Während im Gerichtssaal schwere Vorwürfe verhandelt werden, greift er immer wieder zum Stift. Seit Beginn des Prozesses sitzt Marius Borg Høiby (29) im Saal 250 des Osloer Amtsgerichts und zeichnet. Ununterbrochen. Selbst dann, wenn er gerade vom Staatsanwalt befragt wird. Beobachter fragen sich seit Wochen, was der Angeklagte da eigentlich zu Papier bringt.
Seine Anwälte haben dafür eine Erklärung. "Er zeichnet, weil er sich dann besser konzentrieren kann", heißt es aus dem Verteidigerteam. Anwältin Ellen Holager Andenæs betont: "Das bedeutet keinesfalls, dass er an dem, was um ihn herum passiert, nicht interessiert ist. Zeichnen ist seine Art, sich zu konzentrieren. Und ich finde, dass er sehr gut zeichnen kann."
Zwei der Skizzen, die im Gerichtssaal entstanden sein sollen, wurden nun fotografiert. Der norwegische Sender "TV 2 Norway" veröffentlichte die Bilder. Sie zeigen offenbar Motive, die stark an Tattoo-Entwürfe erinnern. Passend dazu, dass Høiby selbst bereits zahlreiche Tätowierungen trägt.
Auf einem der Blätter ist ein schwarzer Panther zu sehen, der mit einer Schlange kämpft und von Stacheldraht umgeben ist. Ein anderes Bild zeigt einen Tigerkopf, umrahmt von Sternen, Blumen, Flammen und weiteren klassischen Tattoo-Symbolen.
Besonders auffällig ist jedoch ein Detail links über dem Tigerkopf: Dort hat Høiby eine nackte Frau skizziert. Sie trägt Blumen im Haar und erinnert an klassische Darstellungen von Eva im Paradies. Unter der Figur steht die Abkürzung "FTP" – kurz für "Fuck the Police". Weitere Kürzel wurden von den Anwälten unkenntlich gemacht.
Brisant wirkt die Zeichnung auch deshalb, weil Høiby im Prozess unter anderem vorgeworfen wird, Frauen ohne ihr Wissen fotografiert zu haben, während sie schliefen.
Neben der Figur ist außerdem der Schriftzug "Trist som Faen" zu lesen. Wörtlich übersetzt bedeutet das "Traurig wie der Teufel". So heißt auch ein Buch, das Ari Behn (†47), der verstorbene Ex-Mann von Prinzessin Märtha Louise, 1999 veröffentlichte. Behn nahm sich Weihnachten 2019 das Leben.
Es ist bekannt, dass Høiby zu Behn eine enge Beziehung hatte und der Verlust ihn stark getroffen haben soll.