Sie sieht aus, als wäre sie direkt einem Science-Fiction-Film entsprungen: Der US-Rüstungskonzern Lockheed Martin treibt die Entwicklung seiner neuen Kampfdrohne "Vectis" voran. Jetzt wurde erstmals ein Modell des futuristischen Fluggeräts in Originalgröße öffentlich gezeigt.
Die Präsentation erfolgte bei der Air, Space & Cyber Conference in National Harbor im US-Bundesstaat Maryland. Mit ihrer flachen, schwanzlosen Form wirkt die Maschine ungewöhnlich futuristisch. Im Netz sorgte die Optik prompt für UFO-Vergleiche und Spekulationen über angebliche Alien-Technologie.
Belege für Alien-Technologie gibt es freilich keine. Hinter "Vectis" steckt Lockheed Martins berühmte Entwicklungsabteilung Skunk Works, die seit Jahrzehnten an neuartigen Militärflugzeugen arbeitet.
Und das Projekt nimmt jetzt deutlich Fahrt auf. Neben dem bereits im Bau befindlichen ersten Prototyp will Lockheed Martin vier weitere Vectis-Maschinen herstellen. Insgesamt sind damit vorerst fünf Exemplare geplant.
Der erste Prototyp soll bis Ende 2027 abheben. Vectis soll sowohl selbstständig als auch gemeinsam mit bemannten Kampfjets wie der F-35 operieren können.
Das mögliche Einsatzgebiet ist breit: Lockheed bietet die Drohne unter anderem für Präzisionsangriffe, Aufklärung, Zielerfassung, elektronische Kampfführung und Luftabwehr an.
Einen entscheidenden Haken gibt es allerdings: Noch hat Lockheed Martin keinen Kunden, keinen Vertrag und auch keinen Stückpreis für Vectis bekannt gegeben. Der Rüstungskonzern finanziert die Entwicklung bisher selbst und will die Drohne den US-Streitkräften sowie verbündeten Ländern anbieten.
Beim ersten Teil des großen Drohnenprogramms der US-Luftwaffe kam Lockheed mit einem Flugzeug nicht zum Zug. Die Produktionsaufträge gingen dort an die Konkurrenten General Atomics und Anduril. Vectis ist bisher auch keinem bestimmten Wettbewerb offiziell zugeordnet.
Bemerkenswert ist das Tempo der Entwicklung. Laut Lockheed vergingen vom ersten Entwurf bis zu den Windkanaltests weniger als zwei Monate. Nach sechs Monaten war der erste digitale Prototyp fertig.
Beim Triebwerk setzt der Konzern bewusst auf Bewährtes. Vectis soll mit einem Williams FJ44-4 ausgestattet werden, einem bereits erprobten Turbofan-Triebwerk. Dadurch soll die Entwicklung zusätzlich beschleunigt werden.
Ob Vectis eines Tages tatsächlich für das US-Militär in den Einsatz geht, ist noch offen. Für Aufsehen sorgt die geheimnisvolle Drohne aber schon lange vor ihrem ersten Flug – ganz ohne Hilfe von Außerirdischen.