Wenn ein Familienmitglied stirbt, bleiben oft viele Fragen offen – besonders was das Finanzielle betrifft. Nicht immer sind die Verhältnisse auf dem Konto klar nachvollziehbar. Genau das zeigt sich auch an den unzähligen "nachrichtenlosen Konten" in Deutschland.
Ein Gutachten im Auftrag des deutschen Bundesministeriums für Bildung und Forschung hat ergeben, dass auf solchen vergessenen Konten ein Vermögen von rund 4,2 Milliarden Euro liegt. Andere Schätzungen gehen sogar von bis zu 9 Milliarden Euro aus.
Wie "Chip" berichtet, handelt es sich dabei großteils um Guthaben von Verstorbenen, deren Erben schlicht nichts von den Konten wissen. Die deutschen Banken sind zwar verpflichtet, das Geld aufzubewahren und auszuzahlen - auch noch Jahrzehnte nach der letzten Kontobewegung. Aktiv auf die Erben zugehen tun sie aber nicht.
Für mögliche Erben gibt es eine gute und eine schlechte Nachricht. Die gute: Das Guthaben verfällt grundsätzlich nicht. Die schlechte: Es werden weiterhin Kontoführungsgebühren abgebucht, wodurch die Summe mit der Zeit schrumpft.
Wer vermutet, dass ein verstorbenes Familienmitglied noch ein unbekanntes Konto hatte, muss in Deutschland selbst aktiv werden. Man kann sich an den Bankenverband wenden, der einen kostenlosen Kontensuch-Service anbietet – allerdings nur bei begründetem Verdacht.
Die deutsche Bundesregierung hat mittlerweile Pläne, die Milliarden auf den herrenlosen Konten einem guten Zweck zuzuführen und damit soziale Innovationen zu fördern. Der Bankenverband sieht das allerdings kritisch.
Auch in Österreich gibt es übrigens ein ähnliches Phänomen: Auf vergessenen Sparbüchern und Konten liegen laut Schätzungen Beträge im dreistelligen Millionenbereich. Hierzulande verjähren Kundenansprüche allerdings nach 30 Jahren – im Gegensatz zu Deutschland, wo das Geld theoretisch unbegrenzt aufbewahrt wird.