Die Wiener Grünen haben ihre Frühjahrskampagne gegen den geplanten Lobautunnel vorgestellt. Unter dem Motto "Lobau oder Tunnel – Auf welcher Seite stehst du?" will die Partei in den kommenden Monaten gegen das Straßenprojekt mobilisieren und Unterstützung für den Schutz des Nationalpark-Gebiets sammeln.
Hintergrund ist der Start erster Vorarbeiten für den nördlichen Abschnitt der Lobauautobahn. Die Grünen sehen darin ein klimapolitisch falsches Signal und kritisieren das Projekt als überholt. Nach Ansicht der Partei würden mit dem Tunnel hohe Kosten, zusätzliche Verkehrsbelastung und Eingriffe in Natur- und Grünräume verbunden sein.
Die Kampagne ist in zwei Abschnitte gegliedert. In einer ersten Phase setzen die Grünen auf Plakate im Stadtgebiet, Online-Werbung und Social Media. Geplant sind unter anderem 52 Großflächenplakate sowie 118 Premiumboards in Wien.
Ab Mitte Mai soll eine zweite Phase folgen. Unter dem Titel "Milliardenshow" sind Informations- und Eventformate an mehreren Orten in Wien vorgesehen. Dabei agieren die Partei-Chefs Judith Pühringer und Peter Kraus als "Showmaster:innen" und stellen dabei Milliardenfragen an die Teilnehmer:innen. Zu gewinnen gibt es Merchandise aus der "NOBAU"-Kollektion. Die "Milliardenshow” wird auch Teil der heurigen Konzertreihe „Musik am Fluss". Parallel dazu sammeln die Grünen auf einer eigenen Kampagnenseite Unterschriften gegen den Bau des Lobautunnels.
Besonders scharf fällt die Kritik der Grünen an der SPÖ aus. "Während Öffis verteuert, Schulen nicht saniert werden und die Menschen in Wien immer mehr unter Druck kommen, drängt die SPÖ darauf, Milliarden für einen Tunnel durch ein Naturschutzgebiet zu vergraben. Die SPÖ handelt nicht vernünftig, sondern klammert sich mit allerletzter Sturheit an ein völlig aus der Zeit gefallenes Betonprojekt. Das ist ein historischer Sündenfall. Wir Grüne werden alles dafür tun, um die Lobau zu schützen", so Judith Pühringer, Parteivorsitzende Grüne Wien.
Auch Peter Kraus, Parteivorsitzender Grüne Wien, erneuerte die Ablehnung des Projekts: "Alle Untersuchungen und Studien belegen klar, dass der Lobautunnel die schlechteste aller Alternativen ist. Die SPÖ blendet mit ihrem Tunnelblick aber Klima, Budget und Rechtliches lieber aus, um noch irgendwie eine Autobahn durch ein Naturschutzgebiet betonieren zu können. Die Frage Lobau oder Tunnel ist auch für die kommenden Generationen entscheidend. Mit unserer Kampagne wollen wir alle Wiener einladen, Stellung zu beziehen."
Die Grünen führen mehrere Gründe gegen die Lobauautobahn an. Genannt werden mögliche Gesamtkosten von bis zu sechs Milliarden Euro, zusätzliche CO2-Emissionen sowie Bodenversiegelung im Ausmaß von rund 1,3 Millionen Quadratmetern. Zudem bezweifelt die Partei, dass der Tunnel bestehende Verkehrsprobleme im Osten Wiens lösen würde. Statt neuer Straßen brauche es vor allem einen Ausbau des öffentlichen Verkehrs.
Auch wirtschaftliche Auswirkungen werden thematisiert. Nach Darstellung der Grünen könnte Kaufkraft stärker ins Umland abwandern, während innerstädtische Handelsstandorte unter Druck geraten.