Statt glänzender Luxus-Auslagen sind am Berliner Kurfürstendamm plötzlich Holzplatten zu sehen! Aus Sorge vor möglichen Ausschreitungen bei den angekündigten "Gen Z regelt"-Protesten am Samstag (31. Oktober) sichern mehrere Nobelgeschäfte ihre Schaufenster.
Bei Gucci, Balenciaga und anderen Luxusadressen prägen Handwerker, Werkzeuge und Pressspanplatten das Straßenbild. Bereits am Freitag wird vielerorts gehämmert und geschraubt.
Die großen Glasfronten werden mit sogenannten OSB-Platten geschützt, einige Holzverkleidungen sogar dunkel gestrichen. Manche Geschäfte wollen vorsorglich früher schließen, andere haben Polizeischutz bekommen.
Am berühmten Berliner Ku'damm bietet sich ein ungewohntes Bild. Wo normalerweise teure Handtaschen, Schmuck und Luxusuhren präsentiert werden, stehen teilweise meterhohe Holzverkleidungen.
Unter anderem schützen Tiffany & Co. und der Schweizer Luxusjuwelier Chopard ihre Schaufenster. Auch vor weiteren Nobelboutiquen wird gearbeitet. Bilder zeigen entsprechende Vorbereitungen bei Gucci und Balenciaga.
Chopard schließt bereits am Freitag um 14 Uhr und bleibt am Samstag komplett zu. Auch andere Unternehmen ändern ihre Öffnungszeiten: Die Huawei-Filiale kündigte etwa an, am Samstag schon um 13 Uhr zu schließen.
Die Sorge der Händler gilt möglichen Sachbeschädigungen, Krawallen oder Plünderungen im Umfeld der Proteste.
Hintergrund sind die für Samstag geplanten Demonstrationen der Initiative "Gen Z regelt". Bundesweit sind Proteste in zahlreichen deutschen Städten angekündigt. Die Bewegung fordert unter anderem mehr Klimaschutz, bezahlbare Lebenshaltungskosten, bessere Bedingungen für junge Menschen und ein Ende der Wehrpflicht.
Allein für eine Kundgebung am Berliner Brandenburger Tor um 14 Uhr sind rund 10.000 Teilnehmer angemeldet. Eine weitere Demonstration soll um 17.30 Uhr am Rosenthaler Platz stattfinden. Dort werden zunächst 400 bis 500 Menschen erwartet, möglicherweise auch mehr.
Die Nervosität hat auch mit den Erfahrungen aus anderen europäischen Ländern zu tun. Bei Protesten in Frankreich und weiteren Staaten kam es in der Vergangenheit zu gewaltsamen Ausschreitungen.
In Berlin fällt der angekündigte Protesttag zudem auf Halloween. Die Polizei sieht in dieser Kombination ein mögliches Konfliktpotenzial.
Für den Einzelhandel ist das offenbar Grund genug, auf Nummer sicher zu gehen. Einige Unternehmen wollen das Risiko für Mitarbeiter und Geschäfte durch zusätzliche Schutzmaßnahmen verringern.
Wichtig ist allerdings: Die Organisatoren von "Gen Z regelt" rufen nicht zu Krawallen oder Plünderungen auf – im Gegenteil. Auf ihrer offiziellen Internetseite beziehen sie ausdrücklich Stellung: "Unser Protest ist friedlich, ohne Ausnahme."
Weiter erklären die Initiatoren, dass Gewalt gegen Menschen und Sachen ihren Grundsätzen widerspreche. Extremismus, Rassismus und Hetze hätten bei den Demonstrationen keinen Platz. Die Bewegung versteht ihre Aktionen als friedlichen Protest für politische und gesellschaftliche Veränderungen.
Auch die Berliner Polizei sieht derzeit keinen konkreten Anlass, von organisierten Plünderungen auszugehen. Den Behörden liegen nach eigenen Angaben keine Erkenntnisse über gezielte Gewaltaufrufe oder entsprechende Pläne vor.
Bei der großen Demonstration am Brandenburger Tor erwartet die Polizei einen friedlichen Verlauf. Etwas kritischer beurteilt sie die zweite Kundgebung am Rosenthaler Platz. Der Einzelhandelsverband Berlin-Brandenburg hält es ebenfalls nicht für notwendig, seinen Mitgliedern generell zum Verbarrikadieren ihrer Geschäfte zu raten.
Geschäftsführer Nils Busch-Petersen verweist darauf, dass die Sicherheitsbehörden keine Hinweise auf organisierte Plünderungen hätten.
Trotz dieser Einschätzungen treffen mehrere Luxusgeschäfte ihre eigenen Vorsichtsmaßnahmen. Am Freitag werden deshalb weiter Holzplatten zugeschnitten, vor Schaufenstern montiert und teilweise gestrichen. Einige Geschäfte setzen zusätzlich auf verkürzte Öffnungszeiten.
Ob es bei den Demonstrationen tatsächlich zu Ausschreitungen kommt, ist völlig offen. Die Bilder vom Berliner Kurfürstendamm zeigen aber schon jetzt, wie groß die Sorge mancher Händler vor dem Protest-Samstag ist.