Kammer schlägt Alarm

Impfstoff fehlt! Ärzte schicken Patienten heim

In NÖ fehlt der Grippeimpfstoff. Ärzte müssen Patienten wegschicken, obwohl eine Alternative vorhanden wäre. Die Ärztekammer schlägt Alarm.
21.10.2026, 18:20
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In Niederösterreich sorgt die Grippeimpfung für Ärger: Der bestellte Standardimpfstoff fehlt weiterhin, zahlreiche Patienten müssen vertröstet werden. Besonders kurios: Eine zugelassene Alternative ist in vielen Ordinationen vorhanden, darf aber für bestimmte Altersgruppen im kostenlosen Impfprogramm nicht verwendet werden.

"Wir stehen mit leeren Händen da"

Die Ärztekammer Niederösterreich schlägt deshalb Alarm. "Nur rund zehn Prozent der Bevölkerung sind nach unseren Daten und den Erfahrungen aus den Ordinationen bereit, sich gegen Grippe impfen zu lassen", erklärt Kurienobfrau Dagmar Fedra-Machacek.

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Ausgerechnet diese impfwilligen Menschen müssten nun teilweise unverrichteter Dinge wieder nach Hause geschickt werden. Dabei seien die Impfungen bereits seit Anfang Oktober überfällig. Selbst wenn der fehlende Impfstoff in den nächsten Tagen in Österreich eintreffe, müsse er erst an die Ordinationen verteilt werden.

Impfstoff vorhanden, aber nicht kostenlos

Besonders ärgerlich ist die Situation für 50- bis 59-Jährige. Der bestellte Standardimpfstoff Influvac tri fehlt aufgrund von Lieferschwierigkeiten. Die Alternative Fluad ist zwar bereits ab 50 Jahren zugelassen und in vielen Ordinationen vorhanden, darf im öffentlichen Impfprogramm aber grundsätzlich erst ab 60 Jahren kostenlos verabreicht werden. Eine Ausnahme gilt für Menschen mit schwerer Immunsuppression.

"Eine gesunde 55-jährige Patientin möchte sich in meiner Ordination impfen lassen. Wir müssen ihr sagen: Der bestellte Impfstoff ist leider noch nicht da. Den Impfstoff im Kühlschrank, der ab 50 Jahren zugelassen ist, darf ich ihr im kostenlosen Impfprogramm leider nicht geben, weil er dort erst ab 60 gratis zur Verfügung steht. Das versteht niemand. Wer heute unverrichteter Dinge nach Hause geht, kommt vielleicht kein zweites Mal", kritisiert Fedra-Machacek.

Ärztekammer fordert rasche Lösung

Die Ärztekammer fordert deshalb, Fluad rasch auch für 50- bis 59-Jährige im kostenlosen Impfprogramm freizugeben, sofern ausreichend Impfstoff vorhanden ist. Gleichzeitig müsse die Versorgung älterer und besonders gefährdeter Menschen gesichert bleiben.

Auch Michael Sokol, Leiter des Impfreferats der Ärztekammer NÖ, hält angesichts der sich frühzeitig ankündigenden Grippewelle rasche Maßnahmen für notwendig.

Fedra-Machacek richtet einen deutlichen Appell an Gesundheitsministerium und Sozialversicherung: "Wir können nicht ständig zum Impfen aufrufen und dann Menschen vertrösten, die unserem Aufruf folgen. Jede Impfung, die wir jetzt ermöglichen können, zählt."

Wer sich derzeit impfen lassen kann

Für Kinder und Jugendliche zwischen zwei und unter 18 Jahren steht der Nasenspray-Impfstoff Fluenz zur Verfügung. Menschen ab 60 Jahren können mit Fluad geimpft werden.

Für Kleinkinder zwischen sechs und 24 Monaten, Schwangere und weitere besonders schutzbedürftige Gruppen wurden 100.000 Dosen Flucelvax gesichert. Ein Großteil soll voraussichtlich bis Ende Oktober eintreffen.

Für die übrigen Erwachsenen zwischen 18 und 59 Jahren wird der Standardimpfstoff Influvac tri demnächst erwartet. Ein konkreter Liefertermin für die Ordinationen steht allerdings noch nicht fest.

Die Ärztekammer empfiehlt daher, vor einem geplanten Impftermin telefonisch in der Ordination nachzufragen, ob ein geeigneter Impfstoff verfügbar ist.

red, 21.10.2026, 18:20
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