Marchfeld

Nach Ardo-Aus – FPÖ warnt vor Folgen für 500 Bauern

Die geplante Schließung des Ardo-Werks in Groß-Enzersdorf sorgt für Wirbel im NÖ Landtag. Die FPÖ fordert Entlastungen und Lösungen für 500 Bauern.
22.10.2026, 07:00
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk

Die geplante Schließung des Tiefkühlgemüsewerks von Ardo in Groß-Enzersdorf (Bezirk Gänserndorf) beschäftigt am Donnerstag auch den NÖ Landtag.

Im Rahmen einer Aktuellen Stunde unter dem Titel "NÖ kämpft für Arbeitsplätze, Bauern & heimische Lebensmittelversorgung!" warnen die FPÖ-Landtagsabgeordneten Dieter Dorner und Alexander Schnabel vor weitreichenden wirtschaftlichen Folgen für das Marchfeld.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Der Fall Ardo sorgt diesmal übrigens für einen ungewöhnlichen Schulterschluss über Parteigrenzen hinweg, nämlich eine gemeinsame "Aktuelle Stunde" im NÖ Landtag von VPNÖ, FPÖ und SPÖ.

240 Jobs und 500 Bauern betroffen

"Wenn ein Verarbeitungswerk wie Ardo schließt, ist das für die Mitarbeiter und deren Familien eine Katastrophe und für rund 500 bäuerliche Betriebe ein finanzieller Exodus", erklärt FPÖ-Landwirtschaftssprecher Alexander Schnabel.

Die Gemüsebauern hätten über Jahre in Maschinen, Lagerlogistik und Infrastruktur investiert. Ein kurzfristiger Umstieg auf andere Kulturen wie Weizen sei daher kaum möglich. Zudem müssten die Landwirte mitten in der Anbauplanung nach neuen Abnehmern suchen.

Auch FPÖ-Wirtschaftssprecher Dieter Dorner schlägt Alarm. Allein im Vorjahr seien 40.000 Tonnen Gemüse im Wert von 18,5 Millionen Euro an Ardo geliefert worden. Mit der Schließung drohe nicht nur den Bauern der wichtigste Abnehmer wegzubrechen. Auch Transportunternehmen, Lagerhäuser, Landmaschinenhändler und Werkstätten könnten betroffen sein.

FPÖ kritisiert hohe Energiepreise

Dorner verweist zudem auf den Verlust weiterer Industriearbeitsplätze im Bezirk. Bereits im März 2025 wurde die Zuckerproduktion im Agrana-Werk eingestellt, wovon 120 Beschäftigte betroffen waren. Gemeinsam mit Ardo gehe es damit um rund 350 Arbeitsplätze. Auch die Entwicklungen am Pharmastandort Orth an der Donau bereiten der FPÖ Sorgen.

Als wesentliche Probleme nennt Dorner hohe Energiepreise, Arbeitskosten und bürokratische Belastungen. Die Arbeitskosten in der österreichischen Industrie würden laut seinen Angaben fast 47 Prozent über dem EU-Durchschnitt liegen, Strom sei um zwölf Prozent teurer.

"Wir brauchen keine Ankündigungen, sondern günstige Energie, niedrige Abgaben auf Arbeit und Bürokratieabbau", fordert Dorner. Auch die CO2-Bepreisung wird von der FPÖ kritisiert.

Hoffnung auf österreichische Lösung

Trotz der angekündigten Schließung sieht Dorner noch Chancen für eine heimische Gemüseverarbeitung. So habe Schneider's Gemüseland in Groß-Enzersdorf bereits Gespräche mit dem Lebensmittelhandel geführt. SPAR zeige Interesse, auch efko werde als möglicher Partner genannt.

Eine weitere Überlegung sei die Nutzung des ehemaligen Agrana-Standorts für die Gemüseverarbeitung. Dorner begrüßt, dass in Niederösterreich parteiübergreifend an Lösungen gearbeitet werde.

Angesichts eines Selbstversorgungsgrades bei Gemüse von laut FPÖ nur 57 Prozent warnt er vor einer steigenden Importabhängigkeit. "Die Supermarktregale bleiben deshalb nicht leer. Aber volle Regale bedeuten noch lange keine nationale Versorgungssicherheit."

Die FPÖ fordert daher von der Bundesregierung bessere wirtschaftliche Rahmenbedingungen, damit Gemüse aus dem Marchfeld auch künftig in Österreich verarbeitet werden kann.

red, 22.10.2026, 07:00
Mehr zum Thema
Weitere Storys