Eine tote Laborantin, ein weiterer Verdachtsfall und offene Fragen zu einem möglichen Laborunfall: In Russland sorgt ein mysteriöser Todesfall für Aufregung. Jetzt schaltet sich auch Deutschlands Außenminister Johann Wadephul (CDU) ein. Der 63-Jährige fordert Aufklärung und bringt sogar Reisebeschränkungen ins Spiel.
Ob die gefährliche Lungenpest tatsächlich für den Tod der jungen Frau verantwortlich war, ist bisher nicht bestätigt. Die russische Regierung spricht von einer Lungenentzündung und bestreitet einen Pestausbruch.
Im sibirischen Irkutsk starb am 2. Oktober eine 28-jährige Mitarbeiterin eines Anti-Pest-Instituts. Russischen Medien zufolge soll es wenige Tage zuvor zu einem Zwischenfall im Labor gekommen sein. Am 25. September sei demnach ein Reagenzglas mit einem Lungenpest-Erreger zerbrochen.
Vier Tage später wurde die junge Frau ins Krankenhaus eingeliefert. Dort starb sie schließlich. Inzwischen gibt es Berichte über einen zweiten Pest-Verdachtsfall in dem Institut. Auch die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fordert weitere Informationen von Russland.
Der deutsche Außenminister Johann Wadephul verlangt von Moskau vollständige Transparenz über die Vorfälle. "Die Welt hat Fragen, darauf schuldet Russland Antworten", erklärt der CDU-Politiker gegenüber der BILD.
Sollten Schutzmaßnahmen notwendig werden, hält er auch "konsequente Reisebeschränkungen" für denkbar. "Wir können und werden kein Risiko eingehen", betont Wadephul in der deutschen Boulevardzeitung.
Trotz der beunruhigenden Berichte halten Fachleute eine größere Ausbreitung in Europa derzeit für unwahrscheinlich. Professor Roman Wölfel, Leiter des Instituts für Mikrobiologie der Bundeswehr in München, erklärt in der BILD: "Für Europa und Deutschland sehe ich derzeit keine unmittelbare Gefahr."
Anders als etwa das Coronavirus oder Masern verbreitet sich die Lungenpest nicht so leicht. Für eine Übertragung ist enger Kontakt erforderlich.
Auch Immunologe Andreas Radbruch von der Berliner Charité hält eine größere Ausbreitung für wenig wahrscheinlich. In Deutschland seien seit Jahren keine Pestfälle bei Menschen oder Tieren aufgetreten. "Die Gefahr, dass diese ein, zwei Fälle aus Russland dort oder in Europa eine Epidemie auslösen, ist sehr, sehr gering", sagt der 73-Jährige zur BILD.
Ähnlich beurteilt der frühere deutsche Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) in der BILD die Situation. Sollte tatsächlich ein Pesterreger hinter den Erkrankungen stecken, sei dieser "bei Weitem nicht so ansteckend wie beispielsweise das Coronavirus".
Außerdem könne die Krankheit bei rechtzeitiger Behandlung geheilt werden.
Die Lungenpest zählt weiterhin zu den schweren Infektionskrankheiten. Ohne medizinische Behandlung kann sie innerhalb kurzer Zeit tödlich verlaufen.
Anders als im Mittelalter stehen heute allerdings wirksame Antibiotika zur Verfügung. Wird die Erkrankung früh erkannt, bestehen gute Heilungschancen.
Ob der Tod der 28-Jährigen tatsächlich auf eine Pestinfektion zurückzuführen ist, bleibt offen. Während internationale Stellen weitere Informationen verlangen, sehen Experten für Europa derzeit keine unmittelbare Gefahr.