Schärfere Regelungen

"Touristen statt Mieter" – Grüne fordern Airbnb-Stopp

Airbnb sorgt für Ärger im 1. Bezirk. Anrainer wehren sich. Die Grünen Wien fordern jetzt ein hartes Durchgreifen.
Hannah  Maier
09.04.2026, 12:42
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Franz-Josefs-Kai 39 (1. Bezirk), nur wenige Schritte vom Schwedenplatz entfernt, mitten im 1. Bezirk: Vor dem Haus haben sich die Grünen Wien und zahlreiche Bewohner:innen versammelt. Der Anlass ist ernst. "Wohnraub im großen Stil", eröffnet Georg Prack, Wohnbausprecher der Wiener Grünen, die Pressekonferenz – und bringt das Thema damit gleich auf den Punkt.

In dem Gebäude befinden sich rund 28 Wohnungen, sechs davon werden seit etwa drei Jahren über Airbnb vermietet – nun sollen sie offiziell in Beherbergungsstätten umgewandelt werden. Die Bewohner stemmen sich dagegen. Für die Grünen ist der Fall exemplarisch: Er steht sinnbildlich für ein wachsendes Problem touristischer Kurzzeitvermietung in der Stadt.

14.000 Airbnbs sind "zu viel"

Aktuelle Zahlen untermauern die Kritik: Mindestens 14.000 Wiener Wohnungen werden auf Airbnb dauerhaft als Tourismus-Appartements genutzt – dem regulären Wohnungsmarkt entzogen. Parallel dazu werden ganze Wohnhäuser in Beherbergungsbetriebe umgewandelt.

Eine Anfragebeantwortung der Grünen Wien zeigt die Dimension: Allein 2025 leitete die Baupolizei 305 Verfahren zur Umwandlung in Tourismusappartements ein – vielfach betrifft das ganze Zinshäuser mit zahlreichen Wohnungen. 132 dieser Fälle sind bereits bewilligt. "Wir müssen die Spekulation endlich stoppen und den Wiener:innen ihre Wohnungen zurückgeben. Wohnungen sind keine Hotelzimmer", sagt Parteivorsitzende Judith Pühringer.

Grüne legen Vorschläge auf den Tisch

Der Druck auf den Wohnungsmarkt steigt spürbar: Leistbarer Wohnraum wird knapper, die Preise ziehen an. Gleichzeitig berichten Anrainer:innen von klassischen Begleiterscheinungen der Kurzzeitvermietung – Lärm, Müll, ständig wechselnde Nachbarschaft. Derzeit dürfen außerhalb von Wohnzonen bis zu 50 Prozent der Wohnfläche touristisch genutzt werden, innerhalb sind es 20 Prozent. Für die Grünen ist das zu viel: "Wir müssen die Ausnahmebewilligungen sofort stoppen", fordert Prack.

Konkrete Vorschläge der Grünen Wien:

  • Schluss mit Ausnahmebewilligungen, sowohl außerhalb als auch innerhalb der Wohnzonen.
  • Die Ausnahmebewilligung für gewerbliche Nutzung für kurzfristige Beherbergungszwecke in und außerhalb von Wohnzonen soll gestrichen werden.
  • Es soll weiterhin möglich sein, eine Wohnung 90 Tage pro Kalenderjahr vorübergehend vermieten zu können, ohne dauerhafte Aufgabe des Wohnsitzes.
  • Keine Umwandlungen von Wohnungen in Beherbergungsstätten mehr. Dazu soll eine mögliche Gesetzeslücke in der Bauordnung unverzüglich repariert werden.
  • Auf Grundstücken, die als Wohngebiete oder gemischte Baugebiete gewidmet sind, soll die Errichtung oder Umwandlung in Beherbergungsstätten nur mehr möglich sein, wenn das in den Bebauungsbestimmungen explizit so geregelt ist.

Apartmentvermieter halten dagegen

Doch es regt sich auch Widerstand. Der Verband der Apartmentvermieter mahnt zur Differenzierung. Sprecher Marcel Wegscheider hält dagegen: "Nicht jedes Airbnb ist Wohnraum." Oft handle es sich um ehemalige Gewerbeflächen oder Büros, zudem würden in Statistiken häufig auch Hotelzimmer, Apartmenthäuser oder andere Beherbergungsbetriebe mitgezählt.

Felix Gradinaru (UNOS) und Marcel Wegscheider (Verband der Apartementvermieter). (v.l.)
Sabine Hertel

Seiner Darstellung zufolge liegt der Anteil der klassischen Kurzzeitvermietung – ohne gewerbliche Einheiten, Hotels und Home-Sharing – bei lediglich rund 0,3 Prozent des Wiener Wohnungsbestands. "Dieser Anteil ist zu gering, um die strukturellen Probleme des Wohnungsmarktes zu erklären", so Wegscheider.

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