"Positive Signale"

Nationalbank überrascht jetzt mit neuer Prognose alle

Die Oesterreichische Nationalbank sieht bessere Aussichten für Österreichs Wirtschaft. 2026 soll das BIP um 0,5 % wachsen, die Inflation bei 3 %.
André Wilding
11.09.2026, 11:00
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Die Oesterreichische Nationalbank (OeNB) präsentiert ihre aktuelle Interimsprognose für die österreichische Wirtschaft für die Jahre 2026 bis 2028: Trotz des Kriegs im Nahen und Mittleren Osten und der Dürre in diesem Sommer haben sich die Konjunkturaussichten für das zweite Halbjahr 2026 verbessert. Für die Jahre 2026 bis 2028 erwarten die Ökonom:innen der Nationalbank ein BIP-Wachstum von 0,5 %, 1,3 % und 1,2 %. Die Inflationsprognose liegt nun bei 3 % für 2026. 2027 sinkt die prognostizierte Inflation auf 2,3 % und 2028 auf 2,2 %.

Verbesserte Wachstumsaussichten

Die Wachstumsprognose für 2026 liegt auf einem ähnlichen Niveau wie im Juni prognostiziert. Grund für die leichte Abwärtsrevision (-0,1 Prozentpunkte) im Vergleich zur Juni-Prognose ist die inzwischen schwächer ausgewiesene Wirtschaftsentwicklung in der ersten Jahreshälfte 2026. Für das zweite Halbjahr sind die Aussichten hingegen besser: Der Welthandel entwickelte sich stärker als erwartet, wovon auch die österreichische Exportwirtschaft profitieren dürfte.

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Gleichzeitig haben sich Auftragslage und Stimmung in der heimischen Industrie verbessert. Der OeNB-Konjunkturindikator signalisiert für das dritte und vierte Quartal 2026 eine leichte Belebung der heimischen Wirtschaft. Die verbesserten Konjunkturaussichten ab dem zweiten Halbjahr werden vor allem im kommenden Jahr sichtbar: Für 2027 hebt die OeNB ihre Wachstumsprognose gegenüber Juni um 0,2 Prozentpunkte auf 1,3 % an.

"Trotz der Verwerfungen durch den Krieg im Nahen und Mittleren Osten haben sich die Auftragslage und die Stimmung in der österreichischen Industrie seit Juni verbessert. Die Dürre in diesem Sommer hat große Schäden hinterlassen, die Auswirkungen dürften das gesamtwirtschaftliche Wachstum im Jahr 2026 um 0,1 Prozentpunkte dämpfen. In Summe überwiegen damit auch angesichts der schwierigen Rahmenbedingungen die positiven Signale für die österreichische Wirtschaftsentwicklung", so OeNB-Gouverneur Martin Kocher. Für das Jahr 2028 bleibt die BIP-Prognose unverändert bei 1,2 %. Auch für den Arbeitsmarkt gibt es vorsichtig positive Nachrichten: Die erwartete Arbeitslosenquote gemäß AMS dürfte 2026 bei 7,5 % liegen und in den beiden Folgejahren auf 7,3 % bzw. auf 7,1 % sinken.

HVPI-Inflation über gesamten Prognosezeitraum

Die OeNB erwartet für 2026 eine Inflation in der Höhe von 3,0 %, die 2027 auf 2,3 % und 2028 auf 2,2 % zurückgehen dürfte. Maßgeblich dafür ist insbesondere die Abschwächung der Effekte des Energiepreisschocks in Folge des Krieges im Nahen und Mittleren Osten ab dem zweiten Quartal 2027 – durch Auslaufen des Basiseffekts – wodurch die Energieinflation von 6,5 % im Jahr 2026 auf 1,0 % im Jahr 2027 sinken dürfte. "Der Inflationsabstand Österreichs zum Euroraum verringert sich unserer Prognose zufolge deutlich. Während die österreichische Inflation 2025 nach dem Ende der Strompreisbremse noch um 1,4 Prozentpunkte über dem Euroraum-Durchschnitt lag, betrug der Abstand in den ersten acht Monaten 2026 durchschnittlich nur noch 0,3 Prozentpunkte. Damit liegt er unter dem langjährigen Durchschnitt vor der Corona-Pandemie. Für die kommenden Jahre erwarten wir laut Prognose, dass sich die heimische Inflation weitgehend im Gleichklang mit jener des Euroraums entwickeln wird. Angesichts der weiterhin bestehenden Risiken ist bei der Inflationsentwicklung und deren nationalen Treibern aber immer noch Wachsamkeit geboten", so Kocher.

Gouverneur Martin Kocher (Oesterreichische Nationalbank)
APA-Images / SEPA.Media / Michael Indra

Die Nahrungsmittelinflation bleibt trotz der Dürre in diesem Sommer vorerst niedrig. Dazu hat auch die im Juli 2026 eingeführte Mehrwertsteuersenkung auf ausgewählte Nahrungsmittel einen messbaren Beitrag geleistet, die laut OeNB-Analysen seit Beginn und auch weiterhin nahezu vollständig an die Konsument:innen weitergegeben wird. Zwar dürfte die Dürre bei einzelnen Produkten zusätzlichen Preisdruck verursachen, der inflationsdämpfende Effekt der Steuermaßnahme überwiegt jedoch zunächst noch.

Geopolitische Risiken

Um die erhöhte Unsicherheit im Zusammenhang mit dem Konflikt im Nahen und Mittleren Osten abzubilden, wurde die Prognose durch alternative Szenarien ergänzt. Dabei wurden die Auswirkungen unterschiedlich starker Schocks bei Energie-, Rohstoff- und Nahrungsmittelpreisen auf Inflation und Konjunktur bis Ende 2028 berechnet. Im ungünstigsten Szenario liegen die Erdölpreise um 75 %, die Gaspreise um 100 % und die Nahrungsmittelpreise um 20 % über dem Basisszenario.

Selbst in diesem Fall würde die österreichische Wirtschaft nicht in eine Rezession rutschen, aber das BIP-Wachstum 2027 würde noch bei 0,3 % liegen. Die Inflation würde hingegen auf 5,6 % ansteigen. Im günstigsten berechneten Szenario liegen die unterstellten Erdölpreise im Mittel um 15 % und die Gaspreise um 20 % niedriger als im Hauptszenario der Prognose angenommen. In diesem Szenario fällt die Inflation 2027 mit 1,7 % um 0,6 Prozentpunkte niedriger aus und das BIP-Wachstum würde um 0,1 Prozentpunkte höher liegen.

Hinweis

Pro Jahr veröffentlicht die OeNB vier Prognosen: Jeweils im Juni und Dezember erstellt die OeNB detaillierte gesamtwirtschaftliche Prognosen, jeweils im März und September Interimsprognosen, die im Wesentlichen ein technisches Update darstellen. Im März, Juni und September werden neben dem aktuellen Jahr die kommenden zwei Jahre prognostiziert. Im Dezember wird ein zusätzliches Jahr prognostiziert. Die gesamtwirtschaftliche und die Interimsprognose unterscheiden sich im Umfang der prognostizierten Kennziffern.

wil,Akt. 11.09.2026, 11:08, 11.09.2026, 11:00