"Es war bescheuert", räumte der Angeklagte am Montag vor einem Schöffensenat am Wiener Landesgericht ein. Der Plan, seine massiven Geldprobleme mit einem Postraub zu lösen, sei "generell zum Scheitern verurteilt" gewesen.
Der 61-Jährige hatte am 9. Juni eine Postfiliale in der Krottenbachstraße in Wien-Döbling überfallen. Dabei war er alles andere als nüchtern: 1,7 Promille Alkohol hatte er im Blut. "Ich hab' in der Früh schon eine Flasche Wodka getrunken g'habt. Beim Hinfahren bin ich mit dem Rad gestürzt. Ich bin da waschlnass rein", schilderte der Wiener laut ORF vor Gericht.
Mit einer Faschingsmaske im Gesicht und einer täuschend echt aussehenden Schreckschusspistole betrat er kurz vor 18 Uhr die Filiale. Er richtete die Waffe auf die Mitarbeiter, repetierte mehrmals und forderte Geld.
Rund 2.800 Euro wurden ihm ausgehändigt. Weil sich darunter vor allem Münzen befanden, wollte der Räuber mehr und verlangte, dass auch der Tresor geöffnet wird. Doch dort wartete die nächste Enttäuschung: Auch im Tresor lagen keine erhofften Banknotenbündel.
Während des Überfalls waren mehrere Kunden in der Filiale. Ein Wiener, der ebenfalls zur Post wollte, bemerkte die gefährliche Situation, hinderte weitere Personen am Betreten der Filiale und beobachtete das Geschehen.
Als der maskierte Täter schließlich mit seinem Plastiksackerl voller Beute die Post verlassen wollte, griff der Kunde ein. Er entriss ihm die Waffe, brachte ihn zu Boden und hielt ihn bis zum Eintreffen der Polizei fest. Im Gerichtssaal wurde das Video des Überfalls abgespielt. Darauf war zu sehen, wie der Maskierte minutenlang mit seiner Waffe herumfuchtelte und wiederholt auf Post-Mitarbeiter zielte.
Für eine Angestellte hatte der Überfall schwere Folgen. Sie erstarrte vor Angst und war während der Tat nicht mehr handlungsfähig. Danach erlitt sie eine Panikattacke und musste ins Krankenhaus gebracht werden. Die psychischen Folgen machen ihr bis heute zu schaffen.
Der gelernte Koch erklärte vor Gericht, wie es überhaupt so weit kommen konnte. Er habe sieben Vorstrafen wegen Vermögensdelikten und bereits insgesamt neun Jahre im Gefängnis verbracht. Nach zwei Schlaganfällen habe er außerdem keine Arbeit mehr gefunden. "Ich hab' jede Woche minimum zehn Bewerbungen abg'schickt und nicht einmal eine Antwort kriegt", sagte der Angeklagte. Seine finanzielle Situation sei schließlich "ein Desaster" gewesen.
Der Wiener hatte nach eigenen Angaben rund 80.000 Euro Schulden, zudem drohte ihm der Verlust seiner Wohnung. "Ich hab' nix mehr zu essen g'habt", schilderte er seine Situation. Trotz seines Geständnisses fiel die Strafe angesichts seiner Vorgeschichte empfindlich aus. Der Strafrahmen lag zwischen fünf und 15 Jahren. Der Schöffensenat hielt zehn Jahre Freiheitsstrafe für tat- und schuldangemessen. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.