Neue Pläne

Nach Ardo-Aus bahnt sich überraschende Wende an

Nach der angekündigten Ardo-Schließung in Groß-Enzersdorf gibt es mehrere Interessenten für eine Nachfolgelösung. Doch ab Mitte 2027 drohen Engpässe.
20.10.2026, 07:35
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Wie lange gibt es noch österreichischen Tiefkühlspinat im Supermarkt? Nach dem angekündigten Aus für das Ardo-Werk in Groß-Enzersdorf (Bezirk Gänserndorf) wird diese Frage immer dringlicher. Denn die vorhandenen Vorräte reichen nicht unbegrenzt, und eine neue Produktionslösung ist noch nicht gefunden.

Immerhin gibt es Bewegung bei der Suche nach einem Ersatz. Niederösterreichs Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP) berichtete am Montag von mehreren ernsthaften Interessenten, die künftig Marchfelder Gemüse verarbeiten könnten.

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Eine Handvoll Investoren zeigt Interesse

Bei einer Pressekonferenz in Wieselburg (Bezirk Scheibbs) erklärte Pernkopf, dass derzeit verschiedene Möglichkeiten geprüft werden. Denkbar sei einerseits, dass bereits bestehende Betriebe größere Mengen an heimischem Gemüse übernehmen. Andererseits könnte eine neue Verarbeitungsanlage entstehen.

Laut Pernkopf gibt es "eine Handvoll" ernst zu nehmender Investoren beziehungsweise Interessenten. Konkrete Namen nannte er wegen vereinbarter Verschwiegenheit nicht. In den kommenden Wochen soll geklärt werden, welche Unternehmen zusätzliche Mengen verarbeiten können und wo neue Anlagen gebraucht werden.

Minister will österreichische Lösung

Auch Landwirtschaftsminister Norbert Totschnig (ÖVP) setzt auf eine Fortsetzung der heimischen Tiefkühlgemüseproduktion. "Wir werden alles tun, um hier eine Alternative zu schaffen", erklärte er gegenüber noe.ORF.at.

Dafür brauche es sowohl erfahrene Unternehmen als auch Investoren, die Geld in einen österreichischen Standort stecken wollen. Entscheidend sei außerdem, dass die Konsumenten weiterhin gezielt heimische Produkte kaufen.

Pernkopf und Totschnig fordern deshalb einen "rot-weiß-roten Schulterschluss" zwischen Handel und Konsumenten. Eine Online-Petition für den Erhalt von Marchfelder Tiefkühlgemüse hat mittlerweile rund 100.000 Unterstützer. Gleichzeitig liegt Österreichs Selbstversorgungsgrad bei Gemüse insgesamt derzeit bei 57 Prozent.

Diese Unternehmen sind bereits im Gespräch

Einige mögliche Ansätze für die Zeit nach Ardo zeichnen sich bereits ab. Der Gemüseverarbeiter efko bestätigte Gespräche über denkbare Lösungen. Spar wiederum hat mit Schneider’s Gemüseland in Groß-Enzersdorf vereinbart, künftig mehr Gemüse am dortigen Standort verarbeiten zu lassen.

Auch Agrana brachte eine Möglichkeit ins Spiel: Das Gelände der ehemaligen Zuckerfabrik in Leopoldsdorf im Marchfeld könnte für eine neue Gemüseverarbeitung genutzt werden. Allerdings will Agrana eine solche Anlage nicht selbst betreiben.

Eine verbindliche Gesamtlösung für die bisherige Ardo-Produktion gibt es damit noch nicht.

Bei Tiefkühlspinat droht ein Engpass

Besonders schwierig ist die Lage bei Blattgemüse. Für dessen Verarbeitung werden spezielle Maschinen und Produktionslinien benötigt. Gerade bei Spinat könnte deshalb die Zeit knapp werden. "Da laufen die Verhandlungen jetzt in den nächsten Wochen. Was können andere Betriebe übernehmen und wo braucht man neue Produktionslinien?", erklärte Pernkopf.

Neben möglichen Standorten muss auch geklärt werden, wo die benötigten Anlagen erhältlich sind, wie schnell sie geliefert werden können und welche Investitionen notwendig wären. Nach Einschätzung Pernkopfs könnte die Versorgung mit heimischem Tiefkühlgemüse aus dem Marchfeld ab Mitte 2027 problematisch werden.

Die vorhandenen Bestände an österreichischem Tiefkühl-Blattgemüse dürften nach seinen Angaben längstens bis Oktober 2027 reichen.

Ardo bleibt bei Schließung

Die belgische Ardo-Gruppe hatte Ende September angekündigt, ihr Produktions- und Verpackungswerk in Groß-Enzersdorf zu schließen. Als Gründe nannte das Unternehmen unter anderem den hohen Investitionsbedarf und die Kostenstruktur des Standorts.

Obwohl private Investoren zwischenzeitlich Interesse an einer Übernahme gezeigt hatten, hielt Ardo an seiner Entscheidung fest. Anfang Oktober erklärte das Unternehmen, dass auch ein neuer Eigentümer den Standort angesichts der erforderlichen Investitionen wohl nicht dauerhaft wirtschaftlich betreiben könnte.

Selbst ein Unterstützungsangebot von Bund und Land änderte daran nichts.

Pernkopf attackiert Ardo scharf

Für die Entscheidung des belgischen Konzerns findet Niederösterreichs Landeshauptfrau-Stellvertreter deutliche Worte. Besonders kritisiert Pernkopf, dass Ardo weder einer befristeten Fortsetzung der Produktion zugestimmt habe noch die Anlagen am Standort belassen wolle.

"Letztendlich ist das eine Kampfansage gegen Österreich, gegen die Konsumenten, gegen die Arbeitnehmer, gegen die Bauern, gegen alle Österreicher und Österreicher. Und das dürfen wir so auch nicht durchgehen lassen", heißt es gegenüber dem ORF.

Sein Ziel sei es, Ersatzinvestitionen zu ermöglichen, damit "möglichst bald wieder viel österreichisches Gemüse in den Regalen ist".

KI soll Bauern bei der Arbeit helfen

Bei dem Termin am Francisco Josephinum in Wieselburg ging es neben der Zukunft der Gemüseproduktion auch um Künstliche Intelligenz in der Landwirtschaft. Dort werden unter anderem Feldroboter und Drohnen erprobt, die landwirtschaftliche Betriebe bei ihrer Arbeit unterstützen sollen.

Ein Roboter kann beispielsweise mithilfe von Kameras und KI zwischen Nutzpflanzen und Unkraut unterscheiden und unerwünschte Pflanzen gezielt entfernen. "Er jätet Unkräuter. Und wir brauchen das, weil vor allem in Spezialkulturen immer mehr Arbeitskräfte fehlen", erklärte Anna Meusburger von Josephinum Research gegenüber dem ORF.

Auch bei der Auswertung von Satelliten- und Drohnendaten wird KI eingesetzt, etwa um den Wasser- und Nährstoffbedarf von Feldern besser einschätzen zu können.

Das Land Niederösterreich investiert zudem 1,5 Millionen Euro in eine Stiftungsprofessur für datenzentrierte KI in der Landwirtschaft am Campus Wieselburg. Laut Pernkopf haben sich 15 Personen dafür beworben.

Entscheidende Wochen für Marchfeld-Gemüse

Während in Wieselburg an der Landwirtschaft der Zukunft gearbeitet wird, drängt bei der Tiefkühlgemüseproduktion die Zeit.

Ob bestehende Betriebe einspringen oder eine neue Anlage gebaut wird, soll sich in den kommenden Verhandlungen zeigen.

Besonders beim Spinat braucht es rasch eine Lösung. Denn die vorhandenen Vorräte reichen laut Pernkopf nur noch bis spätestens Oktober 2027.

wil, 20.10.2026, 07:35