Ab April 2023 zeichneten die Wissenschaftler ein Jahr lang mehr als 700 Monal-Rufe auf. Sie untersuchten deren Tonhöhe und Dauer sowie den jeweiligen Hintergrundlärm.
Das Ergebnis: Im lauteren Gebiet erreichten die Rufe deutlich höhere Spitzenfrequenzen. Außerdem waren sie kürzer. Die Forscher vermuten, dass die Vögel damit den tieffrequenten Lärm von Verkehr und Besuchern besser übertönen können.
Die Unterschiede sind allerdings so fein, dass sie dem menschlichen Ohr möglicherweise entgehen.
Eine evolutionäre Veränderung der Stimme ist damit nicht belegt. Lochan erklärt: "Unsere Ergebnisse deuten vielmehr auf eine flexible Verhaltensanpassung an unterschiedliche akustische Umgebungen hin."
Vogelrufe dienen unter anderem der Kommunikation mit möglichen Partnern und Rivalen. Veränderungen könnten deshalb auch für die Fortpflanzung relevant sein. Welche konkreten Folgen die gemessenen Unterschiede haben, ist jedoch noch offen. Das Team bezeichnet die Untersuchung als vorläufig und will weiterforschen.
Der im Himalaja heimische Rostschwanz-Glanzfasan gehört zur Gattung der Glanzfasanen (Lophophorus), auch Monals genannt. Er hat einen kräftigen Körper, starke Beine und einen kurzen Schwanz. Männchen werden bis zu 70 Zentimeter lang und rund 2,5 Kilogramm schwer, Weibchen bleiben etwas kleiner. Auffällig ist das schillernde Gefieder der Männchen: Es leuchtet grün, lila, rot und blau. Dazu kommen ein kupferfarbener Schwanz, ein weißer Bürzelfleck und eine markante Federhaube.
Eine zweite Studie beschäftigt sich mit der Zukunft geeigneter Lebensräume in den indischen Bundesstaaten Uttarakhand und Himachal Pradesh. Die Modellierung deutet darauf hin, dass diese durch den Klimawandel bis 2100 weiter schrumpfen und instabiler werden könnten.
Schon jetzt bewegen sich die Vögel laut Lochan allmählich in höhere Berglagen. Schmelzender Schnee und nachwachsende Vegetation machen dort neue Flächen zugänglich. Gleichzeitig würden menschliche Aktivitäten die Tiere aus ihren bisherigen Lebensräumen auf den Bergwiesen verdrängen.
Die Prognose beruht auf der Annahme, dass der Monal auch künftig ähnliche klimatische Bedingungen benötigt wie heute. Diese Annahme gilt als plausibel, ist aber nicht sicher.
Werden geeignete Gebiete kleiner und voneinander getrennt, könnten auch die Vogelbestände in isolierte Gruppen zerfallen. Laut Studie würde das den Austausch zwischen den Gruppen erschweren und langfristig das Risiko von Bestandsrückgängen oder lokalem Aussterben erhöhen.
Für die Forscher reichen die Ergebnisse deshalb über eine einzelne Vogelart hinaus. Der Monal könnte anzeigen, wie stark das empfindliche Ökosystem des Himalajas bereits belastet ist. Abschließende Aussagen zu den ökologischen Folgen lassen die Untersuchungen allerdings noch nicht zu.