Stromkosten: Hergovich warnt

SPÖ will strengere Regeln für Rechenzentren

SPÖ NÖ-Chef Sven Hergovich fordert strenge Regeln für neue Rechenzentren in NÖ. Betreiber sollen Strom und Infrastruktur selbst bezahlen.
21.10.2026, 14:06
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In Niederösterreich könnten in den kommenden Jahren zahlreiche neue Rechenzentren entstehen. Doch SPÖ-NÖ-Chef und Landesrat Sven Hergovich warnt vor den Folgen für Stromkunden, Gemeinden und Umwelt. Die Sozialdemokraten haben deshalb ein Positionspapier mit neun strengen Kriterien ausgearbeitet, die künftig für die Zustimmung zu neuen Rechenzentren entscheidend sein sollen.

Der Hintergrund: Aktuell liegen in Niederösterreich Anfragen für Rechenzentren mit einer gesamten Anschlussleistung von rund 3.400 Megawatt vor. Laut SPÖ entspricht das etwa dem Doppelten des derzeitigen Stromverbrauchs von ganz Niederösterreich. Besonders durch Digitalisierung und künstliche Intelligenz steigt der Bedarf an solchen Anlagen enorm.

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"Bevölkerung darf nicht auf Stromrechnung sitzen bleiben"

"Wir müssen jetzt handeln, bevor internationale Tech-Giganten selbst Fakten schaffen und die Bevölkerung auf der gigantischen Stromrechnung und dem Umweltschaden sitzen bleibt. Für mich ist völlig klar: Wer mit Rechenzentren Gewinne erzielt, muss auch die Kosten für Stromversorgung, Infrastruktur und den Schutz der Bevölkerung tragen", erklärt Hergovich. Ähnlich hatte sich auch Niederösterreichs Grünen-Chefin im "Heute"-Interview geäußert - mehr dazu hier.

Eine der zentralen Forderungen: Betreiber neuer Rechenzentren sollen ihren zusätzlichen Strombedarf selbst decken müssen. Dafür sollen eigene erneuerbare Energieanlagen errichtet oder zusätzliche Anlagen finanziert werden. Auch die Kosten für Stromanschlüsse und einen notwendigen Ausbau der Netze müssten vollständig von den Betreibern übernommen werden.

"Für mich ist es undenkbar, dass große Konzerne gewaltige zusätzliche Strommengen beanspruchen und die Menschen in Niederösterreich dafür höhere Rechnungen bekommen. Wer ein Rechenzentrum errichten will, muss seine Stromversorgung sicherstellen und die notwendige Infrastruktur selbst finanzieren. Schließlich sind die Gewinne aus dem Betrieb ausgesprochen hoch", sagt Hergovich.

Trinkwasser soll geschützt werden

Auch beim Wasserverbrauch will die SPÖ klare Grenzen setzen. Für die reguläre Kühlung der riesigen Serveranlagen soll kein Trinkwasser aus der öffentlichen Versorgung verwendet werden dürfen. Stattdessen sollen geschlossene Kühlkreisläufe, Brauchwasser oder andere wassersparende Technologien zum Einsatz kommen.

Gleichzeitig soll die entstehende Abwärme nicht einfach ungenutzt in die Umgebung abgegeben werden. Betreiber müssten bereits vor der Errichtung nachweisen, dass diese beispielsweise in Fern- oder Nahwärmenetze eingespeist werden kann. Bloße Absichtserklärungen sollen dafür nicht ausreichen.

Zusätzlich fordert die SPÖ verbindliche Maßnahmen gegen Lärm durch Kühlanlagen, Ventilatoren und Notstromaggregate. Besonders der nächtliche Betrieb müsse dabei berücksichtigt werden.

Gemeinden sollen finanziell profitieren

Ein weiterer wichtiger Punkt betrifft die Standortgemeinden. Da Rechenzentren trotz ihres enormen Flächen- und Energiebedarfs vergleichsweise wenige dauerhafte Arbeitsplätze schaffen, fordert Hergovich eine regelmäßige Infrastrukturabgabe.

Diese soll sich an der Größe des jeweiligen Rechenzentrums orientieren und nicht nur einmalig, sondern laufend an die Gemeinden bezahlt werden. Zusätzlich sollen Betreiber konkrete Angaben zu Arbeitsplätzen, Ausbildungsangeboten und regionalen Aufträgen machen.

"Wer von einem Standort profitiert, muss der Gemeinschaft etwas zurückgeben. Unsere Gemeinden dürfen weder auf den Kosten sitzen bleiben noch mit einer Armee von Anwälten und Lobbyisten großer Rechenzentren-Betreiber allein gelassen werden", erklärt Hergovich.

"Keine Rechenzentren auf der grünen Wiese"

Auch beim Flächenverbrauch will die SPÖ strengere Vorgaben. Neue Rechenzentren sollen vorrangig auf bereits versiegelten Grundstücken entstehen. Wertvolle landwirtschaftliche Flächen und Naturräume sollen möglichst unangetastet bleiben. Isolierte Anlagen auf bislang unverbauten Freiflächen lehnen die Sozialdemokraten ab.

Darüber hinaus setzt Hergovich auf europäische Betreiber und möglichst europäische Software. Damit soll verhindert werden, dass Niederösterreich bei der Speicherung sensibler Daten noch stärker von internationalen Technologiekonzernen abhängig wird.

Besonders strenge Maßstäbe sollen für spezialisierte KI-Rechenzentren gelten. Wegen ihres besonders hohen Strombedarfs sollen solche Anlagen nur dann eine Zustimmung erhalten, wenn ein konkreter gesellschaftlicher Nutzen nachgewiesen wird, etwa in der medizinischen Forschung oder Diagnostik.

SPÖ droht mit Nein zu neuen Standorten

Seit Juni 2026 gelten in Niederösterreich neue raumordnungsrechtliche Bestimmungen für Rechenzentren. Bei Anlagen mit mehr als drei Hektar Widmungsfläche ist zusätzlich eine Standortverordnung der Landesregierung erforderlich.

Genau hier will die SPÖ ansetzen und ihre Zustimmung von der Erfüllung der neun Kriterien abhängig machen.

"Standortverordnungen für neue Rechenzentren werden wir nur dann zustimmen, wenn unsere Kriterien erfüllt sind. Es braucht einen konkreten und nachweisbaren Mehrwert für die Region. Erhebliche Belastungen für Bevölkerung, Gemeinden und Umwelt müssen ausgeschlossen sein", stellt Hergovich klar.

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Grundsätzlich sei die SPÖ nicht gegen Digitalisierung und künstliche Intelligenz. Allerdings dürften die Gewinne großer Konzerne nicht zulasten der Allgemeinheit gehen. Hergovich will deshalb eine breite politische Debatte über die künftigen Regeln für Rechenzentren in Niederösterreich anstoßen.

VPNÖ kontert: "Nicht in Texas – sondern in NÖ spielt Musik"

Scharfe Kritik an Hergovichs Vorstoß kommt von der Volkspartei Niederösterreich. VPNÖ-Klubobmann Kurt Hackl wirft dem SPÖ-Chef vor, mit seinen Forderungen deutlich zu spät zu kommen. Niederösterreich habe bereits im April eine eigene Rechenzentrenstrategie vorgestellt und sei damit das erste Bundesland gewesen, das einen eigenständigen Weg eingeschlagen habe.

"Mit einer eigenen Rechenzentrenstrategie haben wir in Niederösterreich Wildwuchs bereits frühzeitig einen Riegel vorgeschoben. Strenge Regeln sichern lokale Mitbestimmung und Entwicklung nur dort, wo die notwendige Infrastruktur vorhanden ist", betont Hackl.

Besonders pikant sei laut dem ÖVP-Politiker, dass die SPÖ-Landtagsfraktion im April noch gegen die entsprechende Gesetzesänderung gewesen sei. Nun präsentiere Hergovich ein halbes Jahr später eigene Forderungen, obwohl Niederösterreich längst entsprechende Maßnahmen gesetzt habe.

Auch einen Seitenhieb auf Hergovich kann sich Hackl nicht verkneifen: "Hergovich muss keine Rechenzentren in Texas besuchen, um sich eine Strategie abzuschauen. Es reicht einfach ein kurzer Blick in die Rechenzentrenstrategie des Landes Niederösterreich."

Seine Botschaft an den SPÖ-Chef: "Landesparteivorsitzender Hergovich: Nicht in Texas – sondern in NÖ spielt die Musik!"

wes, 21.10.2026, 14:06
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