Wolfgang Sobotka (ÖVP) ist seit knapp zwei Jahren nicht mehr Nationalratspräsident. Im Parlament wird der Niederösterreicher aber bald wieder einen fixen Platz bekommen. Künstler Erwin Wurm soll ein Porträt des früheren Präsidenten für die Galerie im Hohen Haus gestalten.
Dort werden die ehemaligen Ersten Nationalratspräsidenten mit Porträts verewigt. Auch Sobotka steht ein solches zu. Dafür gibt es einen finanziellen Rahmen von bis zu 30.000 Euro. Und Sobotka dürfte diesen voll ausschöpfen.
Brisant: Bei dem Werk soll es sich nicht um ein klassisches Gemälde handeln. Laut "Kurier" soll Wurm ein Foto von Sobotka anfertigen. Das Parlament bestätigte der "Kronen Zeitung" eine Verständigung über eine vertragliche Vereinbarung. Steuern und Transportkosten könnten demnach noch dazukommen. Innerhalb von drei Monaten soll das Werk hängen.
Dass ausgerechnet Erwin Wurm zum Zug kommt, hat eine Vorgeschichte. Sobotka wollte Werke des international bekannten Künstlers bereits während seiner Zeit als Nationalratspräsident prominent im Parlament platzieren.
Zunächst war eine Skulptur am Ring vorgesehen, die Pläne scheiterten jedoch am Widerstand der Stadt Wien. Auch ein weiterer geplanter Standort an der Rückseite des Parlaments in der Reichsratsstraße wurde nichts.
Kurz vor seinem Abschied ließ Sobotka schließlich zwei Wurm-Skulpturen für das Parlament anschaffen. Die Werke "Gate" und "Holding Up" wurden ausgerechnet an seinem vorletzten Arbeitstag geliefert und im Oberen Vestibül beim Eingang zur Säulenhalle aufgestellt.
Die Anschaffung sorgte für heftige Kritik. Die Präsidiale war mit dem Kauf nicht befasst worden. Der damalige Parlamentsdirektor Harald Dossi hatte Bedenken und musste sich schließlich einer Weisung Sobotkas fügen.
Sobotkas Nachfolger Walter Rosenkranz (FPÖ) ließ die Anschaffung schließlich prüfen. Im Juni 2025 wurde der Kauf auf Grundlage einer vereinbarten Rückkaufklausel rückabgewickelt. Die beiden Skulpturen gingen an Wurm zurück.
Sobotka reagierte damals verärgert und verteidigte die Werke als wichtigen Beitrag zeitgenössischer österreichischer Kunst im Parlament.
Es war nicht die erste Kunst-Debatte während Sobotkas Zeit an der Spitze des Nationalrats. Nach der Sanierung des Parlaments sorgte ein vergoldeter Bösendorfer-Flügel für heftige Diskussionen.
Das auffällige Instrument stand im Empfangssalon und kostete 3.000 Euro Miete pro Monat. Nach rund einem Jahr war Schluss, der Mietvertrag wurde nicht verlängert. Insgesamt fielen damit rund 36.000 Euro an Mietkosten an. Danach zog ein deutlich schlichterer schwarzer Bösendorfer ins Parlament ein. Sobotka räumte später selbst ein, die Situation rund um den goldenen Flügel falsch eingeschätzt zu haben.
Das goldene Klavier ist längst weg, die Wurm-Skulpturen sind es ebenfalls. Ein Werk des Künstlers dürfte nun aber doch dauerhaft im Parlament bleiben – mit Wolfgang Sobotka als Motiv.