Es klingt ungewöhnlich, könnte aber vielen Menschen helfen: Ein Stoff aus dem Sekret der Colorado-Kröte zeigt vielversprechende Wirkung gegen hartnäckige Depressionen. Der Wirkstoff Mebufotenin, auch 5-MeO-DMT genannt, wurde für die Studie synthetisch hergestellt und als Nasenspray verabreicht.
Forscher des Biotechnologieunternehmens AtaiBeckley haben in einer Phase-2b-Studie untersucht, ob ein einmaliger Sprühstoß die Beschwerden lindern kann. 196 Erwachsene nahmen an der randomisierten Studie teil, die an 38 Standorten in Australien, Europa und den USA durchgeführt wurde.
Wie scinexx.de berichtet, litten alle Teilnehmer an mittelschweren bis schweren Depressionen und hatten auf zwei bis fünf Behandlungsversuche mit herkömmlichen Antidepressiva nicht ausreichend angesprochen.
Die Ergebnisse sind beeindruckend: Am 29. Tag nach der Behandlung zeigten 35 Prozent der Patienten, die acht Milligramm erhielten, eine deutliche Besserung. Bei einer Remission, also einer weitgehenden Rückbildung der Symptome, waren es 26 Prozent. In der Vergleichsgruppe mit einer Minimaldosis lagen diese Werte nur bei zwölf bzw. acht Prozent.
Der untersuchte Wirkstoff kommt prinzipiell im giftigen Hautsekret der Colorado-Kröte vor. Allerdings muss für das Medikament keine einzige Kröte ausgepresst werden, denn der Wirkstoff lässt sich synthetisch herstellen.
Von der Kröte selbst wäre die Entnahme der Substanz nämlich höchst problematisch:
Für die kommerzielle Gewinnung werden die Tiere häufig eingefangen und durch Manipulation ihrer Drüsen zur Sekretabgabe gebracht. Daraus ergeben sich mehrere Tierschutzprobleme:
Stress und Angst: Das Einfangen, Festhalten und Manipulieren bedeutet für ein Wildtier eine erhebliche Belastung.
Verletzungsrisiko: Unsachgemäßer Druck auf die Drüsen kann Gewebe schädigen.
Beeinträchtigte Abwehr: Nach der Entnahme steht möglicherweise vorübergehend weniger Sekret zur Verteidigung zur Verfügung.
Störung des natürlichen Verhaltens: Besonders während der kurzen Fortpflanzungszeit können menschliche Eingriffe problematisch sein.
Wildtierhandel: Die Nachfrage kann das Sammeln, den Transport und die nicht artgerechte Haltung der Tiere begünstigen.
Die Wirkung setzte bereits zwei Tage nach der Behandlung ein und hielt bis zum Ende der achtwöchigen Nachbeobachtung an. Ein weiterer Vorteil: 85 Prozent der Patienten mit der Acht-Milligramm-Dosis waren innerhalb von nur zwei Stunden wieder entlassungsbereit.
Nebenwirkungen traten zwar bei etwa drei Viertel der Patienten auf, waren aber fast ausnahmslos leicht oder mittelschwer. Dazu zählten vor allem Kopfschmerzen, Übelkeit und Beschwerden an der Nase.
"Wenn es heute eine Behandlung mit diesem Profil gäbe, wäre sie sofort meine erste Wahl bei therapieresistenten Depressionen", erklärte Dr. David Feifel vom Kadima Neuropsychiatry Institute. Größere Phase-3-Studien sollen nun zeigen, wie verlässlich und sicher die Wirkung ist und für welche Patienten sie infrage kommt.