Schon wieder bebt in Tirol die Erde. Am Freitag um 6.46 Uhr wurde bei Sistrans südöstlich von Innsbruck ein Erdbeben der Magnitude 3,1 registriert. Es war bereits der 28. spürbare Erdstoß in Tirol in diesem Jahr.
Die Region erlebt derzeit eine ungewöhnliche Häufung von Beben. Seit Anfang August wurden im Raum Innsbruck–Hall mehr als 270 Erdstöße gemessen.
Wie GeoSphere Austria mitteilt, handelt es sich um eine vorübergehend erhöhte seismische Aktivität. Eine solche Serie sei ungewöhnlich, komme in Tirol aber immer wieder vor.
"Seit Anfang August haben wir eine erhöhte seismische Aktivität im Raum Innsbruck–Hall registriert. In diesem Zeitraum ereigneten sich mehr als 270 Erdbeben, 28 davon waren spürbar", erklärt Maria Papí-Isaba, Leiterin des Erdbebendienstes.
Die Aktivität konzentriert sich demnach derzeit auf drei Bereiche: östlich von Hall, südöstlich von Innsbruck sowie nördlich der Tiroler Landeshauptstadt.
Besonders kräftig war ein Erdstoß am 26. September mit einer Magnitude von 3,8. Erst am 7. Oktober folgte ein weiteres deutlich spürbares Beben der Stärke 3,7.
Schäden sind beim jüngsten Erdstoß der Magnitude 3,1 bislang keine bekannt. Bei dieser Stärke sind laut den Experten auch keine Gebäudeschäden zu erwarten.
Insgesamt wurden in Österreich heuer bereits 1.163 Erdbeben gemessen, 49 davon waren für Menschen spürbar. Allein 708 registrierte Erdstöße entfielen auf Tirol. Das Bundesland gehört grundsätzlich zu den seismisch aktivsten Regionen Österreichs.
Der Grund liegt tief unter der Oberfläche. In Tirol befindet sich eine tektonische Störungszone. "Es handelt sich um eine Schwächezone in der Erdkruste", erklärt Papí-Isaba. Steigende Spannungen im Untergrund könnten dazu führen, dass das Gestein nicht mehr standhält und bricht. An der Oberfläche werde dieser Vorgang als Erdbeben wahrgenommen.
Solche Störungszonen gibt es nicht nur in Tirol. Zu den bekannten seismisch aktiven Bereichen zählen unter anderem das Mur-Mürz-System in der Steiermark, das Wiener Becken sowie mehrere Störungssysteme in den Ostalpen und Kärnten.
Das stärkste Erdbeben Österreichs im heurigen Jahr wurde im Juli bei Schottwien gemessen. Es erreichte eine Magnitude von 4,4. Dabei entstanden leichte Schäden wie Risse im Verputz von Hausmauern.
Bereits im Frühjahr 2021 waren im Raum Neunkirchen Beben der Stärke 4,5 und 4,6 registriert worden. Im Februar 2024 bebte die Erde bei Schottwien mit einer Magnitude von 4,5.
Trotz der auffälligen Serie in Tirol geben die Experten vorerst Entwarnung. "Weitere Erdbeben und verspürte Nachbeben sind möglich. Zeitpunkt und Stärke zukünftiger Ereignisse können jedoch nicht vorhergesagt werden", erklärt Papí-Isaba.
Aus der derzeitigen Aktivität gebe es keinen Hinweis darauf, dass unmittelbar ein stärkeres Erdbeben bevorsteht. Die Entwicklung werde weiter laufend beobachtet. Wahrnehmungen von Erdbeben können über das Online-Formular des Erdbebendienstes oder über die App "QuakeWatch Austria" gemeldet werden.
Wie heftig Erdbeben in Österreich ausfallen können, zeigt ein Blick in die Vergangenheit: Als stärkstes bekanntes Beben des Landes gilt ein Ereignis vom 15. September 1590 am Riederberg bei Wien.
Seine Stärke wird heute auf eine Magnitude zwischen 5,7 und 6,0 geschätzt. Damals stürzten in Wien zahlreiche Kirchtürme ein, auch Todesopfer waren zu beklagen.
Das stärkste Beben der jüngeren österreichischen Geschichte ereignete sich am 16. April 1972 bei Seebenstein in Niederösterreich. Die Magnitude von 5,3 war bis Wien deutlich zu spüren. Die Feuerwehr musste in der Hauptstadt zu rund 400 Einsätzen ausrücken.