Erstmals seit Beginn des Ukraine-Krieges vor vier Jahren haben NATO-Kampfjets am Montag über dem lettischen Luftraum eine Drohne abgeschossen.
Die Behörden hatten gegen 9.20 Uhr eine Warnung auf die Handys der Bewohner der Region im Osten des Landes ausgeschickt. Kurz darauf stiegen französische NATO-Kampfjets auf und schossen das unbemannte Luftfahrzeug ab.
Mehrere Zeugen posteten Videos des Kampfjet-Einsatzes am helllichten Tag. Auf einem ist sogar der Abschuss der Rakete samt Explosion neben der Drohne zu erkennen. Laut den lettischen Streitkräften handelte es sich um ein ausländisches unbemanntes Luftfahrzeug, das aus Russland in den lettischen Luftraum eingedrungen war.
Es ist erst der zweite Abschuss einer Drohne über einem baltischen Staat, nach einem Vorfall am 19. Mai in Estland, als rumänische Jets einschritten.
Die Streitkräfte erklärten, das Fluggerät sei durch russische Störmaßnahmen vom Kurs abgekommen und nach Lettland gelangt. Die Drohne wurde von französischen Rafale-Kampfjets abgeschossen. Um 10.30 Uhr meldeten die Streitkräfte Entwarnung.
Frankreich beteiligt sich derzeit an der NATO-Mission "Baltic Air Policing". Seit April sind vier Rafale-Kampfjets auf dem Luftwaffenstützpunkt Siauliai in Litauen stationiert und sichern gemeinsam mit Verbündeten den Luftraum über dem Baltikum.
Augenzeugen zufolge ereignete sich der Abschuss zwischen Rezekne und Karsava in der Gemeinde Nautreni im Osten Lettlands. Über der Region waren demnach Kampfjets zu hören, kurz darauf war die Drohne nicht mehr zu sehen.
Der Vorfall erinnert an ähnliche Zwischenfälle in der Region. Bereits im März waren Drohnen aus dem russischen Luftraum nach Estland und Lettland geraten. Experten führen solche Kursabweichungen häufig auf elektronische Störmaßnahmen zurück, die die Navigation der Fluggeräte beeinträchtigen können.
Der Vorfall zeigt, wie angespannt die Sicherheitslage an der NATO-Ostflanke bleibt. Schon ein einzelnes Flugobjekt kann binnen Minuten einen Militäreinsatz auslösen.