Neue IHS-Prognose

Wirtschaft wächst wieder – aber nur im Schneckentempo

Das IHS sieht Österreich nach zwei Jahren Rezession wieder auf Wachstumskurs. Einen kräftigen Aufschwung erwarten die Experten allerdings nicht.
Team Wirtschaft
17.07.2026, 06:07
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Österreichs Wirtschaft dürfte die Rezession hinter sich gelassen haben. Nach zwei schwierigen Jahren erwartet das Institut für Höhere Studien (IHS) zwar wieder ein Plus bei der Wirtschaftsleistung, von einem Boom kann aber keine Rede sein.

In seiner neuen Mittelfristprognose spricht das IHS selbst von einem "verhaltenen Wachstum". Zwischen 2026 und 2030 soll das Bruttoinlandsprodukt (BIP) demnach im Schnitt lediglich um 1,0 Prozent pro Jahr zulegen.

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Für 2027 rechnen die Wiener Wirtschaftsforscher mit einem Wachstum von 1,0 Prozent, 2028 sollen es 1,2 Prozent sein. Danach flacht das Tempo wieder leicht ab – auf 1,1 Prozent im Jahr 2029 und 1,0 Prozent 2030. Österreich würde damit etwa im Gleichschritt mit dem Euroraum wachsen, bleibt aber deutlich unter den Wachstumsraten früherer Aufschwungphasen.

Exporte sollen die Wirtschaft stützen

Getragen werden soll das moderate Wachstum vor allem von Exporten. Nachdem Österreich zuletzt Marktanteile eingebüßt hatte, erwartet das IHS wieder steigende Ausfuhren. Bis 2030 sollen die Exporte um je 2,0 Prozent pro Jahr wachsen, die Warenexporte um 1,9 Prozent. Auch neue Handelsabkommen der Europäischen Union könnten den Außenhandel ankurbeln.

Gleichzeitig weist das IHS auf Schwächen hin. Vor allem bei Maschinen und Fahrzeugen hat Österreich seit 2022 Marktanteile verloren – unter anderem wegen der zunehmenden Konkurrenz aus China. Von einer Abkopplung vom Welthandel könne dennoch keine Rede sein.

Bau und Konsum erholen sich langsam

Auch die Bauwirtschaft dürfte ihre langjährige Krise langsam überwinden. Die Bauinvestitionen sollen bis 2030 im Schnitt um 0,3 Prozent pro Jahr zulegen. Insgesamt erwartet das IHS ein Plus der Bruttoanlageinvestitionen von 1,1 Prozent jährlich, bei den Ausrüstungsinvestitionen sogar von 1,7 Prozent.

Für private Haushalte gibt es ebenfalls vorsichtig positive Signale. Nach einer Inflationsrate von 3,0 Prozent heuer soll die Teuerung 2027 auf 2,3 Prozent sinken und ab 2028 wieder bei 2,0 Prozent liegen – dem Ziel der Europäischen Zentralbank. Dadurch dürften die Realeinkommen wieder steigen. Der private Konsum soll bis 2030 im Schnitt um 0,7 Prozent pro Jahr wachsen, während die Sparquote von 9,9 auf 9,3 Prozent zurückgeht.

Zahl der Arbeitslosen sollte langsam wieder sinken

Auch am Arbeitsmarkt rechnen die Experten mit einer schrittweisen Verbesserung. Die Arbeitslosenquote soll von 7,5 Prozent heuer auf 6,4 Prozent im Jahr 2030 sinken. Gleichzeitig dürfte die Zahl der Arbeitslosen von rund 323.000 auf etwa 278.000 zurückgehen. Allerdings warnt das IHS, dass der demografische Wandel den Fachkräftemangel weiter verschärfen wird.

Budget bleibt die größte Baustelle

Deutlich kritischer fällt die Einschätzung der Staatsfinanzen aus. Trotz erwarteter Konjunkturerholung dürfte das Budgetdefizit laut IHS von heuer 4,0 Prozent des BIP bis 2030 nur auf 3,5 Prozent sinken. Damit würde Österreich die Maastricht-Grenze von 3 Prozent weiter verfehlen. Zusätzliche Reformen – insbesondere bei Pensionen sowie im Gesundheits- und Pflegebereich – seien notwendig, um die öffentlichen Finanzen nachhaltig zu stabilisieren.

Auch die Staatsschulden steigen weiter. Die Schuldenquote soll laut Prognose von 81,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts im Jahr 2025 auf 87,5 Prozent bis 2030 anwachsen.

Viele Unsicherheiten

Die Prognose steht allerdings unter wichtigen Annahmen. Das IHS geht in seinem Basisszenario davon aus, dass es im Nahen Osten zu keiner neuerlichen Eskalation kommt. Ein neuer Energiepreisschock, verschärfte Handelskonflikte oder eine schwächere Weltwirtschaft könnten das ohnehin nur verhaltene Wachstum deutlich bremsen. Als Chance sehen die Wirtschaftsforscher hingegen einen Produktivitätsschub durch Künstliche Intelligenz.

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