Brunner legt nach

Migration: Rückgang um fast ein Drittel in der EU

Neue Frontex-Zahlen zeigen einen deutlichen Rückgang der illegalen Grenzübertritte in die EU. Kommissar Brunner kündigt weitere Maßnahmen an.
19.10.2026, 09:01
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Deutlicher Rückgang bei illegalen Grenzübertritten in die Europäische Union! Nach neuen Frontex-Zahlen wurden von Jänner bis September 2026 fast ein Drittel weniger irreguläre Grenzübertritte registriert als im Vorjahreszeitraum.

Auf den meisten Migrationsrouten gingen die Zahlen zurück. Eine wichtige Ausnahme gibt es allerdings im westlichen Mittelmeer.

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EU-Migrationskommissar Magnus Brunner (ÖVP) sieht den eingeschlagenen Kurs bestätigt. Nach einer Reise nach Bangladesch und Pakistan kündigt er weitere Maßnahmen gegen Schlepperei sowie eine engere Zusammenarbeit bei Grenzschutz und Rückführungen an.

Auf Mittelmeerroute 56 Prozent weniger

Die Frontex-Daten zeigen deutliche Unterschiede zwischen den einzelnen Routen. Besonders stark fiel der Rückgang auf der zentralen Mittelmeerroute aus. Dort wurden in den ersten neun Monaten 22.511 irreguläre Grenzübertritte registriert – ein Minus von 56 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum.

Zahl der illegalen Grenzübertritte in die EU zwischen Jänner und September 2026
FRONTEX

Auch auf der Westbalkanroute setzte sich der Rückgang fort. Mit 6.687 registrierten Grenzübertritten lag die Zahl um 27 Prozent unter dem Vorjahreswert. Auf der östlichen Mittelmeerroute waren es 31.803 Fälle, ein Minus von 15 Prozent. An den östlichen EU-Landgrenzen sank die Zahl um 51 Prozent auf 4.498.

Auf einer Route steigen die Zahlen

Nicht überall verzeichnet Frontex sinkende Werte. Auf der westlichen Mittelmeerroute wurden 18.260 irreguläre Grenzübertritte registriert. Das entspricht einem Anstieg um 26 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2025. Auf der westafrikanischen Route hingegen gingen die Zahlen um 45 Prozent auf 7.106 zurück.

Gesondert weist Frontex auch versuchte und erfolgreiche Überfahrten in Richtung Großbritannien aus. Hier wurden 30.944 Fälle registriert, um 43 Prozent weniger als im Vorjahr. Diese Statistik betrifft nicht die Einreise über eine EU-Außengrenze.

Die Zahlen erfassen registrierte Grenzübertritte beziehungsweise Vorfälle. Sie sind deshalb nicht automatisch mit der Anzahl unterschiedlicher Personen gleichzusetzen.

"Wir entscheiden, wer kommen darf"

EU-Kommissar Magnus Brunner führt den Rückgang unter anderem auf die Zusammenarbeit mit Herkunfts- und Transitländern zurück. "Wir müssen illegale Migration an ihrer Wurzel bekämpfen, und entlang den gesamten Routen. Deswegen führen wir unseren erfolgreichen Kurs fort", erklärt der Österreicher.

"Wir entscheiden, wer nach Europa kommen darf, nicht die Schlepper und Menschenhändler", stellt EU-Kommissar Magnus Brunner unmissverständlich klar.
Angelika Warmuth

Seiner Einschätzung nach habe die europäische Migrationspolitik bereits in den vergangenen beiden Jahren zu einem deutlichen Rückgang geführt. Brunner verweist dabei auch auf die aktuellen Zahlen: "Unsere Migrationsdiplomatie hat die illegale Migration in den letzten zwei Jahren schon um 55 Prozent gesenkt, frische Zahlen zeigen: In diesem Jahr ist es noch ein weiteres Drittel weniger."

Damit verbindet er eine klare politische Botschaft: "Wir entscheiden, wer nach Europa kommen darf, nicht die Schlepper und Menschenhändler."

Bangladesch rückt in den Fokus

Besonderes Augenmerk legt Brunner derzeit auf Bangladesch. Staatsangehörige des südasiatischen Landes waren laut den vorgelegten Angaben im ersten Halbjahr 2026 die am häufigsten registrierte Nationalität bei irregulären Grenzübertritten. Gleichzeitig stieg die Zahl ihrer Asylanträge um 14 Prozent auf 18.637.

Die EU-weite Anerkennungsquote wird mit lediglich drei Prozent angegeben. "Damit ist klar, dass die Wahrscheinlichkeit auf Asyl in der EU praktisch 0 ist, und das war meine Botschaft in Dhaka", sagt Brunner. Der Kommissar will deshalb insbesondere die Rückführung abgelehnter Asylwerber verbessern.

Millionen für Grenzschutz und Rückführungen

Bei seiner zweitägigen Reise nach Bangladesch und Pakistan vereinbarte Brunner weitere Schritte zur Bekämpfung von Schlepperei. Für Bangladesch ist ein neues Grenzschutzprojekt mit einem Volumen von vier Millionen Euro geplant. Zudem soll die Zusammenarbeit mit Frontex verstärkt werden. Bereits jetzt unterstützt die EU die Wiedereingliederung von Rückkehrern mit 20 Millionen Euro.

Daneben gibt es eine Talentpartnerschaft im Umfang von drei Millionen Euro. Sie soll Fachkräfte auf eine legale Beschäftigung in Europa vorbereiten, beispielsweise in der IT, im Bauwesen oder in der Gastronomie.

Pakistan: Fast 50 Prozent weniger Übertritte

Auch bei Pakistan verweist die EU auf sinkende Zahlen. Von Jänner bis Juli 2026 gingen die registrierten irregulären Grenzübertritte pakistanischer Staatsangehöriger um 48 Prozent auf 1.879 zurück. Die Rückkehrquote stieg im ersten Halbjahr von 18 auf 29 Prozent.

Dabei soll unter anderem eine von der EU unterstützte Risikoanalyse-Einheit der pakistanischen Bundesermittlungsbehörde FIA helfen, Schlepperei und verdächtige Reiserouten früher zu erkennen.

Für die nächste Phase der Zusammenarbeit stellt die EU weitere fünf Millionen Euro bereit. Damit sollen unter anderem Reisedokumente besser gegen Fälschungen geschützt werden. Parallel laufen Programme, um pakistanische Fachkräfte für legale Beschäftigung in Europa auszubilden.

EU will Schlepperei früher bekämpfen

Hinter den Maßnahmen steht die europäische Initiative "Eastern Corridor", die im September gemeinsam mit der Internationalen Organisation für Migration gestartet wurde. Ziel ist es, Schlepperei und irreguläre Migration bereits entlang der Fluchtrouten außerhalb Europas einzudämmen.

Nach den vorgelegten Angaben erfolgt rund die Hälfte aller irregulären Ankünfte in der EU über Libyen. Dabei spielen auch Reiserouten aus Südasien über die Golfstaaten und Ägypten eine Rolle. Für Brunner ist deshalb die Zusammenarbeit mit Ländern wie Bangladesch und Pakistan entscheidend.

Die jüngsten Frontex-Daten zeigen zwar einen deutlichen Rückgang auf den meisten Routen. Der Anstieg auf der westlichen Mittelmeerroute macht allerdings deutlich, dass sich die Entwicklung regional stark unterscheidet.

red, 19.10.2026, 09:01