Kaum ein Pole spielte für die Geschichte Österreichs eine so große Rolle wie König Jan III. Sobieski. Im September 1683, als osmanische Truppen kurz vor der Einnahme Wiens standen, führte er ein deutsch-polnisches Entsatzheer an, das vom Kahlenberg aus die Wende einleitete. Eine entscheidende Rolle spielten dabei die berühmten polnischen Husaren.
In Wien hätte ein Denkmal für die Verdienste des polnischen Königs entstehen sollen. Trotz einer grundsätzlichen Einigung hat die Stadt Wien vor zwei Jahren das Projekt abgeblasen. Grund: Die Sorge vor angeblichen "islamfeindlichen Ressentiments".
Am Sonntag besuchte Polens First Lady Marta Nawrocka die Bundeshauptstadt, um an den Gedenkfeiern zum 343. Jahrestag der Schlacht bei Wien und zum 43. Jahrestag des Besuchs von Papst Johannes Paul II. teilzunehmen. Nawrocka wurde vom Kabinettschef des Staatsoberhauptes, Paweł Szefernaker, sowie vom Präsidentenberater Jan Józef Kasprzyk nach Wien begleitet, meldete die Nachrichtenagentur PAP.
Jan III. Sobieski (1624–1696)
Am 12. September 1683 führte Sobieski sein Einsatzheer bei der zweiten Türkenbelagerung durch das osmanische Reich an und siegte bei der Schlacht am Kahlenberg. Sobieski ist einer der bedeutensten Könige in der polnischen Geschichte und gilt für viele als der "Retter Wiens".
Es handle sich um die dritte alleinige Auslandsreise der 40-Jährigen als First Lady, nach Besuchen in Paris und Washington, berichten polnische Medien. Nach Angaben des Präsidialamtes boten die Gedenkfeiern auf dem Kahlenberg Nawrocka zudem die Gelegenheit, Vertreter der polnischen Gemeinschaft in Österreich zu treffen. Aktuellen Daten zufolge leben 67.543 polnische Staatsbürger in Österreich.
Nawrocka besuchte am Sonntagvormittag eine Messe anlässlich des Jahrestags der Schlacht. Der Gottesdienst fand in der St. Josefskirche auf dem Kahlenberg statt. Anschließend nahm die First Lady an einer Gedenkfeier der 11. Panzerkavalierdivision "König Jan III. Sobieski" teil.
Dabei hat Kabinettschef Szefernaker einen Brief des polnischen Präsidenten Karol Nawrocki verlesen. "Dank des Sieges bei Wien waren unser Herrscher, die unbesiegbaren geflügelten Reiter sowie die polnischen Infanteristen und Artilleristen in aller Munde in ganz Europa und wurden besungen in Liedern, Memoiren und der Malerei", schrieb Nawrocki demnach.
"Gott, unser Herr, sei in Ewigkeit gepriesen: Er hat unserem Volk einen Sieg und Ruhm geschenkt, wie ihn vergangene Zeitalter niemals gekannt haben."
Indem sie damals den Rückzug des Osmanischen Reiches einleiteten, retteten "die polnischen Sieger" Österreich und andere christliche Länder "vor der Eingliederung in einen unterdrückerischen muslimischen Staat – und ebneten langfristig den Weg für die Befreiung der Völker Mittel- und Südeuropas von diesem schweren Joch", betonte er. Dabei unterstrich der Präsident auch die Rolle der Husaren-Elitetruppe: "Auf den Panzern der Husaren brach die Welle, die das christliche Abendland zu überfluten drohte."
Nawrocki erinnerte außerdem daran, dass im Jahr 1983 Papst Johannes Paul II. anlässlich des 300. Jahrestags des Entsatzes Wiens besuchte.