Kritik von ÖVP, Stadt reagiert

Milliarden-Minus? Jetzt eskaliert Streit um Wien-Budget

Neue Zahlen sorgen für politischen Zündstoff im Rathaus. Während die ÖVP der Stadt schwere Versäumnisse vorwirft, weist diese die Kritik zurück.
Wien Heute
24.08.2026, 14:56
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk

Die Wiener Finanzen sorgen für einen politischen Schlagabtausch im Rathaus. Auslöser für den neuen Polit-Zoff sind die Haushaltszahlen von Statistik Austria für das erste Halbjahr 2026. Die Wiener ÖVP zieht daraus einen brisanten Vergleich: Wien kommt demnach auf einen negativen Nettofinanzierungssaldo (Anm.: die Differenz zwischen den gesamten Einzahlungen und den gesamten Auszahlungen) von rund 1,115 Milliarden Euro. Bei allen neun Bundesländern zusammen sind es rund 1,177 Milliarden Euro.

Zierfuß: "Zahlen sprechen eindeutige Sprache"

Die ÖVP macht daraus eine brisante Rechnung: Zieht man Wien ab, bleiben für die anderen acht Bundesländer gemeinsam nur rund 61 Millionen Euro Minus. Damit entfallen laut Volkspartei fast 95 Prozent des gesamten Minus auf Wien. Wien stehe damit rund 18 Mal so schlecht da wie alle anderen Bundesländer zusammen. Der Vorwurf: Wien bleibt tief im Minus, während bei den laufenden Ausgaben zu wenig passiert.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

"Die Zahlen sprechen eine eindeutige Sprache: Fast 95 Prozent des gesamten Minus aller Bundesländer entfallen allein auf Wien. Während die übrigen acht Bundesländer ihr gemeinsames Defizit nahezu vollständig abbauen konnten, bleibt Wien bei einem Minus von mehr als einer Milliarde Euro", kritisiert ÖVP-Klubobmann Harald Zierfuß.

"Keine nachhaltige Budgetsanierung"

Ganz ohne Verbesserung steht Wien allerdings nicht da. Gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 ist das Minus um rund 616 Millionen Euro beziehungsweise 36 Prozent gesunken. Die Verbesserung sei jedoch fast ausschließlich auf höhere Einnahmen zurückzuführen, so die Kritik. Diese stiegen um rund 607 Millionen Euro oder 7,7 Prozent. Die Gesamtauszahlungen gingen dagegen lediglich um rund 8,6 Millionen Euro beziehungsweise 0,09 Prozent zurück. Die operativen Auszahlungen stiegen sogar um rund 173 Millionen Euro auf 8,59 Milliarden Euro.

Für ÖVP-Finanzsprecher Hannes Taborsky ist deshalb klar: "SPÖ und Neos sparen nicht strukturell, sondern profitieren vor allem von mehr Einnahmen. Das ist noch lange keine nachhaltige Budgetsanierung." Die Volkspartei will den Druck nun erhöhen. Im kommenden Gemeinderat ist eine Dringliche Anfrage an Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) geplant. Er soll erklären, wie sich das Budget entwickelt und welche weiteren Schritte zur Konsolidierung geplant sind.

Stadt kontert: "Fantasiezahlen"

Im Rathaus sieht man die Sache völlig anders. Finanzstadträtin Barbara Novak weist vor allem den Vergleich mit den anderen Bundesländern zurück. "Die ÖVP versucht heute mit Fantasiezahlen Schlagzeilen zu machen. Wer Wien mit methodisch fragwürdigen Vergleichen schlechtrechnen will, vergleicht bewusst Unvergleichbares", kontert Novak.

Der Knackpunkt aus Sicht der Stadt: Wien ist gleichzeitig Bundesland und Gemeinde. Bei den anderen acht Bundesländern würden die Gemeinden in der Rechnung hingegen fehlen. "Das ist keine seriöse Finanzanalyse, sondern politische Zahlenakrobatik", so Novak.

Aktuelle Gemeindezahlen liegen noch nicht vor, heißt es wiederum von der ÖVP. Wien würde auch bei einer Einbeziehung der Gemeinden einen großen Teil des negativen Gesamtsaldos ausmachen.

Stadt verteidigt hohe Ausgaben

Den Vorwurf, bei den Ausgaben passiere zu wenig, lässt Novak nicht gelten. Ein großer Teil des Wiener Budgets fließe in Leistungen wie Schulen, Kindergärten, Spitäler, Pflege, Gemeindebauten, Öffis und Trinkwasserversorgung. Mehr als die Hälfte des Budgets werde laut Stadt für soziale Infrastruktur aufgewendet.

Gleichzeitig seien bereits Sparmaßnahmen gesetzt worden. Förderungen wurden laut Novak reduziert, Projekte nach hinten verschoben und Reformen umgesetzt. Auch beim Budgetvollzug werde strenger vorgegangen.

"ÖVP übersieht Leistungen dahinter"

Als zusätzliche Belastung führt Novak den Gesundheitsbereich ins Treffen. Wien versorge als Gesundheitsstandort auch zahlreiche Menschen, die nicht in der Bundeshauptstadt leben. Dadurch entstehe laut Finanzstadträtin ein struktureller Fehlbetrag von mehr als 600 Millionen Euro pro Jahr.

"Die ÖVP sieht Zahlen und übersieht die Leistungen dahinter. Wir sehen Schulen, Spitäler, Pflege und leistbares Wohnen", so Novak. Die Stadt werde ihren Konsolidierungskurs fortsetzen, gleichzeitig aber zentrale Leistungen erhalten.

{title && {title} } red, {title && {title} } 24.08.2026, 14:56