Opferzahl könnte steigen

Nach Zug-Drama – Rätsel um menschliche Teilüberreste

69 Tote nach Zug-Drama in Spanien – doch die Opferzahl könnte noch steigen. Unterdessen laufen die Ermittlungen zur Unfallursache.
30.10.2026, 14:41
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Nach dem schweren Zugunglück in Spanien ist die Bergung der Opfer abgeschlossen. Doch endgültige Gewissheit über die Zahl der Todesopfer gibt es noch nicht. Zwei Tage nach dem Zusammenstoß nahe Urda, rund 130 Kilometer südlich von Madrid, liegen den Behörden 69 vollständig geborgene Leichen vor. Zusätzlich wurden allerdings auch zahlreiche menschliche Teilüberreste gefunden, die noch zugeordnet werden müssen.

Emiliano García-Page, Regierungschef der Region Kastilien-La Mancha, warnte deshalb am Freitag vor einer möglichen Erhöhung der Opferzahl. Die Identifizierung der Überreste sei äußerst schwierig. Weitere Todesopfer könnten daher nicht ausgeschlossen werden.

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13 Opfer identifiziert

Die Tragödie betrifft Menschen aus insgesamt 27 verschiedenen Ländern. Wie Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez erklärte, bemühe sich die Regierung gemeinsam mit den zuständigen Konsulaten darum, die Betroffenen so rasch wie möglich zu verständigen.

In Toledo versuchen Gerichtsmediziner, die Identität der Verstorbenen festzustellen. Bislang wurden 48 Autopsien durchgeführt, 13 Opfer konnten bereits identifiziert werden. Ihre Angehörigen wurden nach Angaben der Behörden informiert.

Um die noch offenen Fälle schneller klären zu können, ersuchten die Behörden die Familien vermisster Personen um DNA-Proben.

Erinnerungen an Unglück im Jänner

Während die Identifizierung der Opfer weitergeht, suchen die Ermittler nach der Ursache des Unglücks. Der Zusammenstoß am Mittwoch ist bereits das zweite schwere Zugunglück in Spanien innerhalb von neun Monaten. Bei einem Unfall im andalusischen Adamuz waren im Jänner 46 Menschen gestorben.

Nahe Urda war ein Zug der staatlichen Bahngesellschaft Renfe auf einen Zug des privaten Anbieters Iryo aufgefahren, der auf den Gleisen stand. Beide Züge waren im Hochgeschwindigkeitsverkehr unterwegs.

Fahrdatenschreiber geborgen

Einen wichtigen Ansatz für die Ermittlungen liefern nun die Fahrdatenschreiber. Die Geräte wurden geborgen und der Guardia Civil übergeben. Die unabhängige Unfalluntersuchungsbehörde AITAT kündigte an, dass die Daten in den kommenden Tagen ausgewertet werden sollen.

Nach einer ersten Einschätzung dürfte die Kollision bei einer Geschwindigkeit von 160 bis 200 km/h erfolgt sein. Eine genaue Bestimmung ist laut der Behörde allerdings erst nach der Analyse der Aufzeichnungen möglich. Die Untersuchung stehe noch am Anfang.

Funk-Mitschnitte belasten Leitstellen-Mitarbeiter

Die Ermittler beschäftigen sich insbesondere mit dem Ausfall des älteren Zugsicherungssystems LZB. Außerdem wird geprüft, ob es in der Bahnleitstelle in Madrid zu möglichen Fehlentscheidungen kam.

Medien veröffentlichten Mitschnitte des Funkverkehrs, die darauf hindeuten, dass ein Mitarbeiter der Leitstelle dem Lokführer des Renfe-Zuges die Wiederaufnahme des regulären Betriebs mitgeteilt haben könnte. Zu diesem Zeitpunkt soll das automatische Sicherungssystem noch nicht wieder funktioniert haben. Gleichzeitig befand sich der Iryo-Zug weiterhin auf der Strecke.

Der betreffende Mitarbeiter hat sich bislang nicht zu den Vorwürfen geäußert. Laut dem spanischen Fernsehsender RTVE, der sich auf das Verkehrsministerium berief, machte er von seinem Recht Gebrauch, bei der Guardia Civil zunächst keine Aussage zu machen.

red, 30.10.2026, 14:41