Schmerzensgeld, neue Schlösser

Mehr Hilfe für Gewaltopfer – Staat zahlt künftig mehr

Die Regierung erhöht die Entschädigung für Opfer schwerer Straftaten: bis 24.000 Euro Schmerzensgeld, mehr psychologische Hilfe, neue Finanz-Zuschüsse
02.11.2026, 05:45
Loading...
Angemeldet als Hier findest du deine letzten Kommentare
Alle Kommentare
Meine Kommentare
Sortieren nach:

Kommentare neu laden
Nach oben
Hör dir den Artikel an:
00:00 / 02:45
1X
BotTalk

Österreich baut die staatlichen Unterstützungsleistungen für Betroffene schwerer Gewaltverbrechen und deren Angehörige aus. Die Regierung bringt eine Novelle des Verbrechensopfergesetzes – es regelt Ansprüche von Personen, die Opfer einer Straftat wurden.

Das Sozial- und Gesundheitsministerium hat gemeinsam mit Opferhilfeorganisationen und anderen Experten Vorschläge zur Weiterentwicklung der bestehenden Hilfen erarbeitet. Auch Rückmeldungen aus dem Begutachtungsverfahren flossen ein.

"Heute" auf Google als bevorzugte Quelle festlegen

Geplant sind höhere Entschädigungen, mehr psychologische Hilfe und neue finanzielle Unterstützungen.

Bis 24.000 Euro Schmerzensgeld

Zentraler Bestandteil der Gesetzesnovelle ist die Verdopplung des Schmerzensgelds. Statt bisher maximal 12.000 Euro sollen Opfer schwerer Verbrechen künftig bis zu 24.000 Euro erhalten können. Je nach Schwere der gesundheitlichen Schäden sind vier Stufen mit 4.000, 8.000, 16.000 und 24.000 Euro vorgesehen. Die bisherigen Beträge waren seit 2013 unverändert.

Die staatliche Entschädigung können Menschen erhalten, die durch eine Straftat eine schwere körperliche oder psychische Gesundheitsschädigung erlitten haben. Sie ist unabhängig davon, ob der Täter bekannt ist oder selbst für den entstandenen Schaden aufkommen kann.

Minderjährige Opfer sexueller Gewalt sollen die niedrigste Entschädigungsstufe künftig auch ohne zusätzliches medizinisches Fachgutachten erhalten können.

Bestattungskosten, psychologische Hilfe

Nachgebessert wird auch bei Begräbniskosten. Angehörige sollen künftig bis zu 10.000 Euro ersetzt bekommen, doppelt so viel wie bisher. Die bisherige dreijährige Antragsfrist soll ganz wegfallen. Das soll sicherstellen, dass Angehörige auch lange nach dem Verlust eines geliebten Menschen noch Unterstützung beantragen können.

„Die Folgen einer Gewalttat enden nicht mit der Tat selbst. Unser Ziel ist, dass Menschen nach einer schweren Straftat nicht auch noch mit ihren Sorgen und Belastungen allein gelassen werden.“
Korinna Schumann Sozial- und Gesundheitsministerin (SPÖ)

Zudem wird die psychologische Hilfe ausgeweitet: Statt zehn sollen künftig bis zu 20 Kriseninterventionseinheiten finanziert werden. Auch klinisch-psychologische Behandlungen sollen übernommen werden können.

Bist du von Gewalt betroffen? Hier findest du Hilfe
Frauenhelpline (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 222 555
Männernotruf (rund um die Uhr, kostenlos): 0800 246 247
Rat auf Draht: 147
Autonome Frauenhäuser: 01/ 544 08 20
Polizei-Notruf: 133

Neue Schlösser, Reinigung

Neu sind außerdem weitere Zuschüsse für die Zeit nach einem Gewaltverbrechen. Für beschädigte Türen und Schlösser oder deren Austausch bei akuter Gefahr sind bis zu 800 Euro vorgesehen. Damit sollen Opfer schwerer Straftaten dabei unterstützt werden, sich in den eigenen vier Wänden wieder sicher fühlen zu können.

Für die professionelle Reinigung eines Tatorts in einer Privatwohnung oder einem privaten Auto sollen bis zu 5.000 Euro Zuschuss fließen.

"Sensible Erstinformation"

Sozialministerin Korinna Schumann (SPÖ) betont: "Die Folgen einer Gewalttat enden nicht mit der Tat selbst." Betroffene müssten sich darauf verlassen können, dass der Staat ihnen auch langfristig zur Seite steht: "Unser Ziel ist, dass Menschen nach einer schweren Straftat nicht auch noch mit ihren Sorgen und Belastungen allein gelassen werden."

„Menschen, die Opfer einer Straftat wurden, leiden oftmals an schweren körperlichen oder psychischen Folgen. Durch das neue Verbrechensopfergesetz wird die Unterstützung weiter ausgebaut und verbessert", erklärt Innenminister Gerhard Karner (ÖVP). Die Polizei werde weiterhin "die notwendige und rasche und oft auch sehr sensible Erstinformation von Opfern durchführen", so Karner.

sea, 02.11.2026, 05:45
Weitere Storys