Die Kollektivvertragsverhandlungen für die Metalltechnische Industrie sorgten am Montagabend für eine Premiere: Nach nur wenigen Minuten waren sich Arbeitgeber- und Arbeitnehmervertreter einig, ganz ohne Streik-Drohungen, Marathon-Verhandlungen und tagelangen Gesprächsrunden.
Das Resultat ist aber auch an anderer Stelle bemerkenswert: Arbeitgebervertreter und Gewerkschaft einigten sich nicht nur auf einen zwei Jahre laufenden Abschluss, sondern für heuer auch auf eine Lohnerhöhung unter Inflation, also mit einem Kaufkraftverlust. Das hatten zahlreiche Experten im Vorfeld noch als Tabu gesehen.
Einer der Chefverhandler, Reinhold Binder (PRO-GE), war am späten Montagabend zu Gast in der "ZIB2" bei ORF-Moderatorin Marie-Claire Zimmermann. Wenn man sehe, dass man schon wichtige Industriearbeitsplätze in Österreich verloren habe, dann sei der "Krisenabschluss" von heute "notwendig und wichtig", erklärte Binder das Ergebnis. Durchaus kurios: In der Vergangenheit hatte Binder noch "mit den Einmalzahlungen können's scheißen gehen" gesagt, nun sei eine solche aber eine Maßnahme "mit Vernunft und Sicherheit".
Die "Gegenseite" nahm am späten Dienstagabend ebenfalls im "ZIB2"-Studio virtuell Platz (zugeschaltet aus Graz), in Person von Christian Knill. Der Obmann der Metalltechnischen Industrie und der Chefverhandler der Arbeitgeber stand dabei ORF-Moderator Stefan Lenglinger Rede und Antwort. Im Vorfeld seien "lange und viele Gespräche" geführt worden, so Knill, lange Runden seien im Interesse von niemandem gewesen.
Im Vorfeld Gespräche zu führen, statt langer Verhandlungsrunden mit Drohungen, sah Knill als Modell, das Schule machen könnte: "Ich glaube es interessiert niemanden mehr, dass wir da wochenlang öffentlich herumstreiten." Die Industrie habe immer wieder versucht, auf die Situation hinzuweisen, so Knill dazu, warum es nicht früher gelungen war, moderatere Lohn-Abschlüsse zu erzielen: "Wir sind am Standort in Österreich zu teuer geworden."
10.000 Mitarbeiter seien abgebaut worden, "wir verlieren ständig weiter an Umsätzen und wir haben es weiter mit großen Unsicherheiten in der Welt zu tun". Man habe den Warnungen nicht geglaubt, nun sei offenbar "die Realität auch bei den Arbeitnehmer-Vertretern angekommen". Zum Unmut von Mitarbeitern, dass der Chef abkassiere, während man selbst nur wenig mehr bekomme, erklärte Knill: Nicht Chefs würden gewinne machen, sondern Unternehmen, die das Geld für Investionen brauchen würden. Zudem sei es eine gut zahlende Branche. Der niedrige Abschluss solle wegen des Spardrucks ein "Signal" sein an andere Branchen.