Dicke Luft im Bezirk Wiener Neustadt-Land! Mögliche Windkraftanlagen sorgen in zwei Nachbargemeinden für Wirbel. Zillingdorfs Bürgermeister Harald Hahn schlägt auf Facebook Alarm, spricht von Windrädern unmittelbar an der Gemeindegrenze und mitten im Wald. Sein Lichtenwörther Amtskollege Manuel Zusag versucht hingegen, die Wogen zu glätten.
"In Lichtenwörth will man wiedermal Windkrafträder in maximaler Höhe aufstellen", schreibt Hahn am 12. Oktober auf Facebook. Laut dem Ortschef stehen mehrere mögliche Standorte im Raum: an der Zillingdorfer Grundstücksgrenze, mitten im Zillingdorfer Wald und in Richtung Neudörfl.
"Ohne Zonierung und ohne Rechtsgrundlage. Seitens der Politik weiß man von nichts. Bei mir war auch niemand", ärgert sich Hahn. Dabei habe Zillingdorf über Jahrzehnte Biotope geschaffen, die Artenvielfalt gefördert und Bauten im Grünland verhindert.
Besonders ärgert Hahn, dass es seiner Darstellung nach weder ein konkretes Windkraftprojekt noch die nötige rechtliche Grundlage gibt. "Wer steckt da dahinter? Und am wichtigsten: Gelten Gesetze und Rechtsgrundlagen für manche gar nicht?", fragt der Ortschef.
Hinter den Diskussionen steckt offenbar das Unternehmen BLOCH3, das bereits mehrere Windkraftprojekte in Niederösterreich entwickelt hat. Nun soll das Unternehmen auch rund um Lichtenwörth Grundstückseigentümer angesprochen haben.
Laut Hahn würden Vertreter der Firma Grundbesitzer mit einer Zahlung von 500 Euro dazu bewegen, Verträge zu unterschreiben. Damit würden sich die Eigentümer bereits für die Zukunft binden und Verpflichtungen eingehen, die auch im Grundbuch abgesichert werden sollen.
Tatsächlich gelten für neue Windkraftanlagen in Niederösterreich strenge Vorgaben. Laut dem 2024 präsentierten Windkraft-Zonenplan liegen rund 98,5 Prozent der Landesfläche außerhalb der ausgewiesenen Windkraftzonen. Auch Lichtenwörth zählt derzeit nicht zu den dafür vorgesehenen Gebieten.
Noch am Abend des 12. Oktober reagiert Lichtenwörths Bürgermeister Manuel Zusag mit einer Klarstellung auf Facebook. Im Gespräch mit "Heute" führt er aus: "Ich verstehe, dass die Bevölkerung bei diesem politischen Thema verunsichert ist durch kursierende Gerüchte."
Dann folgt eine klare Ansage: "Fakt ist, dass bei der aktuellen Rechtslage sicher keine Windräder in den nächsten Jahren in Lichtenwörth gebaut werden." Zusag betont: "Lichtenwörth befindet sich nicht in einer Windkraftzone. Eine Umwidmung ist in absehbarer Zeit auch nicht geplant."
Damit sind sich die beiden Bürgermeister zumindest in einer Sache einig: Die derzeitige Rechtslage lässt nach ihren Angaben keine Errichtung der diskutierten Windräder zu. Warum dennoch Grundstückseigentümer angesprochen werden sollen, bleibt offen. Der politische Gegenwind dürfte jedenfalls noch länger anhalten.