Die Ballsaison ist vorbei, doch für einen 17-Jährigen aus der Steiermark hat ein Maturaball noch ein Nachspiel. Der Bursch musste sich am Bezirksgericht Bruck verantworten, nachdem er bei einer Rauferei in der Disco beteiligt gewesen sein soll.
Laut Anklage soll er einem 21-jährigen Holztechniker dabei einen Zahn ausgeschlagen haben. Insgesamt dürften rund zehn Personen in die Rangelei verwickelt gewesen sein.
Der Verteidiger des Jugendlichen versuchte gleich zu Beginn, die Situation einzuordnen. "Wir haben das lange besprochen. Es war eine Geschichte, wo viel Alkohol im Spiel war. Es waren zehn Personen bei der Rangelei betroffen, es war nicht schlau da reinzugehen."
Sein Mandant habe dabei sicherlich jemanden geschupft, einen Schlag könne man ebenfalls nicht ausschließen. "Da war viel Adrenalin im Spiel. Er ist ein braver Bursch und hat sich noch nichts zuschulden kommen lassen."
Der 17-Jährige selbst konnte sich an den Abend kaum erinnern. Freunde hätten ihm später erzählt, dass es zu einer Rauferei gekommen sei. Von seiner Beteiligung hätten sie allerdings nichts gewusst.
Der Richteramtsanwärter wollte wissen, warum der Jugendliche später bei der Polizei angegeben hatte, gar nicht beim Ball gewesen zu sein. "Ich war nervös und mir in dem Moment nicht sicher, wann der Ball war", erklärte der Angeklagte und betonte: "Ich bin bereit, die Verantwortung zu übernehmen."
Auch das Opfer konnte sich nicht an den eigentlichen Schlag erinnern. "Ist das wegen dem Alkohol oder wegen dem Treffer?", fragte der Richter. "Das kommt vom Schlag, ich weiß vorher und nachher noch, was passiert ist", antwortete der 21-Jährige. Auf die Frage nach seinem Alkoholkonsum meinte er: "Na, so viel waren’s nicht, nur sieben." Gemeint waren Bier - dazu kamen laut seinen Angaben noch zehn Bacardi-Cola.
Nach der Rauferei wurde der junge Mann nach draußen begleitet, wo Polizei und Rotes Kreuz kurz nach ihm sahen. Danach wollte er sich noch etwas zu essen holen. "Ich hab mir dann noch eine Leberkässemmel geholt, die konnt ich aber nicht gar so gut essen", erzählte er im Gerichtssaal und sorgte damit für Schmunzeln.
Wie auch die "Kleine Zeitung" berichtete, blieb der Vorfall für das Opfer dennoch schmerzhaft: Wegen eines eingeklemmten Nervs musste er eine Wurzelbehandlung über sich ergehen lassen und hatte fast zwei Monate Beschwerden.
Die Anwältin des 21-Jährigen meldete 1.000 Euro Schmerzensgeld an. Der Angeklagte erkannte die Forderung an, damit konnte auf die Einvernahme zahlreicher Zeugen verzichtet werden.
Am Ende entschied das Gericht auf Diversion: 60 Stunden gemeinnützige Arbeit und die Zahlung von 1.000 Euro. Der Richter erklärte dem Jugendlichen die Chance mit einem bekannten Bild: "Stellen Sie sich vor, das ist wie der Joker bei der Millionenshow." Damit bleibt dem 17-Jährigen eine Vorstrafe erspart. Der Maturaball wird ihm trotzdem länger in Erinnerung bleiben – auch wenn er sich an den Abend selbst kaum erinnern kann.