Nach dem angekündigten Aus für das Ardo-Werk in Groß-Enzersdorf (Bezirk Gänserndorf) reißt der Widerstand nicht ab. Jetzt macht auch eine Online-Petition gegen den drohenden Verlust der heimischen Tiefkühlgemüseproduktion mobil. Unter dem Titel "Weiterhin Tiefkühlgemüse aus dem Marchfeld" wird die Bundesregierung zum Handeln aufgefordert.
Die Initiative nimmt bereits Fahrt auf: Am Mittwoch, 14. Oktober um 17 Uhr, wurden schon über 3.000 der angestrebten 4.000 Unterschriften erzielt. Erst am Dienstagabend hatte die Petition die ersten zehn Unterstützer erreicht.
Die Forderung richtet sich direkt an den Bundeskanzler. Die Regierung solle dafür sorgen, dass auch in Zukunft Tiefkühlgemüse aus dem Marchfeld in Österreich erhältlich ist.
Die Initiatoren bringen dabei konkrete Vorschläge ins Spiel: So könnte ein österreichisches Unternehmen durch Steuervorteile oder Subventionen beim Bau einer neuen Fabrik unterstützt werden. Eine weitere Möglichkeit wäre finanzielle Hilfe für die betroffenen Bauern, damit diese die Gemüseverarbeitung selbst als Genossenschaft übernehmen können.
Die Petition soll außerdem verhindern, dass das Schicksal der heimischen Gemüseproduktion nach wenigen Tagen wieder aus den Schlagzeilen verschwindet. Die Bundesregierung soll erkennen, wie groß der Wunsch nach einer Rettung ist, heißt es.
Hintergrund ist die Entscheidung des belgischen Tiefkühlkonzerns Ardo, sein Werk in Groß-Enzersdorf zu schließen – "Heute" berichtete ausführlich. Finanzielle Unterstützungsangebote von Bund und Land wurden ausgeschlagen. Rund 190 Beschäftigte und etwa 50 Leiharbeitskräfte sind von der Schließung betroffen.
Auch für die Landwirtschaft steht viel auf dem Spiel: Rund 500 bäuerliche Betriebe bauen hauptsächlich im Marchfeld auf etwa 3.300 Hektar Gemüse für Ardo an. Allein 2025 lieferten sie rund 40.000 Tonnen Rohware im Wert von 18,5 Millionen Euro. Die ersten Auswirkungen sind bereits spürbar. Wegen der ungewissen Zukunft wurde der Herbstanbau von Tiefkühlspinat für die kommende Frühjahrsernte nicht durchgeführt.
Scharfe Kritik kommt auch von der Produktionsgewerkschaft PRO-GE. Bundesvorsitzender Reinhold Binder bezeichnete das Vorgehen des Konzerns als "verantwortungslos". Die Gewerkschaft wirft Ardo vor, mögliche Lösungen für eine Übernahme und Weiterführung des Standorts zu blockieren.
Parallel laufen Verhandlungen über einen Sozialplan für die betroffenen Beschäftigten. Auch hier fordert die Gewerkschaft deutliche Verbesserungen. Während sich Gewerkschaft und Landwirtschaftskammer für eine Zukunft der heimischen Gemüseproduktion einsetzen, wächst mit der Petition nun auch der öffentliche Druck.
Ob die Unterschriften die Entscheidung noch beeinflussen können, ist offen. Fest steht: Die Petition will den Kampf um das Marchfelder Tiefkühlgemüse bis ins Bundeskanzleramt tragen.