"Das ist nicht fair"

Miet-Abzocke – Stadträtin will Strafen für Vermieter

Im "Heute"-Interview fordert Wiens neue Wohnstadträtin strengere Miet-Obergrenzen und Konsequenzen für Vermieter, die sich nicht ans Gesetz halten.
Hannah  Maier
09.04.2026, 05:30
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben

Die Mieten explodieren, Wohnungen werden knapp, illegale Airbnbs verschärfen die Lage – Wien steckt mitten in der Wohn-Krise. Genau jetzt übernimmt Elke Hanel-Torsch (SPÖ) als neue Stadträtin das Ressort.

Wie sie die Preise drücken, gegen illegale Kurzzeitvermietung vorgehen und mehr Menschen in Gemeindewohnungen bringen will, verrät sie im "Heute"-Interview.

Zu hohe Mieten – Stadträtin fordert Strafen

Die Mieten sind in den letzten Jahren permanent gestiegen. Viele würden mittlerweile "an die 50 Prozent oder noch mehr" ihres Einkommens fürs Wohnen ausgeben. Für die Wohnstadträtin ist klar: "Niemand sollte mehr als 25 Prozent seines Haushaltseinkommens fürs Wohnen ausgeben müssen."

Besonders im Neubau sieht sie Handlungsbedarf: "Dort steigen die Mieten ins Unermessliche – und da muss eingegriffen werden." Ihre Forderung: strengere Mietobergrenzen – sozusagen "ein Mietrechts-Gesetz für Alle, welches Altbau und Neubau schützt" – und Konsequenzen für Vermieter, die sich nicht an das Gesetz halten und zu viel Miete verlangen. "Das ist nicht fair. Bei jedem anderen Gesetz gibt es Konsequenzen – nur nicht beim Mietrecht."

Gemeindewohnungen – neues System soll alles ändern

Während die Preise steigen, wächst der Druck auf den sozialen Wohnbau. Die Wartelisten für Gemeindewohnungen werden immer länger – viele hoffen verzweifelt auf eine Chance. Im Juni soll ein neues Vergabesystem kommen. "Da wird ein Punktesystem eingeführt", erklärt die Stadträtin. Ziel: mehr Fairness und Flexibilität. "Lebensumstände können sich ändern – darauf wollen wir besser eingehen."

Zur Person:

Elke Hanel-Torsch war 20 Jahre lang bei der Mietervereinigung und von Oktober 2024 bis März 2026 Abgeordnete zum Nationalrat. Von 2020 bis 2024 war sie darüber hinaus Klubobfrau der SPÖ Margareten. Seit 25. März ist sie Wiener Stadträtin für Wohnen und Frauen.

Auch für Junge und Studierende gibt es Hoffnung: "Man kann Bonuspunkte bekommen, wenn man in Ausbildung ist." Heißt: bessere Chancen für jene, die bisher oft durch den Rost gefallen sind. Klar ist aber auch: Wer sich nicht an Regeln des Zusammenlebens hält, hat schlechte Karten. "Wenn sich Menschen unleidlich verhalten, stellt das unter Umständen einen Kündigungsgrund dar. Und auch beim neuen Vergabesystem wird es dann so sein, dass man nicht besonders weit vorne gereiht wird."

Airbnb im Visier

Ein weiterer Preistreiber: Kurzzeitvermietungen. Immer mehr Wohnungen werden zu Touristen-Unterkünften – ganze Häuser verschwinden vom Markt. Für Hanel-Torsch ein No-Go: "Wohnraum ist zum Wohnen da und soll nur in Ausnahmefällen touristisch genutzt werden." Zwar gebe es bereits erste Maßnahmen seitens der Stadt wie die Bauordnungsnovelle, doch sie macht klar: "Wir evaluieren die Situation derzeit und wenn es notwendig ist, werden wir nachschärfen."

Die neue Stadträtin im Gespräch mit "Heute"-Redakteurin Hannah Maier.
Sabine Hertel

Auch leerstehende Wohnungen sind ein Problem. Genaue Zahlen fehlen zwar, doch für sie steht fest: "Wohnungen sind weder für Ferienzwecke noch zum Leerstehen da." Ob eine Leerstandsabgabe kommt? "Der erste Schritt ist einmal zu erheben, wie viel Leerstand es gibt. Da macht gerade der Bund für Gesamtösterreich. Wenn wir konkrete Zahlen wissen, können wir über Maßnahmen entscheiden."

Wien investiert in sozialen Wohnbau

Trotz der schwierigen Lage gibt sich die Stadträtin zuversichtlich: "Ich möchte das Leben der Wienerinnen und Wiener verbessern." Wien müsse sich besonders auf die Schaffung von leistbarem Wohnraum fokussieren. "In den geförderten Neubau investieren, neue Gemeindewohnungen bauen, Leerstand mobilisieren, gegen Kurzzeitvermietungen vorgehen" – das sind Dinge, die Wien tun könne.

"Müssen alles tun, damit Frauen sicher leben können"

Die Wohnkrise trifft Frauen besonders hart – vor allem Alleinerzieherinnen geraten zunehmend unter Druck. "Viele Frauen müssen einen viel größeren Teil ihres Einkommens fürs Wohnen aufbringen", warnt Hanel-Torsch.

„Meine Wunsch ist es, dass Mädchen und Frauen in dieser Stadt sicher und selbstbestimmt leben können.“
Elke Hanel-TorschStadträtin für Wohnen und Frauen (SPÖ)

Als neue Frauen-Stadträtin fordert sie: "Frauen müssen endlich für gleichwertige Arbeit gleich bezahlt werden." Nur so könne langfristig Altersarmut verhindert werden. Ein weiteres Schlüsselthema: Kinderbetreuung. Wien sei hier zwar Vorreiter, dennoch müsse das Angebot weiter ausgebaut werden. "Wir müssen sicherstellen, dass Frauen in ihren Beruf zurückkehren können, wenn sie das möchten", betont sie.

Maßnahmen gegen Gewalt an Frauen

Auch beim Gewaltschutz will die Stadträtin klare Zeichen setzen. "Es ist ganz wichtig, laut und stark gegen Gewalt an Frauen aufzutreten." Bestehende Kampagnen der Stadt Wien, wie der "Rettungsanker", sollen weitergeführt und ausgebaut werden.

Ein besonderes Anliegen sind ihr zudem sogenannte Hilfezeichen für Betroffene: "Diese Signale müssen noch viel bekannter werden, damit Frauen in Notsituationen schnell Hilfe bekommen." Initiativen der Bundesregierung, etwa strengeren Gesetzen im Sexualstrafrecht oder beim Schutz vor digitaler Gewalt, unterstützt Hanel-Torsch. "Da gibt es einiges zu tun", sagt sie.

{title && {title} } HTM, {title && {title} } 09.04.2026, 05:30
Weitere Storys
Jetzt E-Paper lesen