Tiefkühl-Krieg in NÖ

"Ein Schock" – Spar-Chef packt über Ardo-Aus aus

Das Ende der Ardo-Produktion in Groß-Enzersdorf (NÖ) trifft den Lebensmittelhandel. Spar-Vorstand Markus Kaser spricht von einem Schock.
16.10.2026, 13:14
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Die bevorstehende Schließung der Tiefkühlgemüseproduktion von Ardo in Groß-Enzersdorf (Niederösterreich) sorgt für Bewegung im heimischen Lebensmittelhandel. Auch bei Spar kam die Entscheidung überraschend. Doch der Handelskonzern hat bereits reagiert und setzt künftig verstärkt auf einen langjährigen Partner aus dem Marchfeld.

Spar-Vorstand Markus Kaser schildert im Interview mit der "Kleinen Zeitung", wie schnell das Unternehmen nach der Nachricht handeln musste.

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Spar von Entscheidung überrumpelt

Mit dem raschen Ende der Produktion bei Ardo hatte man offenbar nicht gerechnet. Kaser erklärt, dass die Ankündigung bei Spar für Verwunderung gesorgt habe.

Von Alarmstimmung will er zwar nicht sprechen, die Geschwindigkeit der Entwicklung habe das Unternehmen aber überrascht. "Alarm ist der falsche Begriff. Aber wir waren erstaunt, dass es so schnell ging, auch überrumpelt von der Entscheidung", erklärt der Spar-Vorstand im Gespräch mit der "Kleinen Zeitung".

Für Spar stellte sich damit die Frage, wie die benötigten Gemüsemengen künftig beschafft werden können.

Marchfelder Familienbetrieb springt ein

Eine Lösung ließ nicht lange auf sich warten. Bereits innerhalb von zwei Tagen konnte Spar mit Schneiders Gemüsewelt eine Vereinbarung treffen.

Das familiengeführte Unternehmen aus dem Marchfeld arbeitet schon seit längerer Zeit mit Spar zusammen und soll nun zusätzliche Mengen produzieren.

Dafür sind allerdings Veränderungen notwendig: Schneiders Gemüsewelt wird weitere Gemüsebauern in sein Programm aufnehmen und muss in den Ausbau seiner Produktionskapazitäten investieren.

Kaser sieht darin trotz des Verlusts des Ardo-Standorts auch eine Möglichkeit, die heimische Landwirtschaft zu stärken.

"Die Schließung des Werks von Ardo ist ein Schock, gleichzeitig tun sich Chancen auf. Das zeigt sich gerade durch die Solidarität mit den heimischen Produzenten", stellt Kaser gegenüber der "Kleinen Zeitung" klar.

Herkunft von Gemüse wird wichtiger

Der Fall Ardo zeigt für den Spar-Vorstand auch, warum die Herkunft und Verarbeitung von Lebensmitteln stärker beachtet werden sollten.Kaser spricht sich dafür aus, regionale Produkte deutlicher hervorzuheben. Das gelte nicht nur für Supermärkte, sondern ebenso für die Gastronomie.

Als Beispiel nennt er Erbsen aus dem Marchfeld, deren Herkunft auf einer Speisekarte angegeben werden könnte. Bei Lebensmitteln gehe es seiner Ansicht nach um weit mehr als einheitliche Qualitätsstandards. Anbaugebiet, Verarbeitung und Rohstoffe würden einen entscheidenden Unterschied machen.

Spar setzt auf heimische Landwirtschaft

Die Zusammenarbeit mit regionalen Produzenten ist für Spar auch abseits der Ardo-Schließung ein wichtiges Thema. Gemeinsam mit Frutura startete der Handelskonzern 2023 ein Projekt, um zwei alte österreichische Apfelsorten wieder auf den Markt zu bringen.

Kaser sieht in der Förderung unterschiedlicher Sorten nicht nur einen Beitrag zur Artenvielfalt, sondern auch einen Vorteil für die Versorgungssicherheit. Eine vielfältige Landwirtschaft mache die Produktion widerstandsfähiger.

Trockenheit belastet heimische Ernte

Zusätzliche Herausforderungen entstehen durch die klimatischen Veränderungen. Laut Kaser haben einige landwirtschaftliche Produkte, darunter Äpfel, unter der Trockenheit gelitten.

Bei bestimmten Waren könnte deshalb die Importsaison heuer um einige Wochen früher beginnen. Bei Wein sei die Stimmung unter den Bauern, mit denen er gesprochen habe, hingegen positiv. Die Versorgung mit Lebensmitteln in Österreich sei dennoch gesichert.

Steigende Energiekosten bereiten Sorgen

Neben der Entwicklung bei Ardo beschäftigt Spar auch die allgemeine Preisentwicklung. Derzeit liege die Inflation im Lebensmittelbereich des Unternehmens bei rund einem Prozent und gehe tendenziell zurück.

Bei Brot, Backwaren, bestimmten Milcherzeugnissen und Konserven seien die Preise teilweise sogar gesunken. Für die kommenden Monate sieht Kaser allerdings Risiken durch höhere Energiekosten. Diese könnten sich mittelfristig auch auf die Lebensmittelpreise auswirken.

Die österreichische Mehrwertsteuersenkung auf ausgewählte Lebensmittel hält er dabei für wenig wirksam. "Es ist wichtig, dass man sich um leistbare Lebensmittel kümmert, aber die Mehrwertsteuersenkung ist eine Fehlkonstruktion und kostet in Summe mehr als sie bringt", sagt Kaser zur "Kleinen Zeitung".

Aus Sicht des Spar-Vorstands wäre eine Entlastung bei den Energiekosten wesentlich wirkungsvoller, weil davon sowohl die Konsumenten als auch die heimischen Produzenten profitieren würden.

wil, 16.10.2026, 13:14