Noch bevor in Sölden die ersten Weltcup-Punkte vergeben werden, gibt es im Ski-Zirkus mächtig Ärger: Eine neue Regel des Weltverbands FIS sorgt bei Athleten und Ausrüstern für Unmut. Künftig dürfen Rennski ein bestimmtes Gewicht nicht mehr überschreiten. Die FIS verspricht sich davon mehr Sicherheit – doch genau daran gibt es erhebliche Zweifel.
Besonders US-Speed-Star Breezy Johnson ist sauer. Die 30-jährige Abfahrts-Weltmeisterin und Olympiasiegerin kritisiert die neuen Vorgaben, weil sie aus ihrer Sicht die Stabilität der Ski beeinträchtigen könnten.
Johnson bringt nach eigenen Angaben mehr als 80 Kilogramm auf die Waage. Gerade bei hohen Geschwindigkeiten und unruhigen Pistenverhältnissen sei sie deshalb auf schwereres Material angewiesen – doch damit muss künftig Schluss sein.
Denn die FIS hat erstmals eine Gewichtsobergrenze für Rennski eingeführt: In der Abfahrt dürfen die Ski der Männer inklusive Bindung und Bindungsplatte nur noch maximal 10,6 Kilogramm wiegen, bei den Frauen sind es 10,4 Kilogramm. Im Riesentorlauf liegt die Grenze bei 10,2 Kilogramm für Männer und 9,8 Kilogramm für Frauen.
Während Hersteller wie Stöckli, Head und Rossignol bereits innerhalb der neuen Limits liegen, müssen Atomic und Salomon bei einigen Modellen nachbessern.
Auch unter den Materialexperten wächst die Skepsis. Rossignol-Rennchef Stéphane Mougin bezweifelt, dass die neue Vorschrift tatsächlich für weniger Verletzungen sorgen wird.
"Ich bin nicht davon überzeugt, dass sich diese Reglementierung positiv auf die Sicherheit in unserem Sport auswirken wird. Es gibt derzeit keine Studien, die das belegen", erklärt er gegenüber "Blick".
Entscheidend sei nicht allein das Gesamtgewicht, sondern vor allem dessen Verteilung innerhalb des Skis. "Wenn der grösste Teil des Gewichts direkt unter den Füssen ist, kann das zur gewünschten Stabilität führen. Problematischer ist es, wenn die grösste Last an der Skispitze und hinten ist", schildert Mougin.
Besonders brisant: Die aktuelle Gewichtsbegrenzung könnte erst der Anfang sein. Laut Atomic-Rennchef Christian Höflehner plant der Weltverband bereits weitere Verschärfungen. "Die FIS möchte ja das Gewicht der Ski in Zukunft noch mehr senken", verrät der Österreicher.
Für ihn kommt dieser Schritt allerdings zu früh. Bislang gebe es keine belastbaren Beweise dafür, dass leichtere Ski tatsächlich das Verletzungsrisiko reduzieren.
"Es darf aber nicht sein, dass wir eine derart aufwendige und entsprechend teure Aktion durchführen und reglementieren, ohne stichhaltige Fakten zu haben, dass das Ganze der Sicherheit auch wirklich etwas bringt."