Der Widerstand gegen die geplante Schließung des Ardo-Werks in Groß-Enzersdorf (Bezirk Gänserndorf) wird immer größer! Bereits 106.311 (Stand: Mittwoch, 21. Oktober 2026) Menschen haben auf der Petitionsplattform mein.aufstehn.at die Forderung "Rettet das Tiefkühlgemüse aus dem Marchfeld!" unterschrieben. Der Druck auf die Politik wächst damit weiter. Als Hintergrund: 100.000 Unterstützer reichen übrigens auch aus, damit ein Volksbegehren zwingend im Nationalrat behandelt werden muss.
Die Petition richtet sich direkt an die Bundesregierung und die niederösterreichische Landesregierung. Gefordert wird, dass Gemüse aus dem Marchfeld auch nach der geplanten Werksschließung 2027 weiterhin in Österreich verarbeitet und tiefgekühlt werden kann.
Konkret verlangen die Initiatoren finanzielle Unterstützung von Bund und Land für ein neues Verarbeitungswerk oder einen Zusammenschluss der betroffenen Bauern. Denn ohne eine entsprechende Anlage könnte die heimische Tiefkühlgemüseproduktion massiv einbrechen.
Rund 500 Vertragsbauern haben bisher für den belgischen Ardo-Konzern produziert. Auch etwa 240 Beschäftigte müssen um ihre Arbeitsplätze bangen. Die Schließung könnte damit weitreichende wirtschaftliche Folgen für die gesamte Region haben.
Wie im Ö1-Morgenjournal berichtet wurde, haben zahlreiche Betriebe die Aussaat von Winterspinat bereits gestoppt. Der Grund: Niemand weiß, wer die Ernte im kommenden Frühjahr verarbeiten und abnehmen soll.
Besonders kritisch ist die Situation bei Spinat und Rotkraut. Laut Agrarmarkt Austria machen diese beiden Gemüsearten rund ein Viertel des Tiefkühlgemüses im österreichischen Handel aus. Ardo betreibt zudem die einzige entsprechende Produktionslinie für Tiefkühlspinat in Österreich.
Laut ORF Niederösterreich reichen die vorhandenen Vorräte an heimischem Tiefkühl-Blattgemüse voraussichtlich längstens bis Oktober 2027. Landeshauptfrau-Stellvertreter Stephan Pernkopf (ÖVP) warnte bereits, dass die Versorgung ab Mitte 2027 kritisch werden könnte.
Das drohende Aus sorgt inzwischen auch für einen seltenen parteiübergreifenden Schulterschluss. ÖVP, FPÖ und SPÖ wollen im niederösterreichischen Landtag eine gemeinsame Aktuelle Stunde zur Zukunft des Ardo-Standorts abhalten.
"Hinter der geplanten Werksschließung stehen Menschen und Familien, deren Zukunft auf dem Spiel steht. Hier braucht es gemeinsame Anstrengungen, um tragfähige Lösungen für die Beschäftigten und die Landwirte in der Region zu finden", erklärt SPÖ-Klubobmann Rene Zonschits.
Deutliche Worte kommen auch von VPNÖ-Klubobmann Kurt Hackl. Er wirft dem Konzern vor, sich im Eiltempo vom Standort trennen zu wollen und dabei Arbeitsplätze sowie bäuerliche Familienbetriebe zu gefährden.
"Arbeitnehmer und Bauern dürfen nicht im Regen stehen gelassen werden", betont Hackl. Mit der gemeinsamen Aktuellen Stunde soll der Druck auf den belgischen Konzern weiter erhöht werden.
Während die politischen Gespräche weiterlaufen, wächst die Unterstützung für die Petition. Die mehr als 106.000 Unterzeichner fordern eine rasche Lösung, damit die Produktion heimischer Erbsen, Bohnen, Karotten und Spinat auch künftig gesichert bleibt.
Die zentrale Forderung der Initiative: Bund und Land sollen finanziell eingreifen, bevor mit dem Ardo-Werk eine wichtige Verarbeitungsmöglichkeit für heimisches Gemüse verloren geht.