Neue Personaloffensive bei Österreichs Polizei! Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) setzt auf ein Modell, das gleich zwei Probleme lösen soll: den hohen Personalbedarf in Wien und die langen Wartezeiten bei Versetzungen in die Bundesländer.
Mit der Initiative "Wien auf Zeit" können angehende Polizisten zunächst in der Bundeshauptstadt arbeiten und später garantiert in ihre Heimat zurückkehren.
Besonders interessant: Von der Neuregelung sollen auch jene rund 500 Wiener Polizisten profitieren, die bereits jetzt auf eine Versetzung in ein anderes Bundesland warten.
Wie das Innenministerium am Sonntag (18. Oktober) bekannt gab, richtet sich das Angebot an Bewerber, die die Voraussetzungen für den Polizeiberuf erfüllen.
Das Modell funktioniert so: Zunächst absolvieren die künftigen Beamten ihre zweijährige Grundausbildung. Anschließend sammeln sie drei Jahre lang praktische Erfahrung im Außendienst in Wien. Nach insgesamt fünf Jahren ist die Rückkehr ins Heimatbundesland vertraglich garantiert.
Die Teilnahme an "Wien auf Zeit" erfolgt freiwillig. Bewerber werden dabei für eine Landespolizeidirektion außerhalb Wiens aufgenommen, versehen aber vorübergehend Dienst in der Bundeshauptstadt.
"'Wien auf Zeit' für Wien stärkt die Wiener Polizei und mittelfristig auch die Polizei in ganz Österreich. Damit wird auch weiterhin in die Sicherheit der Bevölkerung investiert", erklärt Innenminister Gerhard Karner.
Wie die "Heute" erfuhr, ist das Interesse hoch: Es werden im Dezember jedenfalls Grundausbildungskurse mit hoch qualifizierten Bewerbern beginnen – zusätzlich zu den regulären Aufnahmen in mehreren Bundesländern.
Mehr als die Hälfte der derzeit 48 Polizisten, die seit September vorübergehend aus anderen Bundesländern nach Wien zugeteilt sind, wollen ihren Dienst freiwillig um weitere Monate verlängern. Das bestätige, die Attraktivität des Wien-Dienstes gerade für junge Polizisten, heißt es.
Die Initiative soll nicht nur neue Beamte nach Wien bringen, sondern auch bestehende Versetzungswartelisten verkürzen. Derzeit warten laut Innenministerium rund 500 Wiener Polizisten darauf, in ein anderes Bundesland wechseln zu können.
Hier greift eine zusätzliche Regelung: Für mindestens zehn Prozent der neu über "Wien auf Zeit" aufgenommenen Bediensteten sollen bestehende Versetzungswünsche erfüllt werden.
Ein Beispiel: Werden in einem Jahr 200 Personen über die Initiative aufgenommen, sollen mindestens 20 zusätzliche Polizisten von Wien in andere Bundesländer versetzt werden. Dadurch könnten sich die Wartezeiten für bereits im Dienst stehende Beamte verkürzen.
Die ersten Aufnahmen für "Wien auf Zeit" sind bereits für Dezember 2026 vorgesehen. Weitere Aufnahmetermine sind je nach Bedarf für März, Juni, September und Dezember 2027 sowie in den Folgejahren geplant.
Eine Bewerbung ist über die Jobbörse der Republik Österreich oder über polizeikarriere.at möglich. Wichtig: Die reguläre Aufnahme bei der Polizei in den einzelnen Bundesländern bleibt weiterhin bestehen. "Wien auf Zeit" ist ein zusätzliches Angebot.
Wer nach den fünf Jahren doch länger in der Bundeshauptstadt bleiben möchte, hat ebenfalls Möglichkeiten. Laut Innenministerium kann die Verwendung in Wien freiwillig um weitere zwei Jahre verlängert werden. Auch eine dauerhafte Versetzung nach Wien ist möglich, wenn sich die Beamten aus privaten oder beruflichen Gründen dafür entscheiden.
Das Ziel der Initiative: Kurzfristig soll die Wiener Polizei zusätzliche Unterstützung erhalten. Langfristig sollen auch die Bundesländer von Beamten profitieren, die bereits Einsatzerfahrung in einer Großstadt gesammelt haben.