Es ist ein Moment, der selbst nach fast drei Jahrzehnten unter die Haut geht.
Für eine neue ORF-Dokumentation über das Schicksal von Natascha Kampusch betritt ihre Schwester Claudia Nestelberger gemeinsam mit Journalist Christoph Feurstein einen Ort, der für die Familie voller Erinnerungen ist: das Haus, in dem Kampusch jahrelang gefangen gehalten wurde.
Beim Durchsehen alter Gegenstände stoßen sie plötzlich auf ein Kleidungsstück: Jenes Kleid, das Natascha am 2. März 1998 trug, als sie auf dem Weg zur Schule verschwand.
Nestelberger hält das Kleid vorsichtig in den Händen. Ein Moment, der in der Dokumentation erstmals festgehalten wird.
Für die Familie ist das Kleid weit mehr als nur ein Stück Stoff. Es ist ein greifbares Relikt jenes Morgens, der ihr Leben für immer verändert hat.
1998 wurde die damals Zehnjährige auf dem Schulweg entführt und von Wolfgang Priklopil achteinhalb Jahre lang gefangen gehalten. Erst 2006 gelang ihr die spektakuläre Flucht.
Das Kleid erinnert an den letzten Moment eines normalen Alltags. Kurz danach sollte sich das komplette Leben der Familie auf den Kopf stellen.
Die Familie hat zuletzt auch den schweren gesundheitlichen Rückschlag der heute 38-Jährigen öffentlich gemacht. Nestelberger kümmert sich inzwischen weitgehend um die Angelegenheiten ihrer Schwester.
Ihre Worte sind eindringlich: "Jeder weiß, wie Natascha früher vor der Kamera gesprochen hat. Das gibt es jetzt überhaupt nicht mehr. Sie ist meist in einer eigenen Welt. Sie ist wieder in einer Art Gefangenschaft. Es ist herzzerreißend und wir fühlen uns hilflos."
Die ORF-Dokumentation "Natascha Kampusch – Gefangen in Freiheit" blickt auf die Ereignisse seit ihrem Verschwinden zurück. Ausgestrahlt wird das "Thema Spezial" am 16. März um 20.15 Uhr in ORF 2. Danach folgt eine Diskussionsrunde mit Lou Lorenz‑Dittlbacher.
Seit 1998 beschäftigt der Fall Österreich und wurde mehrfach untersucht, zuletzt sogar unter Beteiligung des deutschen Bundeskriminalamts und des FBI.
Das Ergebnis blieb immer gleich: Kampusch sagt die Wahrheit.
Dennoch wurde Natasche immer wieder kritisiert und der Lüge beschuldigt. Teilweise bis heute.