Wie "Heute" berichtete, schließt die Erste Bank ihre große Filiale am Keplerplatz in Favoriten. Nach aktueller Planung ist am 11. Dezember der letzte Öffnungstag. Für Aufsehen sorgte vor allem die Schilderung der 80-jährigen Kundin Alma S. (Name geändert).
Die Favoritnerin hatte nach eigenen Angaben in der Zentrale nach dem Grund für das Aus der Filiale gefragt. Dort sei ihr mitgeteilt worden, die Schließung erfolge aus Sicherheitsgründen. Man könne die Sicherheit vor Ort nicht mehr garantieren, berichtete sie gegenüber "Heute".
Die Erste Bank selbst nannte gegenüber "Heute" mehrere Faktoren für Standortentscheidungen: Kundenverkehr, umliegende Infrastruktur und allgemeine Änderungen im Kundenverhalten. Die Filiale am Keplerplatz wird allerdings bereits rund um die Uhr von Securities überwacht. Nachts ist auch der SB-Bereich geschlossen.
Jetzt schaltet sich die FPÖ in die Debatte ein. Favoritens FPÖ-Bezirksparteiobmann und Wiener Sicherheitssprecher Stefan Berger sowie Bezirksvorsteher-Stellvertreter Christian Schuch üben scharfe Kritik an der SPÖ.
"Wenn mitten in Favoriten eine Bankfiliale schließt und laut Medienbericht gegenüber einer langjährigen Kundin Sicherheitsgründe dafür ins Treffen geführt werden, ist das ein politisches Armutszeugnis für die rote Bezirksführung und die Stadt Wien", erklären Berger und Schuch.
Für Berger ist die Entwicklung ein weiteres Warnsignal für die Situation rund um den Keplerplatz. Er verweist auf Gewalt, Schlägereien und Drogendelikte und nimmt SPÖ-Bezirksvorsteher Marcus Franz sowie Bürgermeister Michael Ludwig in die Pflicht.
"Wenn nun sogar eine Bankfiliale mit Sicherheitsbedenken in Verbindung gebracht wird, müssen bei SPÖ-Bezirksvorsteher Marcus Franz und Bürgermeister Michael Ludwig endgültig alle Alarmglocken schrillen", so Berger.
Die Freiheitlichen wollen das Thema nun erneut in die Favoritner Bezirksvertretung bringen. Eine zentrale Forderung ist ein Alkoholverbot am Keplerplatz. Laut Schuch fordere die FPÖ dieses bereits seit Längerem, die SPÖ blockiere jedoch.
"Wir werden daher die untragbaren Zustände bei der nächsten Bezirksvertretungssitzung erneut aufs Tapet bringen. Die SPÖ wird Farbe bekennen müssen: Entweder sie setzt endlich konkrete Maßnahmen für mehr Sicherheit und Ordnung um, oder sie erklärt den Favoritnern, warum sie weiterhin tatenlos zusieht", sagt Schuch. Zusätzlich verlangen Berger und Schuch eine dauerhaft verstärkte Polizeipräsenz sowie ein konsequenteres Vorgehen gegen die Drogenszene am Keplerplatz.
Für Kunden der Bank ist das Aus der Filiale unterdessen beschlossene Sache. Besonders betroffen sind Besitzer von Bankschließfächern. Alma S. ist bereits seit 1962 Kundin und besitzt seit rund 20 Jahren einen Safe in der Filiale. Diesen muss sie laut Schreiben der Bank bis 13. November räumen.
Seit 1. Juli gibt es am Keplerplatz bereits keine Kassen mehr, Bargeldgeschäfte sind nur noch im SB-Bereich möglich. Kunden können künftig unter anderem auf die Erste-Bank-Filialen am Reumannplatz, Hauptbahnhof, Erste Campus und in Oberlaa ausweichen. Für Safe-Kunden ist die Situation schwieriger: Schließfächer bietet die Bank laut eigener Auskunft etwa in den Filialen Wieden und Margareten an.
Der Keplerplatz ist heuer zudem nicht der einzige Standort, den die Erste Bank aufgibt. Auch die Filialen in der Lassallestraße 34 in der Leopoldstadt und in der Frauenstiftgasse 10 in Floridsdorf sollen geschlossen werden.