Arbeitsmarktgipfel

KI verändert Jobs: NÖ rüstet sich für die Zukunft

KI, Fachkräftemangel und Digitalisierung verändern die Arbeitswelt. Beim Job-Gipfel in NÖ wurde jetzt ein neuer Kompetenzatlas vorgestellt.
21.10.2026, 15:17
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Künstliche Intelligenz, Digitalisierung, Fachkräftemangel und der internationale Wettbewerbsdruck verändern die Arbeitswelt rasant. Welche Fähigkeiten Arbeitnehmer künftig brauchen und wie Niederösterreich auf diese Herausforderungen reagieren will, stand am Mittwoch beim Arbeitsmarktgipfel "Wirtschaft und Arbeit im Dialog" in Wiener Neustadt im Mittelpunkt.

Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) und Arbeitsmarkt-Landesrätin Susanne Rosenkranz (FPÖ) hatten dazu Vertreter von AMS, Arbeiterkammer, Wirtschaftskammer, Industriellenvereinigung und Sozialministeriumservice zum Unternehmen Triumph International eingeladen.

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Mikl-Leitner: "Mensch und Maschine"

Vor allem die rasante Entwicklung der Künstlichen Intelligenz wird nach Einschätzung der Verantwortlichen zahlreiche Berufsbilder verändern. Neue Technologien könnten Betriebe wettbewerbsfähiger machen, Beschäftigte von Routinearbeiten entlasten und neue Möglichkeiten für Innovation und Wachstum schaffen.

"Wollen Chancen nutzen"

"Bei uns in Niederösterreich heißt es nicht: Mensch oder Maschine. Sondern: Mensch und Maschine. Wir wollen die Chancen der Digitalisierung nutzen, und gleichzeitig den Menschen in den Mittelpunkt stellen", betonte Mikl-Leitner.

Die Technologie allein mache noch keinen erfolgreichen Wirtschaftsstandort. Dafür brauche es Menschen, die ihr Handwerk verstehen, Verantwortung übernehmen und bereit seien, Neues dazuzulernen.

Diese drei Fähigkeiten werden entscheidend

Fachleute von Arbeitgebern, Arbeitnehmern und dem Land haben drei zentrale Kompetenzbereiche identifiziert, die künftig besonders wichtig sein werden.

Erstens bleibt fachliches Können unverzichtbar – egal ob im Handwerk, in der Industrie oder in der Pflege. Zweitens gewinnen digitale Fähigkeiten massiv an Bedeutung, weil Künstliche Intelligenz und neue Technologien in immer mehr Berufen zum Alltag gehören werden.

Präsentierten den neu aufgestellten NÖ Kompetenzatlas: WK-Präsident Wolfgang Ecker, LR Susanne Rosenkranz, LH Johanna Mikl-Leitner, AK-Präsident Markus Wieser und AMS-Landesgeschäftsführerin Sandra Kern (von links nach rechts).
NLK Filzwieser

Drittens werden persönliche Kompetenzen wie Eigenverantwortung, Teamfähigkeit und die Bereitschaft zur Weiterbildung zunehmend wichtiger. Lebenslanges Lernen soll damit zu einem selbstverständlichen Bestandteil des Berufslebens werden.

Neuer Kompetenzatlas für Arbeitnehmer

Als konkrete Maßnahme präsentierten Land und Sozialpartner den umfassend überarbeiteten "NÖ Kompetenzatlas". Die Onlineplattform soll Arbeitnehmern, Jugendlichen und Betrieben einen raschen Überblick über bestehende Aus- und Weiterbildungsmöglichkeiten bieten.

Unter www.noe-kompetenzatlas.at werden Informationen zu beruflicher Orientierung, Qualifizierung, Förderungen und Beratungsangeboten gebündelt. Interessierte sollen unkompliziert herausfinden können, welche Weiterbildung zu ihren Fähigkeiten passt und wo sie Unterstützung erhalten.

Das Angebot richtet sich beispielsweise an junge Menschen, die nach ihrer Lehre zusätzliche Qualifikationen erwerben möchten, aber auch an erfahrene Fachkräfte, die sich beruflich neu orientieren oder digitale Kenntnisse erwerben wollen. Die Plattform soll laufend aktualisiert und erweitert werden.

Mikl-Leitner dazu: "Mit dem NÖ Kompetenzatlas schaffen wir einen besseren Überblick über die vielfältigen Möglichkeiten zur Qualifizierung und Weiterbildung."

KI-Schulungen in Tulln

Ein besonderes Augenmerk liegt auf der Vermittlung digitaler Kompetenzen. Mikl-Leitner verwies dabei auf das Haus der Digitalisierung in Tulln. Dort werden Schulungen und Workshops angeboten, derzeit insbesondere zu Anwendungen der Künstlichen Intelligenz.

Die Landeshauptfrau machte in ihrer vorbereiteten Rede deutlich, dass vorhandene Weiterbildungsangebote allein nicht ausreichen. Entscheidend sei auch, dass Arbeitnehmer wissen, wo sie passende Kurse, Beratungen und Förderungen finden.

Rosenkranz: "Land der Meister und nicht nur der Master"

Arbeitsmarkt-Landesrätin Susanne Rosenkranz unterstrich die Bedeutung einer engen Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Arbeitnehmern und Bildungseinrichtungen. Die Ausbildungsangebote müssten stärker auf die tatsächlichen Bedürfnisse der heimischen Betriebe abgestimmt werden.

Besonders wichtig sei es, jungen Menschen frühzeitig die Chancen einer Lehrausbildung aufzuzeigen.

"Niederösterreich ist und war schon immer ein Land der Meister und nicht nur der Master. Darauf sind wir stolz und das wollen wir erhalten", erklärte Rosenkranz.

Wirtschaft will KI schon in der Lehre

Wirtschaftskammer-NÖ-Präsident Wolfgang Ecker sieht vor allem bei der Ausbildung Handlungsbedarf. "KI muss dabei schon in der Lehrausbildung ihren Platz haben, weshalb die Lehrinhalte laufend angepasst werden", betonte er.

Auch das WIFI bietet bereits entsprechende Weiterbildungskurse an. Ein geplanter KI-gestützter WIFI-Service soll künftig vorhandene Fähigkeiten mit passenden Bildungsangeboten und dem tatsächlichen Fachkräftebedarf der Unternehmen verknüpfen.

Barbara Ascher, Vizepräsidentin der Industriellenvereinigung Niederösterreich, verwies darauf, dass Lesen, Schreiben und Rechnen weiterhin unverzichtbare Grundlagen bleiben. Gleichzeitig brauche die Industrie zunehmend Menschen, die technologische Entwicklungen verstehen, eigenständig Lösungen erarbeiten und sich laufend weiterentwickeln.

AMS: Auch ältere Arbeitnehmer stärker einbinden

AMS-NÖ-Landesgeschäftsführerin Sandra Kern warnte vor den langfristigen Auswirkungen des demografischen Wandels. Um den Arbeitskräftebedarf zu decken, müssten alle verfügbaren Potenziale genutzt werden. Dazu gehöre insbesondere eine stärkere Erwerbsbeteiligung von Frauen und älteren Menschen.

Auch das AMS selbst setzt auf Künstliche Intelligenz, um Kompetenzen und Jobchancen schneller zusammenzuführen. Menschliche Entscheidungen sollen dadurch allerdings nicht ersetzt werden.

"Im AMS steht auch künftig der Mensch im Mittelpunkt: Die letzte Entscheidung trifft immer die Beraterin oder der Berater", stellte Kern klar.

Auch Menschen mit Behinderung unterstützen

AK-NÖ-Präsident Markus Wieser begrüßte die Bündelung der Weiterbildungsangebote. Gerade angesichts des steigenden Fachkräftebedarfs sei es wichtig, persönliche Stärken und Begabungen mit passenden Ausbildungen und Qualifikationen zu verbinden.

Auch Jugendliche, denen der Ausschluss vom Arbeitsmarkt droht, sowie Menschen mit Behinderung sollen gezielt unterstützt werden. Günther Widy, Leiter des Sozialministeriumservice Niederösterreich, verwies dazu auf bestehende Angebote aus dem Netzwerk Berufliche Assistenz, etwa das Programm "AusbildungsFit".

Mit dem neu aufgestellten Kompetenzatlas wollen Land und Sozialpartner die vorhandenen Möglichkeiten besser sichtbar machen und den Zugang zu Weiterbildung erleichtern. Ziel ist es, Arbeitnehmer auf die veränderten Anforderungen vorzubereiten und gleichzeitig den Fachkräftebedarf der heimischen Wirtschaft zu decken.

wes, 21.10.2026, 15:17