Er war zwei Jahrzehnte lang Bürgermeister von Blumau-Neurißhof. Jetzt kämpft ausgerechnet der frühere Ortschef um seine wirtschaftliche Existenz. Über das Vermögen von Gernot Pauer wurde am 24. Februar am Landesgericht Wiener Neustadt ein Konkursverfahren eröffnet.
Nach seinem Rückzug aus der Politik 2019 hatte Pauer eine neue Rolle im Ort übernommen: Er führte die Trafik weiter – jene Trafik, die seit 76 Jahren Nahversorger, Postpartner und Treffpunkt der Gemeinde ist. Genau dieses Geschäft steht nun vor einer ungewissen Zukunft.
20 Jahre lang war Pauer das politische Gesicht der Gemeinde. Er traf Entscheidungen, leitete Gemeinderatssitzungen, war bei Veranstaltungen präsent. 2019 erklärte er seinen Rückzug. "Die Luft ist draußen", sagte er damals.
Statt Rathaus hieß es für ihn danach Verkaufspult. Als Trafikant war er täglich für die Bewohner da. Viele kannten ihn noch als Bürgermeister – und holten nun bei ihm ihre Zeitung, ihre Briefe oder ihre Tschick.
Im November 2020 wurde seine Trafik Ziel eines Einbruchsversuchs. Unbekannte versuchten mit einem Brecheisen die Metalltür aufzubrechen. Als Pauer am nächsten Tag zum Geschäft kam, um den Automaten zu befüllen, sah er die massiven Schäden.
Die Tür musste getauscht werden, der Sachschaden war erheblich. Er war versichert, doch der Ärger und die Sorgen blieben. Für viele im Ort war klar: Es trifft hier ihren Alt-Bürgermeister persönlich.
Im Internet bekommt die Trafik fast nur Bestnoten. 4,9 Sterne im Schnitt. Kunden sprechen von "unserer Trafik und Postpartner", loben Freundlichkeit und Verlässlichkeit. Kritik gibt es praktisch keine. Und dennoch steht der Betrieb nun auf der Kippe. Gläubiger können ihre Forderungen noch bis Mitte April anmelden, Ende April findet die erste Tagsatzung statt. Wie es weitergeht, ist offen.
Mit der Trafik würde Blumau-Neurißhof seine letzte Anlaufstelle dieser Art verlieren. Kein anderes Geschäft im Ort verkauft Rauchwaren oder übernimmt Postdienste. Für viele ist das ein emotionaler Einschnitt. Der Alt-Bürgermeister hinter dem Verkaufspult, der Plausch beim Zeitungskauf, das vertraute Läuten der Türglocke - all das könnte bald Geschichte sein.