Franz-Josefs-Kai 39 (1. Bezirk), nur wenige Schritte vom Schwedenplatz entfernt, mitten im 1. Bezirk: Vor dem Haus haben sich die Grünen Wien und zahlreiche Bewohner:innen versammelt. Der Anlass ist ernst. "Wohnraub im großen Stil", eröffnet Georg Prack, Wohnbausprecher der Wiener Grünen, die Pressekonferenz – und bringt das Thema damit gleich auf den Punkt.
In dem Gebäude befinden sich rund 28 Wohnungen, sechs davon werden seit etwa drei Jahren über Airbnb vermietet – nun sollen sie offiziell in Beherbergungsstätten umgewandelt werden. Die Bewohner stemmen sich dagegen. Für die Grünen ist der Fall exemplarisch: Er steht sinnbildlich für ein wachsendes Problem touristischer Kurzzeitvermietung in der Stadt.
Aktuelle Zahlen untermauern die Kritik: Mindestens 14.000 Wiener Wohnungen werden auf Airbnb dauerhaft als Tourismus-Appartements genutzt – dem regulären Wohnungsmarkt entzogen. Parallel dazu werden ganze Wohnhäuser in Beherbergungsbetriebe umgewandelt.
Eine Anfragebeantwortung der Grünen Wien zeigt die Dimension: Allein 2025 leitete die Baupolizei 305 Verfahren zur Umwandlung in Tourismusappartements ein – vielfach betrifft das ganze Zinshäuser mit zahlreichen Wohnungen. 132 dieser Fälle sind bereits bewilligt. "Wir müssen die Spekulation endlich stoppen und den Wiener:innen ihre Wohnungen zurückgeben. Wohnungen sind keine Hotelzimmer", sagt Parteivorsitzende Judith Pühringer.
Der Druck auf den Wohnungsmarkt steigt spürbar: Leistbarer Wohnraum wird knapper, die Preise ziehen an. Gleichzeitig berichten Anrainer:innen von klassischen Begleiterscheinungen der Kurzzeitvermietung – Lärm, Müll, ständig wechselnde Nachbarschaft. Derzeit dürfen außerhalb von Wohnzonen bis zu 50 Prozent der Wohnfläche touristisch genutzt werden, innerhalb sind es 20 Prozent. Für die Grünen ist das zu viel: "Wir müssen die Ausnahmebewilligungen sofort stoppen", fordert Prack.
Doch es regt sich auch Widerstand. Der Verband der Apartmentvermieter mahnt zur Differenzierung. Sprecher Marcel Wegscheider hält dagegen: "Nicht jedes Airbnb ist Wohnraum." Oft handle es sich um ehemalige Gewerbeflächen oder Büros, zudem würden in Statistiken häufig auch Hotelzimmer, Apartmenthäuser oder andere Beherbergungsbetriebe mitgezählt.
Seiner Darstellung zufolge liegt der Anteil der klassischen Kurzzeitvermietung – ohne gewerbliche Einheiten, Hotels und Home-Sharing – bei lediglich rund 0,3 Prozent des Wiener Wohnungsbestands. "Dieser Anteil ist zu gering, um die strukturellen Probleme des Wohnungsmarktes zu erklären", so Wegscheider.