Nach der heftigen Kritik von Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) an FPÖ-Chef Herbert Kickl lassen die Freiheitlichen die Aussagen nicht auf sich sitzen. FPÖ-Generalsekretär Michael Schnedlitz holt am Sonntag zum Gegenschlag aus und fordert den sofortigen Rücktritt des Regierungschefs.
Zur Erinnerung: Stocker hatte in einem Interview mit dem "Kurier" deutliche Worte für Kickl gefunden. Der FPÖ-Chef hätte nach der Nationalratswahl regieren können, habe sich aber dagegen entschieden. Statt Verantwortung zu übernehmen, sei er lieber in der Opposition geblieben. Zudem attestierte Stocker der FPÖ eine "Lust am Zerschlagen und eine Nähe zur Autokratie".
Diese Aussagen sorgen nun bei den Freiheitlichen für heftigen Ärger. Schnedlitz bezeichnet das Interview als "weinerlichen Hilfeschrei eines gescheiterten Kanzlers nach parlamentarischen Mehrheiten". Anstatt Verantwortung für die Probleme der Dreierkoalition zu übernehmen, flüchte sich Stocker in Selbstmitleid und Ausreden, so der FPÖ-General.
"Das Interview des Kanzlers war kein Interview mehr, sondern ein Gejammer und die Selbstanklage eines Mannes, dem die Schuhe des Kanzlers nicht nur eine Nummer, sondern gleich mehrere Nummern zu groß sind", poltert Schnedlitz in einer Aussendung.
Stocker sei gescheitert und müsse das endlich einsehen. Besonders scharf fällt der Vergleich mit Kickl aus: Der Kanzler könne dem FPÖ-Chef "weder hinsichtlich seines Formats noch hinsichtlich seiner Zustimmungswerte auch nur ansatzweise das Wasser reichen", behauptet Schnedlitz.
Für den FPÖ-Generalsekretär sei Stockers Scheitern bereits von Anfang an absehbar gewesen. Der ÖVP-Chef verfüge über keinen persönlichen Wählerauftrag und sei lediglich durch Absprachen der Regierungsparteien ins Kanzleramt gekommen, kritisiert Schnedlitz. "Er ist ein Kanzler ohne Wählerauftrag, in den Hinterzimmern der Systemparteien ins Amt gehievt, einzig mit dem Ziel, die ÖVP im Kanzleramt zu halten", schießt der Freiheitliche nach.
Auch Stockers Vorwurf einer Nähe der FPÖ zur Autokratie will Schnedlitz nicht gelten lassen. Stattdessen verweist er auf die Corona-Politik der ÖVP und wirft der Partei selbst ein fragwürdiges Demokratieverständnis vor.
"Mit Lügen und Unterstellungen können diverse ÖVP-Politiker ihrer Partei die Glaubwürdigkeit nicht zurückgeben", wettert Schnedlitz. Die FPÖ stehe seiner Darstellung nach für Demokratie, Neutralität und Meinungsfreiheit.
Schließlich legt der FPÖ-General noch einmal nach. Stocker sei bei der letzten Nationalratswahl nicht einmal als Spitzenkandidat der ÖVP angetreten. Zudem behauptet Schnedlitz, dass der Kanzler auch bei der nächsten Wahl nicht mehr für seine Partei ins Rennen geschickt werden könnte.
Für die Freiheitlichen gibt es daher nur eine Konsequenz: Stocker müsse zurücktreten und den Weg für Neuwahlen freimachen. "Stocker muss endlich die Realität anerkennen, sein totales Scheitern eingestehen und sofort zurücktreten", fordert Schnedlitz. Die Bevölkerung solle die Möglichkeit bekommen, erneut über die politische Zukunft des Landes abzustimmen. Ziel der FPÖ sei eine Regierung mit Herbert Kickl an der Spitze.